Regierungskandidaten im Gespräch
René Kunz: «Mir ist klar, dass ich ein krasser Aussenseiter bin»

René Kunz (Schweizer Demokraten) will in den Regierungsrat und empfiehlt sich als kompromissbereit. Das fünfte Interview der Regierungsratskandidaten im Gespräch.

Mathias Küng
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René Kunz

René Kunz

Annika Buetschi

Sie bringen eine selbst gebastelte Landschaft, ob der eine Baggerschaufel schwebt. Was besagt dies?

René Kunz: Diese Landschaft symbolisiert für mich den Kanton Aargau, der zubetoniert wird. Der Aargau hat schon über 600000 Einwohner. Es wird immer enger. Vielleicht sind wir in 20 Jahren schon 800 000 Menschen im Aargau. Selbst die schönsten Landschaften und Erholungsräume werden verschandelt und Bauern werden verdrängt. Es geht nicht so weiter. Wir müssen unbedingt mehr Rücksicht auf die Landschaft nehmen und dabei auch an unsere Nachkommen denken.

Das würde ein grüner Politiker gewiss unterschreiben.

Von mir gibt es etliche Vorstösse mit grünen Anliegen. Aber es gibt einen grossen Unterschied zwischen den Grünen und uns. Wir wehren uns auch gegen die massive Einwanderung. Jährlich kommen 50 000 Menschen in die Schweiz, viele davon zu uns, weil der Aargau attraktiv ist.

Smartvote

Viele Steuerungsmöglichkeiten hat die Schweiz aufgrund der Personenfreizügigkeit aber nicht mehr.

Der Bundesrat soll die Ventilklausel für gewisse osteuropäische Länder endlich einsetzen. Natürlich sollen bei Bedarf gut qualifizierte Ausländer hierherkommen dürfen. Aber ich kenne Fälle von Schweizern, die auf die Strasse gestellt und an ihrer Stelle eine junge, billige, weniger qualifizierte ausländische Arbeitskraft eingestellt worden ist.

Da kann man sich aber wehren. Gesamtarbeitsverträge sind einzuhalten. Die sollen Dumpinglöhne verhindern. Das wird kontrolliert.

Von mir aus gesehen, wird dies zu wenig kontrolliert. Es gibt Betriebe, die die Mindestlöhne nicht einhalten. Wenn man sie erwischt, soll man ihnen Höchstbussen auferlegen. Es kommen auch viele Scheinselbstständige ins Land und solche, die schwarz arbeiten. Es braucht mehr Kontrollen.

Gibt es nicht auch viele schweizerische Schwarzarbeiter?

Gewiss, aber die Öffnung der Grenze brachte es mit sich, dass viele Schweizerinnen und Schweizer um ihre Arbeitsplätze bangen müssen oder sie sogar verlieren.

Aber die Arbeitslosigkeit sinkt.

Die Arbeitslosigkeit ist im Grunde genommen auf dem gleich hohen Niveau. Es gibt aber viele Menschen, die nicht mehr in den Arbeitsprozess eingegliedert werden können. Diese Menschen werden dann zu Sozialhilfeempfängern. Beispiele gibt es zur Genüge.

Ihre Partei hat einen Wähleranteil von 1,24 Prozent. Hand aufs Herz, Sie sind chancenlos.

Mir ist völlig klar, dass ich ein krasser Aussenseiter bin. Aber das Aargauervolk soll eine Auswahl haben. Sonst gäbe es reine Bestätigungswahlen. Das wäre nicht der Sinn unserer direkten Demokratie.

Geht es nicht auch darum, dass die SD dank mehr Bekanntheit die Quorumshürde nehmen kann?

Das 5-Prozent-Quorum werden wir im Bezirk Kulm nehmen. 2009 hatten wir da schon 4,3 Prozent. Aber gewiss hat meine Kandidatur auch mit dem Quorum zu tun. Die Bevölkerung im Wynental kennt mich. Ich will aber auch die anderen Regionen ansprechen. Das kann ich mit einer Regierungsratskandidatur tun.

Was würden Sie denn in der Regierung verändern wollen?

Ich habe im Grossen Rat oft festgestellt, dass bei vielen Parteien ideologische Gründe einer Lösung im Weg stehen und zu viel Parteipolitik betrieben wird. Am Schluss braucht es aber Konsens. Ich kann und würde Kompromisse machen, um Zukunft zu gestalten. Ohne Kompromisse kommt unser Kanton nirgendwohin. Ich schaue jedes Anliegen an, ob es von links oder rechts kommt, und entscheide dann.

Der Kanton geht mit «Crime Stop» präventiv gegen kriminelle Asylbewerber vor. Sind Sie mit dem Zwischenergebnis zufrieden?

Die Menschen fühlen sich nicht mehr sicher, der Kanton muss handeln. Was er aber macht, ist reine Pflästerlipolitik, mit der man sie beruhigen will. Die Idee, beispielsweise mit Zivilschutzpatrouillen in gefährdeten Quartieren Einbrüche abzuwenden, ist ein falscher Weg.

Solche Patrouillen gab es schon früher. Sie haben etwas gebracht.

Natürlich muss man etwas tun. Dafür würde ich aber unbewaffnete, zivile Streifen einsetzen. Etwa von einer Sicherheitsfirma. Und bei unhaltbaren Zuständen wie noch vor kurzem am Bahnhof Aarau muss der Staat eingreifen. Ich habe dazu ja ein Postulat eingereicht, das die Regierung entgegengenommen hat. Und Urs Hofmann hat auch gehandelt, das ist gut. Mich stört aber, wenn kriminelle Asylbewerber verhaftet und kurz danach wieder freigelassen werden. Sie gehören bis zur Ausweisung in eine bewachte Unterkunft.

Ihr grösster Erfolg im Grossen Rat war die Burka-Standesinitiative, die in Bern aber keine Chance hat.

Nicht nur das. Wir haben kürzlich unsere Mundart-Initiative einreichen können. Der Burka-Vorstoss kam für mich völlig überraschend durch. Zugestimmt wurde ihm unter dem Titel «Vermummungsverbot». Dies hatte damals für mich unheimlich negative Auswirkungen.

Wurden Sie bedroht?

Ich hatte schlaflose Nächte. Ich wurde bedroht, bekam anonyme Morddrohungen und wurde auf einer ausländischen islamistischen Website «zum Abschuss freigegeben». Damals habe ich mich jeweils erst gut umgeschaut, bevor ich das Haus verliess.