Regierungsrat Zürich
Regierungsrat Mario Fehr wollte Ausländer im Polizeidienst

Der Schweizer Pass ist im Kanton Zürich Voraussetzung, um Polizist zu werden. Dabei forderte der heutige politische Chef der Kantonspolizei, Regierungsrat Mario Fehr, schon 1999 als Kantonsrat, Ausländer für den Polizeidienst zuzulassen.

Michael Rüegg
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Als Parlamentarier wollte Mario Fehr eine Lockerung der Aufnahmeregeln bei der Polizei, als Regierungsrat schwieg er bislang dazu.

Als Parlamentarier wollte Mario Fehr eine Lockerung der Aufnahmeregeln bei der Polizei, als Regierungsrat schwieg er bislang dazu.

efu

Letzte Woche gab der Zürcher Regierungsrat bekannt, wie viele der kantonalen Angestellten ausländische Staatsbürger sind (Ausgabe vom 21. Juli). Nicht überrascht haben die Zahlen der Sicherheitsdirektion von Regierungsrat Mario Fehr (SP). Dort beträgt der Ausländeranteil bloss rund 4 Prozent. Der Grund: Polizeibeamte, die in der Direktion den grössten Anteil an Mitarbeitenden ausmachen, müssen von Gesetzes wegen Schweizer Bürger sein.

Dabei weist Fehr immer wieder auf personelle Engpässe im Zürcher Polizeikorps hin. Engpässe, die auch der Präsident des Verbandes Schweizerischer Polizei-Beamter, Jean-Marc Widmer, sieht. Laut Widmer könnten sie unter anderem behoben werden, indem man in der Schweiz niedergelassene Ausländer zum Polizeidienst zulassen würde. Einzelne Kantone haben dies bereits getan, etwa Basel-Stadt, Schwyz, Jura und Neuenburg.

Als Kantonsrat wollte er noch

Bereits 1999 forderten zwei Zürcher Kantonsräte den damaligen Regierungsrat in einer Anfrage auf, diese Regel abzuschaffen, wonach der Schweizer Pass zwingend ist, und auch ausländische Staatsbürger als Polizisten zuzulassen. Einer der damaligen Kantonsräte: Mario Fehr, heutiger politischer Chef der Zürcher Kantonspolizei. Zusammen mit dem Grünen Daniel Vischer, mittlerweile Nationalrat, verlangte Fehr, dass auch niedergelassene Ausländer mit C-Bewilligung für den Polizeidienst zugelassen werden. Begründung: Damit könne das Vertrauen in den Staat gestärkt werden und ein Beitrag zur Integration geleistet werden.

Polizistenverband winkt ab

Seit Fehr als Regierungsrat für die Kantonspolizei verantwortlich ist, hat er sich nicht mehr zu seiner Idee aus früheren Tagen geäussert. Vielleicht, weil ihm aus den Reihen der Polizei ein eisiger Wind entgegenbläst.Denn Peter Reinhard, EVP-Kantonsrat und Präsident des Verbandes der Kantonspolizisten, kann ausländischen Kollegen bei der Kapo nichts abgewinnen: «Wer sich integriert hat, kann sich einbürgern und ist im Polizeikorps willkommen.» Kantonsrätin Barbara Steinemann (SVP), die die Diskussion um Ausländer in der Verwaltung losgetreten hatte, winkt ebenfalls ab: «Ein Ausländer integriert sich nicht besser, wenn ihn ein Polizist mit Migrationshintergrund verhaftet.»

Mario Fehrs Partei, die SP, steht jedoch nach wie vor zu der einstigen Idee von Fehr und Vischer, wie Fraktionschef Raphael Golta bestätigt: «Wir sind der Meinung, dass gerade an den Frontjobs beim Kanton eine bessere Durchmischung von Schweizern und Ausländern nötig ist, dazu gehört insbesondere die Polizei.»

Ob Mario Fehr seine damaligen Pläne noch verfolgt, ist nicht bekannt. Eine Sprecherin der Sicherheitsdirektion liess ausrichten, er weile in den Ferien und sei nicht erreichbar.

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