Mundart-Debatte
Qualität zuerst

Die Wahl der Sprache ist die literarische Arbeit, den gestalterischen Umgang mit Sprache, sekundär.

Andreas Neeser
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«Für die Literatur macht es grundsätzlich keinen Unterschied, ob man in Hochdeutsch oder Mundart schreibt. Es gibt eine literarische Sprache und eine Alltags-Sprache. Die Wahl des Idioms aber ist für die literarische Arbeit, den gestalterischen Umgang mit Sprache, sekundär. Mundart ist für uns «Herzenssprache», sie berührt uns weniger rational, sondern geht «direkt in den Bauch». Ich merke das bei Lesungen. Die Leute sind unmittelbarer berührt, wenn ich Mundart-Texte lese. Das ist toll. Es ist aber auch gefährlich; Mundarttexte werden gern vorschnell zum bluemete Tröögli in die Heimatecke gestellt.

Dass ich einen Mundart-Band gemacht habe, kam daher, dass sich mir bestimmte Wörter aufgedrängt haben. Vergessen geglaubte Wörter aus meiner Kindheit sind «obsi» gekommen: rumpuusse, vertrischaagge, Möisi etc., Man kann sagen, meine Ur-Sprache hat sich mir aufgedrängt und einen Stoff gesucht. Sonst ist es ja eher ein Stoff, der zu etwas gemacht werden will.»

Andreas Neeser: No alles gliich wie morn. Zytglogge 2009. 96 S., Fr. 22.--.

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