Regierungsratskandidaten im Gespräch
Pius Lischer: «Es wäre wie eine Art Landsgemeinde auf Facebook»

Pius Lischer will das Volk nur beraten und Bürger im Internet abstimmen lassen. Zudem spricht er sich ganz klar für die Legalisierung aller Betäubungsmittel aus, denn «ein Verbot löst die Probleme nicht».

Fabian Muster
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Pius Lischer

Pius Lischer

Warum bringen Sie eine Hanfstaude mit?

Pius Lischer: Ich bin für die Legalisierung aller Betäubungsmittel. Ein Verbot löst die Probleme nicht. In der Schule soll man den Jungen erklären, was die Gefahren sind. Hanf ist wie Alkohol ein Genussmittel. Es ist kein Gift. Die Menge machts aus. Auch Heroin oder Kokain könnte man legalisieren und in den Apotheken und über Ärzte kontrolliert abgeben, damit es keine Dealer und Süchtige gibt.

Sie kiffen auch ab und zu?

Ja, aber bis zu den Wahlen will ich kein Cannabis mehr konsumieren.

Warum?

Weil ich den Politikern beweisen werde, dass ich nicht süchtig bin. Die Bussen und der Entzug des Führerausweises sind Eingriffe in meine persönliche Freiheit. Ich fahre seit 2007 nur noch Velo, Bahn und Bus.

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Aber Cannabiskonsum ist strafbar.

Das Verbot verstösst eigentlich gegen die Bundesverfassung und gehört daher abgeschafft.

Sie wollten schon Ständerat und Bundesrat werden und treten jetzt das zweite Mal für den Regierungsrat an. Was ist Ihre Motivation, obwohl Sie chancenlos sind?

Ich will das Volk beraten und nicht regieren. Die Bürger könnten über Internet Vorschläge machen und darüber abstimmen. Das ist wahre Volkssouveränität. Es wäre wie eine Art Landsgemeinde auf Facebook. Ich wäre nur ein Mediator, der Vorschläge macht.

Sie haben keine politische Erfahrung: Was befähigt Sie trotzdem zum Regierungsamt?

Weil ich keine politische Erfahrung habe und parteiunabhängig bin, mache ich nicht mit bei diesem Säuhäfeli-Säudeckeli-Spiel der Politiker. Ich nenne sie «Class-Poliparasiten», weil sie von ihren Entscheiden profitieren und sich gegenseitig Ämtli und Aufträge zuschanzen. Verbände und Parteien sind nur Filzvereine.

Was würden Sie als Erstes tun, wenn Sie Regierungsrat wären?

Ich würde das Grundeinkommen einführen und damit die sozialen Zwangsabgaben und Steuern ersetzen. Das Betäubungsmittelgesetz würde ich aufheben. Als Einkommen würden mir als Regierungsrat 120000 Franken reichen (Anm. d. Redaktion: bisher 300000 Franken).

Wie soll das bedingungslose Grundeinkommen aussehen und finanziert werden?

Jeder soll rund 3200 Franken monatlich erhalten. Das habe ich anhand von Statistiken errechnet. Primär soll das Grundeinkommen durch Abgaben auf nicht erneuerbare Energien, Wasserkraft sowie auf Bau- und Agrarland finanziert werden. Das Schweizer Bauland hat insgesamt einen Wert von rund 2000 Milliarden Franken. Dem Hausbesitzer gehörte nur das Gebäude und für das Grundstück würde er einen Zins an die Gemeinde zahlen.