Rekordanstieg der Gesundheitskosten

Um 6,7 Prozent sind 2013 die Kosten in der Grundversicherung gestiegen. Es drohen massiv höhere Prämien.

Fabienne Riklin
Merken
Drucken
Teilen

Noch nie sind die Kosten für Spitalaufenthalte, Arztbesuche, Medikamente und Ähnliches so stark gestiegen wie vergangenes Jahr. Jeder Versicherte beanspruchte die obligatorische Grundversicherung durchschnittlich mit 3469 Franken – das sind 6,7 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Insgesamt schlugen die Behandlungen mit knapp 28 Milliarden Franken zu Buche.
Gross sind die Unterschiede zwischen den Kantonen. Während die Gesundheitskosten etwa in Bern um 3,7 Prozent zugenommen haben, sind sie in Freiburg um 12,2 Prozent gestiegen. Das zeigen noch unveröffentlichte Zahlen des Datenpools der Krankenkassen, die der «Schweiz am Sonntag» vorliegen.
Das Problem: Während andere Branchen 2013 keine Teuerung verzeichneten, steigen die Gesundheitskosten unaufhaltsam. Vor allem steigen die Gesundheitskosten stärker als die Prämien. Felix Schneuwly, Krankenkassenexperte des Internetvergleichsdienstes Comparis, ist deshalb alarmiert. In der Vergangenheit führten nicht kostendeckende Prämienerhöhungen nach ein paar Jahren stets zu einem Prämienschock. «Die Prämiensteigerungen 2013 und 2014 decken die Kostensteigerungen nicht einmal mehr zur Hälfte», sagt Schneuwly. Ein Teil der Differenz könne durch die Erträge am Kapitalmarkt kompensiert werden. Er ist aber überzeugt, dass die Reserven bei einigen kleineren und mittleren Kassen bereits dieses Jahr knapp werden.
Die Folgen: Die Prämien 2015 müssen einen Teil des Kostenwachstums 2013 und 2014 nachholen und auch noch das Kostenwachstum 2015 decken. «Das könnte für diese Kassen einen Prämienschub von plus 6 und mehr Prozent bedeuten», sagt Schneuwly.
Paul Rhyn vom Krankenkassenverband Santésuisse sagt, es sei zu früh für eine konkrete Prognose. «Doch Versicherer müssen wohl mit einem Prämienanstieg rechnen.» Bei den Krankenkassen ist man ebenfalls vorsichtig. «Unsere Prämien sind moderat um 2 Prozent gestiegen, doch dieses Jahr dürfte der Anstieg nicht mehr ganz so moderat ausfallen», sagt Ute Dehn Christen von der CSS-Versicherung. Und Yves Seydoux von Groupe Mutuel sagt: «Die Balance zwischen Kosten und Prämien muss jede Kasse für sich neu festlegen.»
Kritiker werfen dem Bundesrat vor, die Prämiensteigerungen bis anhin bewusst tief gehalten zu haben, um den Befürwortern der Einheitskassen-Initiative keine Argumente zu liefern. Wohl noch dieses Jahr stimmt die Schweiz über die Initiative ab.
Kostentreiber waren im vergangenen Jahr vor allem die stark steigenden stationären Spitalbehandlungen. Sie haben im Vergleich zum Vorjahr um 15 Prozent auf 6,7 Milliarden Franken zugenommen. Allerdings bilden die neusten Zahlen die Kostensteigerung der Spitalleistungen verzerrt ab. Grund dafür ist die 2012 eingeführte Fallpauschale. Seither können die Spitäler nicht mehr Behandlungstage in Rechnung stellen, sondern erhalten von den Kassen und Kantonen Geld pro Diagnose. Wegen des Systemwechsels verzögerten sich bei einigen Spitälern die Abrechnungen. So verschickten viele ihre 2012 erbrachte Leistungen erst 2013 an die Krankenkassen.
Eine erste Zwischenbilanz nach der Einführung der Fallkostenpauschale zeigt, dass das neue System die Kosten nicht dämpfen konnte. Conrad Engler vom Spitalverband H+ verteidigt das Fallpauschalen-System. «Die Alterung der Bevölkerung und der Anstieg der Zahl der Erkrankungen sowie der medizinische Fortschritt führen zu höheren
Kosten und nicht die Fallpauschale», sagt er. Engler ist überzeugt, dass das Fallpauschalen-System mehr Wirtschaftlichkeit und Effizienz bringen werde. Gerade weil ein Vergleich der Spitaltarife möglich werde.
Mehr Themen finden Sie in der gedruckten Ausgabe oder über E-Paper