Ratgeber Gesundheit
Querulanz als Lebensart

Einer unserer Mitarbeiter versucht seit mehreren Jahren zu beweisen, dass verschiedene Unregelmässigkeiten in unserer Firma vorgekommen seien. Am Anfang beschuldigte er seinen Vorgesetzten und äusserte später klare Drohungen. Alle Versuche, mit ihm ein konstruktives Gespräch zu führen, haben nur seine Unterschlagungs- und Verschwörungstheorie verstärkt. Wie kann man mit solchen Menschen umgehen, was raten Sie uns?

Dr. med. Peter Wermuth
Dr. med. Peter Wermuth
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Gesundheit Aargau
Dr. med. Peter Wermuth Chefarzt und Bereichsleiter Forensische Psychiatrie, PDAG    

Dr. med. Peter Wermuth Chefarzt und Bereichsleiter Forensische Psychiatrie, PDAG    

Gesundheit Aargau

Querulanten (Lat. „queri“- „vor Gericht klagen“) sind Menschen, die sich rasch ungerecht behandelt fühlen und aus geringfügigem oder vermeintlichem Anlass Klage erheben, sich bei Behörden oder Institutionen beschweren oder ständig offensichtlich unbegründete Anträge stellen. In der Literatur wurde diese Störung auch „Psychose der Leidenschaft“ genannt. Querulanz entsteht aus einem Zusammenspiel von sehr ausgeprägten Persönlichkeitsstilen (narzisstisch-schnell kränkbar; dramatisch-emotional; strukturliebend-rigid; wachsam-verdeckt misstrauisch), einer spezifischen Lebensphase und einem subjektiv signifikanten Ungerechtigkeitserleben. Männer in der Lebensmitte mit manchmal fehlender Perspektive und „gestorbenen Träumen“ sind die häufigsten Querulanten. Sie haben oft unterschiedliche Bildungsniveaus, selten eine kriminelle Vorgeschichte und litten nur vereinzelt unter einer schweren psychischen Krankheit. Aufgrund ihres Verhaltens sind Betroffene oft sozial isoliert, und es fällt ihnen meist schwer, eine Intimbeziehung aufzubauen. Ziel des Umgangs mit Querulanten ist nicht, Gewalt vorhersagen zu können, sondern sie zu verhindern. Es ist daher wichtig zu betonen, dass Querulanz an sich noch kein Gewalt-Risiko darstellt. Dies ist erst der Fall, wenn Warnverhalten hinzukommt. Eine schon etablierte Querulanz kann nicht behoben werden. Wir sollten nur lernen, auf eine respektvollere Art besser damit umzugehen. Sprechen Sie mit Ihrem Mitarbeiter und geben Sie im Vorfeld den zeitlichen Rahmen des Gesprächs bekannt. Versuchen Sie „Kampfrhetorik“ nicht zu erwidern. Bleiben Sie im Gespräch immer eindeutig und steigen Sie nicht auf Provokationen ein. Unangemessene Kommunikation und Drohungen sollten nicht ignoriert und klare Grenzen gesetzt werden. Am Telefon sollte auf das Thema fokussiert geantwortet und auf schriftliche Korrespondenz so knapp wie möglich reagieret werden. Sollten die Drohungen zunehmen, wenden Sie sich an die Polizei oder holen Sie sich juristischen Beistand. Die Polizei und andere öffentliche Stellen arbeiten eng mit dem Zentrum Forensische Psychiatrie der PDAG zusammen, das auch entsprechende ambulante Abklärungen, Beratungen und Therapien anbietet. Weitere Informationen finden Sie im Internet unter www.pdag.ch.