1. August
Regierungspräsident Kägi: «Das Schlimmste ist der Siedlungsbrei»

Für viele Schweizerinnen und Schweizer stehen Wälder, Hügel und Stöckli stellvertretend für den Begriff «Heimat». Regierungspräsident Markus Kägi warnte in seiner 1. August-Rede in Zürich aber davor, das Landleben zu verklären.

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Markus Kägi (Archiv)

Markus Kägi (Archiv)

Keystone

Für den SVP-Politiker steckt in der neuen Liebe zum Land einiges an Idealisierung, wie er gemäss Redetext sagte. Wenn daraus ein sorgfältiger Umgang mit der Natur resultiere, sei dagegen auch nichts einzuwenden.

Problematischer werde es aber, wenn daraus ein neuer Typus von Stadt-Land-Mensch entstehe. Damit meint Kägi jemanden, der für sein perfektes Leben viel Raum und Mobilität benötigt, also auf dem Land lebt und in der Stadt arbeitet und ausgeht.

Man müsse den Charakter der beiden Lebensräume Stadt und Land aber unbedingt erhalten. «Das Schlimmste ist ein Siedlungsbrei», sagte Kägi weiter. Als negatives Beispiel nennt er das Limmattal, wo mit dem Projekt «Agglomerationspark» nun wieder klar erkennbare Strukturen geschaffen werden.

Im Gebiet zwischen Zürich und Baden AG sollen mit diesem Projekt gewisse Gebiete mehr städtischen Charakter erhalten, andere hingegen werden bewusst ländlich gestaltet.

Urbanität schaffen, nicht nur Häuser bauen

Das Bevölkerungswachstum müsse man bewältigen, ohne dass es zur Zersiedlung komme, sagte Kägi weiter. Das Stichwort dazu sei «Verdichtung nach innen». Das Bildmaterial zu diesen Vorstellung stamme leider häufig aus den 1960er- und 1970er-Jahren und zeige viel Beton und gesichtslose Wohnblocksiedlungen.

Es gehe aber auch anders, zeigte sich Kägi überzeugt. Es müsse gelingen, eine neue Urbanität zu erfinden und nicht bloss Häuser zu bauen. Um dies zu erreichen, müsse sich die Bevölkerung aber wieder mehr für den öffentlichen Raum einsetzen. «Öffentlicher Raum wird heute oft missachtet. Privatraum dagegen wird zur heilen Welt emporstilisiert.»