Basler Wahlen
Richtet sich das Basler Wohnangebot zu stark an Gutverdienende?

Die Frage, ob der Kanton in den Wohnungsmarkt eingreifen soll, spaltet die Meinungen der Basler Parteipräsidenten. Die Linken fordern fast einstimmig mehr gemeinnützigen Wohnungsbau. Nur die Grünliberalen schlagen sich auf die bürgerliche Seite, die mehr attraktive Wohnungen für den Mittelstand wünschen.

Andreas Maurer
Merken
Drucken
Teilen
Blick über den Rhein: Links das Klybeckquai, rechts der Novartis-Campus.

Blick über den Rhein: Links das Klybeckquai, rechts der Novartis-Campus.

Keystone

Juri Junkov

Das Wohnangebot ist in Basel auf alle Bevölkerungsgruppen ausgerichtet. Es fehlen bezahlbare Wohnungen für Familien oder Menschen mit tiefen Einkommen. Auch fehlt es an Wohnraum für StudentInnen. Die Wohnsituation verschärft sich aber zusehends. Der Leerwohnungsbestand ist in den letzten Jahren laufend gesunken. Mit 0,5 Prozent ist er heute sehr tief. Dies führt zu Mietzinssteigerungen. Es braucht deshalb mehr gemeinnützigen Wohnungsbau, so wie es die Initiative «Wohnen für alle» der SP fordert.

Nicole Nars-Zimmer

Nicht so sehr das Wohnangebot, sondern die bisherige Wohnbauförderung war einseitig auf Gutverdienende ausgerichtet. Dies soll sich, wie die Regierung anlässlich der Präsentation des Wohnbaufördergesetzes verlauten liess, künftig ändern. Die rasche Umsetzung bei der Wasserstrasse ist dringlich. Wir hoffen, dass den Worten nun auch Taten folgen und der Kanton in der Wohnpolitik eine aktive Rolle übernimmt, zum Schutz von günstigem Wohnraum und zur Förderung des genossenschaftlichen respektive gemeinnützigen Wohnungsbaus.

Heinz Dürrenberger

Die in letzter Zeit neu erstellten Wohnungen sind oft für Gutverdienende gebaut worden. Der Kanton sollte stärker Einfluss nehmen als heute, dass eine bessere Durchmischung stattfindet und vor allem auch bezahlbare Wohnungen für Familien entstehen. Das macht die Quartiere lebendig und vielfältig. Zum Beispiel beim Kinderspital hätte eine stärkere Durchmischung von Wohnangeboten stattfinden müssen. Der Kanton soll auch vermehrt Genossenschaften fördern.

Kenneth Nars

Nein. Als Stadt hat Basel viele belastende Sozialfaktoren. Die damit verbundenen Sozialleistungen müssen finanziert und die Lasten möglichst gesenkt werden. Es braucht mehr attraktive Wohnungen für mittelständische Steuerzahlende, insbesondere solche mit Kindern und gerade in «benachteiligten» Quartieren, damit eine bessere Durchmischung entsteht und die Chancengerechtigkeit verbessert wird. Der Fundamentalwiderstand gegen eine solche Aufwertung ist zynisch gegenüber der nachwachsenden Generation.

Zur Verfügung gestellt

Die Bereitstellung von Wohnungen im Hochpreissegment ist nicht Sache des Staates und von diesem kaum beeinflussbar. Bei der Schaffung von Wohnraum in der mittleren und unteren Preiskategorie soll sich der Staat sehr wohl engagieren, sei es durch die Zurverfügungstellung von Bauland oder durch die Ausrichtung von Zuschüssen an gemeinnützige Bauträger. Im Gegenzug ist sicherzustellen, dass der geschaffene Wohnraum auf Dauer von einer angemessenen Zahl von Bewohnern genutzt wird, das ist im Sinne einer nachhaltigen Wohnbaupolitik.

Nicole Nars-Zimmer

Nein, der Grosse Rat hat der Regierung den Auftrag erteilt, 5000 neue Wohnungen bereitzustellen. Insbesondere wurde vereinbart, dass dies Wohnungen für gute Steuerzahler sein sollten. Dass diesbezüglich noch Luft vorhanden ist, zeigt die Anzahl Nettosteuerzahler. Eine attraktive Stadt braucht neben den vielen Wohngenossenschaften auch gehobenen Wohnraum, um Steuersubstrat zu generieren. Dass es dabei auch genügend Wohnraum für mittelständische Familien wie für die ältere Generation braucht, ist für uns selbstverständlich.

Kenneth Nars

Nein. Der Leerbestand bei kleinen und nicht so komfortablen Wohnungen ist höher als bei den komfortableren Wohnungen. Basel braucht eine gesunde Mischung. Generell sollen die Wohnkosten nicht zu hoch sein. Deshalb braucht es neue Projekte, wie im Hafenareal, damit der Druck abnimmt. Zudem muss das Baugesetz entschlackt werden. Viele Regeln treiben nur die Kosten und somit die Mietzinse in die Höhe. Übrigens: Bewohner von teuren Wohnungen und Häusern zahlen viel Steuern - das kommt allen zugute.

Andreas Maurer

Nein. Es braucht den Mix: für Familien - grosse Wohnungen sind gefragt - und auch für solche Leute, die zum Beispiel nach dem Auszug der Kinder ihr Haus auf dem Land verkaufen wollen und eine luxuriöse Wohnung an guter Lage in der Stadt suchen. Es darf nicht sein, dass Gutverdienende sich nicht in der Stadt niederlassen wollen, weil sie nichts finden. Wir sind auf deren Steuern angewiesen. Leute mit tiefen Einkommen erhalten Unterstützung. Für den Mittelstand besteht aus Sicht der LDP Handlungsbedarf.

Kenneth Nars

Der Begriff «ausgerichtet» suggeriert, man könne den Immobilienmarkt planwirtschaftlich steuern. Dem ist nicht so. Solange Basel hohe Steuern, hohe Kriminalität, schlechte Schulen, wenig Grünflächen und schlechte Voraussetzungen für Unternehmen hat, werden vor allem Sozialbezüger und schlecht integrierte Ausländer angezogen. Das verbilligt den Immobilienmarkt. Hätten wir tiefe Steuern, gute Schulen, wäre Basel sicher und würden wir auf den Erhalt von Grünflächen achten, würden wir Gutverdiener anziehen und das Wohnen würde teurer.