HESO 2015
Podium zum Alter: Über 100 Personen informieren sich über das späte Leben

An einem Nachmittagsanlass besuchten mehrere Organisationen die HESO, die zum Ziel haben, Alter erträglicher zu machen. Verschiedene Redner erzählten den Besucherinnen und Besucher von eigenen Erfahrungen, und was das Alter lebenswert macht.

Katharina Arni-Howald
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Johanna Borner erzählt Moderatorin Andrea Affolter aus ihrem Leben.

Johanna Borner erzählt Moderatorin Andrea Affolter aus ihrem Leben.

Hansjörg Sahli

«Alt werden ist nichts für Feiglinge.» Mit diesem Zitat der Schauspielerin Mae West eröffnete die Bereichsleiterin für Bildung beim kantonalen Roten Kreuz, Katharina Simonet, einen Nachmittagsanlass an der HESO, der dem Älterwerden gewidmet war. Mit im Boot waren zum achten Mal bereits weitere Non- Profit-Organisationen, die zum Ziel haben, das Alter erträglicher zu machen.

Mit dem Zitat «Lange leben wollen alle, aber alt werden will niemand» begrüsste Landammann Roland Heim die rund 100 Anwesenden, die der Einladung der Arbeitsgruppe AL’SO gefolgt waren und wohl hofften, vor allem mit den positiven Seiten des Älterwerdens konfrontiert zu werden. Heim räumte ein, dass Altern relativ sei und durchaus auch Lebensqualität verspreche.

«Alter ist nicht gleich Alter»

Ein «unbekanntes Land» sei es, meinte Pasqualina Perrig-Chiello, die darüber zahlreiche Bücher geschrieben hat und am Institut für Psychologie an der Universität Bern lehrt. «Alter ist nicht gleich Alter», verwies die Generationenforscherin auf die grossen Unterschiede und die Tatsache, dass man früher mit Fünfzig bereits ein Greis gewesen sei.

Doch auch wenn man sich noch fit fühle: «Man schätzt sich in der Regel jünger ein, als man ist», versuchte Perrig allfälligen Selbstüberschätzungen entgegenzuwirken. Allerdings: «Auch wenn das hohe Alter kritisch ist, die Kräfte nachlassen und Verluste zu schaffen machen, ist dank der heutigen Medizin und Prävention noch viel Lebensqualität vorhanden.»

Der Mensch sei anpassungsfähig. «Erworbenes Wissen bleibt lange erhalten, und das Entwicklungspotenzial ist bis ins hohe Alter vorhanden», betonte die Referentin. Vorausgesetzt, man könne sein Schicksal akzeptieren, aktiv bleiben und weiterhin soziale Kontakte pflegen. Allerdings müsse nicht nur der Körper gepflegt werden, sondern auch der Geist. «Spiritualität ist im Alter wichtig, und wer an die Vorsehung glaubt, hat es leichter», verriet Perrig.

Was das Alter lebenswert macht

Was alt werden konkret heisst, wussten alt Kantonsrätin Elisabeth Schibli, der ehemalige Gymnasiallehrer Jean Pierre Simmen und die Malerin Johanna Borner. Unter der Moderation von Andrea Affolter erzählten sie über ihr eigenes Älterwerden und das, was das Alter lebenswert macht.

«Die Zeit, die uns verbleibt, ist wertvoll, und wir dürfen nichts hinausschieben.» Elisabeth Schibli alt Kantonsrätin

«Die Zeit, die uns verbleibt, ist wertvoll, und wir dürfen nichts hinausschieben.» Elisabeth Schibli alt Kantonsrätin

Hansjörg Sahli

«Ich akzeptiere mein Alter und geniesse die Freiräume und meine Enkelkinder», zog Elisabeth Schibli Bilanz. «Die Zeit, die uns verbleibt, ist wertvoll, und wir dürfen nichts hinausschieben.» Und manchmal dürfe man sogar über sich selber schmunzeln: «Vor allem dann, wenn wir in den Keller oder in die Stadt gehen und nicht mehr wissen weshalb.»

«Das Älterwerden ist ein Prozess, der ein ganzes Leben dauert.» Jean-Pierre Simmen Ehemaliger Gymnasial-Lehrer

«Das Älterwerden ist ein Prozess, der ein ganzes Leben dauert.» Jean-Pierre Simmen Ehemaliger Gymnasial-Lehrer

Hansjörg Sahli

«Das Älterwerden ist ein Prozess, der ein Leben lang dauert», gab Jean Pierre Simmen zu bedenken. Im Alter kämen aber noch die Angst vor Krankheiten, dem Alleinsein und dem Sterbeprozess dazu. Auch die Frage über den Sinn des Lebens stehe plötzlich im Zentrum.

«Wir müssen dankbar sein und uns darauf konzentrieren, was in unserem Leben gut war, und nicht auf das, was wir falsch gemacht haben.» Was Perrig in Bezug auf die Spiritualität gesagt habe, sei richtig: «Spiritualität ist Sauerstoff für die Seele.» Dies, obwohl wir nicht wüssten, was nach dem Leben komme.

Johanna Borner erzählte über ihr Leben und über ihre Malereien, mit denen sie ihr Älterwerden verarbeitet.