Langenthal
Regierungsrat Käser krisiert Verfahren gegen Masutas

Der Langenthaler Geschäftsmann und Sikh-Gönner beklagt Ranjit Masuta sich über die Bundesanwaltschaft. Diese wirft ihm Betrug vor. Jetzt erhält Masuta Sukkurs von Regierungsrat Hans-Jürg Käser.

tobias granwehr
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Hans-Jürg Käser

Hans-Jürg Käser

Keystone

Der Fall des Langenthaler Geschäftsmanns Ranjit Masuta ging durch die nationalen Medien. Der Schweizer indischer Abstammung verdiente Millionen in der Telekommunikationsbranche – bis ihn die Bundesanwaltschaft (BA) ausbremste. 2006, kurz vor dem Börsengang seines Unternehmens World Telecom Network, wurde Masuta verhaftet. Der Vorwurf: Betrug und Geldwäscherei (siehe Kasten). Mittlerweile ist sein Imperium zusammengebrochen, Masuta hat alles verloren. Die Bundesanwaltschaft ermittelt hingegen immer noch gegen ihn – seit fünfeinhalb Jahren.

Was wird ihm vorgeworfen?

Ranjit Masuta sass 2006 mehrere Monate in Untersuchungshaft. Masuta war in der Schweiz seit Jahren in der Telekommunikationsbranche tätig. Er verkaufte Telefonkarten für günstiges Telefonieren ins Ausland. Nach eigenen Angaben verdiente er mit dem Verkauf dieser Karten bis zu 30 Millionen Franken pro Jahr. Ihm werden von der Bundesanwaltschaft Betrug und Geldwäscherei vorgeworfen. Konkret lautet die Anschuldigung: Masutas Firma versprach auf Werbeplakaten mehr Gesprächsminuten, als die Telefonkarten tatsächlich enthielten. Laut Masuta hatte sich jedoch nie ein Kunde darüber beklagt. In Langenthal sorgte er Ende 2007 ebenfalls für Schlagzeilen: Kurz nach der Wiedereröffnung des Hotels Langenthal kam es zum Streit mit dem Geschäftsführer. Der Zwist endete vor dem Kreisgericht - Masutas ehemaliger Geschäftsführer wurde wegen Diebstahls verurteilt. (tg)

«Setze mich ein»

Er setze sich nicht für Herrn Masuta ein, erklärte Käser gestern gegenüber dem az Langenthaler Tagblatt. Offenbar wurden seine Aussagen in der «Rundschau», die einen längeren Beitrag zum Verfahren gegen Ranjit Masuta ausstrahlte, aus dem Zusammenhang gerissen, denn: Er sei befragt worden, weil er zur Zeit des Baus des Langenthaler Sikh-Tempels Stadtpräsident gewesen sei.

Den mehrere Millionen Franken teuren Bau des Tempels beim Bahnhof Süd finanzierte hauptsächlich Masuta, wobei das Vorhaben nicht ohne Nebengeräusche vonstatten ging. Zeitweilig kam es sogar zu einem Baustopp. Weil Masutas Konten seit den Ermittlungen der BA eingefroren wurden, ist mittlerweile auch die Langenthaler Sikh-Gemeinschaft in eine schwierige finanzielle Situation geraten.

Das bemängelt Käser: Solange Masutas Situation ungeklärt sei, habe das einen Einfluss auf die Sikh-Gemeinschaft. «Als Bürger dünkt mich, der Rechtsstaat ist zu Fairness verpflichtet», so der Regierungsrat. Das heisst: Die BA müsse jetzt eine Anklageschrift formulieren oder als Alternative das Verfahren einstellen. Er habe sich jedoch nicht proaktiv zum Fall Masuta geäussert, sondern sei von den Journalisten angefragt worden.

Masuta von Unschuld überzeugt

Masuta selbst ist nach wie vor von seiner Unschuld überzeugt. Für diese Zeitung war er gestern nicht erreichbar, in der «Rundschau» sagte er aber: «Ich hoffe, dass eines Tages die ganze Wahrheit ans Licht kommt.» Was er in jahrelanger Arbeit aufgebaut habe, habe die BA in kurzer Zeit vernichtet, sagte er verbittert. Er fordert vom Staat mittlerweile eine Entschädigung von 130 Millionen Franken. Er habe seinen Ruf und sein Unternehmen verloren, begründete er die Forderung. Er werde jedoch für sein Recht kämpfen. In der Sendung hiess es, nur dank dem Verkauf zweier geerbter Villen in Indien sei er heute nicht mittellos.

Die Bundesanwaltschaft äusserte sich zum laufenden Verfahren nur knapp: «In Anbetracht der Dimension des Verfahrens und der generell beschränkten Mittel konnten die Ermittlungen nicht im gewünschten Masse vorangetrieben werden. Zurzeit warten wir auf den Schlussbericht der Polizei.» Unterstützung erhielt Masuta nicht nur von Käser, sondern auch von einem Strafrechtsprofessor: Die BA müsse langsam entscheiden, ob sie Anklage erheben oder das Verfahren einstellen wolle, sagte dieser. Für Masuta gilt nach wie vor die Unschuldsvermutung.

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