Soziale Medien
Richtig genutzt, bringen Facebook und Co. viele Vorteile

Die Internet-Plattformen nehmen auch bei Langenthaler Firmen eine immer grössere Bedeutung ein. Vor allem im Hinblick auf die nächste Generation müssen sich Firmen mehr auf soziale Medien konzentrieren.

Fabienne Wüthrich
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Facebook-Portal

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Facebook, Google+, Youtube, Xing und Twitter: Soziale Medien halten Einzug in den Alltag der Gesellschaft. Fast kein Tag vergeht, an dem uns die Menschen nicht mitteilen, wo sie gerade in den Ferien sind – und wie toll der Cocktail auf der thailändischen Insel Koh Tao doch schmeckt. Was man früher bei einem Kaffee beredet hat, erfährt man nun über die sozialen Plattformen im Internet.

Firmen und Unternehmen haben die sozialen Medien teilweise ebenfalls bereits entdeckt. «Wir stecken aber noch in den Kinderschuhen», sagt Thomas Schüpfer, CEO der Langenthaler Web-&-Corporate-Design-Agentur 3w-publishing AG. Der vermittelte Informationsgehalt über solche Plattformen sei noch gering. «Die Unternehmen suchen zurzeit den Nutzen der sozialen Medien», sagt er. Aber: «Diese Plattformen sind die Kommunikation der Zukunft.» Schüpfer muss es wissen: Seine Firma berät andere Firmen unter anderem in Sachen Internetauftritt. Zudem bietet die Agentur Seminare zum Thema soziale Medien an.

Vor allem im Hinblick auf die nächste Generation müssten sich Firmen mehr auf soziale Medien konzentrieren. «Das wird eine deutlich höhere Bedeutung haben als jetzt», sagt er überzeugt. Im Zusammenhang mit den Generationen stehen Unternehmen künftig vor einer grösseren Herausforderung. Es gebe die jungen Menschen, die sich ständig über soziale Plattformen austauschen würden: «Für sie ist es ein Hype, sie posten Fotos über die sozialen Medien, teilen alles mit.» Für die mittlere Generation ab Anfang 30 seien soziale Medien nicht so bedeutend. «Die ältere Generation sieht praktische keinen Nutzen in solchen Plattformen.»

Ammann ist zurückhaltend

Unternehmen können soziale Medien nicht einfach ignorieren: «Social Media gehört in jedes Unternehmen und muss gelebt werden», sagt er. «Wichtig ist, dass eine klare Social-Media-Strategie besteht.» Konkret heisst das: Firmen müssen sich überlegen, was und wen sie damit erreichen wollen, was sie mitzuteilen haben, wie der Erfolg gemessen werden soll und wer die sozialen Medien betreut. Auch eine klare Zielsetzung sei Pflicht. Mittels sozialen Medien können beispielsweise der Dialog mit Benutzern gepflegt, Mitarbeitende gesucht sowie Neukunden gewonnen werden. «Soziale Medien haben zahlreiche Vorteile, wenn sie richtig eingesetzt werden», sagt er. Darüber hinaus komme es auf das Unternehmen an, das die Internet-Plattformen nutzen möchte. Bei einem Treuhandbüro brauche es keine sozialen Medien, hingegen seien sie bei einer Firma mit Verkaufsabsichten durchaus erwünscht. Im Zusammenhang mit Industriebetrieben erreiche man hingegen den Zielkunden nicht unbedingt. «Die Firmen werden so gar nicht wahrgenommen», sagt Schüpfer bestimmt.

Nachgefragt bei der Ammann Group bestätigt Lukas Jenzer, Leiter Kommunikation, Schüpfers Aussage: «Im Investitionsgütermarkt, in welchem sich Ammann mit seinen Bauausrüstungsprodukten bewegt, scheint der Marktnutzen gering zu sein.» Ammann beobachte jedoch die Entwicklung der verschiedenen Social-Media-Angebote im Zusammenhang mit der Nutzung für Firmenzwecke. «Das Personalmarketing prüft zurzeit die sinnvolle Anwendung von Social Media zur Rekrutierung neuer Mitarbeitenden», so Jenzer. Allerdings sei das Unternehmen diesbezüglich eher zurückhaltend und konzentriere sich auf die Nutzung relevanter Medien. Bei Ammann selber ist die Plattform Facebook für die Mitarbeitenden gesperrt: «Wir vertreten die Auffassung, dass diese Plattform vornehmlich privaten Zwecken dient», sagt Jenzer.

«Unsere Firmenkultur basiert nicht auf Einschränkungen und Sperrmassnahmen, sondern auf Vertrauen», sagt hingegen Adrian Berchtold, Leiter Marketing und IT bei der Porzellanfabrik Langenthal AG. Deshalb hätten die Mitarbeitenden Zugriff auf soziale Plattformen. Noch arbeitet das Unternehmen nicht mit sozialen Medien. Noch nicht: «In naher Zukunft ist es angedacht, den Fabrikladen ins Facebook einzubinden. Mit einer Fanseite der Porzellanfabrik wollen wir das interessierte Publikum auf Neuheiten und Aktionen im Laden aufmerksam machen», sagt Berchtold. Zurzeit sei es noch kein Thema, Produkte über solche Internet-Plattformen zu verkaufen, «in Zukunft wäre es aber denkbar».

Social Media zu nutzen, sei je nach Kundensegment sinnvoll. Jemand finde etwas toll, die Facebook-Freunde würden dies sehen und ebenfalls neugierig, sagt er. Es sei zudem kostenlos, eine Fanpage zu erstellen und die Reaktionen zu testen, das Risiko sei somit also äusserst gering.

Social-Media-Strategie erarbeiten

Eine Fanseite auf Facebook hat bereits die Firma Création Baumann. Dabei werden vor allem die Pinnwand (Text, Bilder, Videos, Links) und die eigene Einstiegsseite genutzt. Vertreten ist das Unternehmen ebenfalls auf Youtube, wo Kurzfilme gepostet werden. «Wir nutzen die Plattformen im Moment als Test, um damit Erfahrungen machen zu können», sagt Corinne Hunziker, Marketing Manager bei Création Baumann.

«Wir sind aktuell an der Erarbeitung einer Social-Media-Strategie, um die richtigen Medien, die Zielsetzung und Massnahmen zu definieren», sagt sie. Die Strategie müsse eine Antwort geben auf verschiedene Punkte: welche Kommunikationskanäle, Ziele, Zielgruppen, Inhalte, interne Struktur wie Verantwortung, Zuständigkeiten sowie Organisation?, so Hunziker. Für den grössten Teil der Mitarbeitenden seien soziale Medien gesperrt. Zu einer Social-Media-Strategie gehörten auch Richtlinien für die Mitarbeitenden. «Erst dann sollte man über eine Entsperrung nachdenken.»