Langenthal
Pflastersteine hindern Behinderte am Flanieren

Die Sozialdemokratin Beatrice Greber stört sich an der teilweise veralteten Pflästerung im Stadtzentrum. Der Grund: Betagte und Behinderte hätten mit den Pflastersteinen Mühe.

tobias granwehr
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Solothurner Zeitung

«Pflastersteine in der Ortsmitte erschweren oder verunmöglichen manchen Behinderten das Flanieren durch unsere Stadt», sagt Stadträtin Beatrice Greber (SP). Sie stören diese Hindernisse seit längerem.

Vor allem, weil sich Langenthal sehr darum bemühe, eine behindertenfreundliche Stadt zu sein. Laut Greber werden Rollstuhlfahrerinnen und -fahrer auf den Pflastersteinen oft schmerzhaft durchgeschüttelt.

Auf das Problem aufmerksam machen

Deshalb meiden sie das gepflästerte Zentrum häufig. Mittels Interpellation fragte Greber deshalb den Gemeinderat: «Ist er sich dieser Problematik bewusst?» Zudem wollte die Stadträtin wissen, ob schon Möglichkeiten geprüft worden seien, wie die Oberfläche bei Pflästerungen glatt gehalten werden könne?

Im Hinblick auf die nächste Stadtratssitzung vom kommenden Montag antwortet die Stadtregierung auf die Fragen und zeigt sich einsichtig: «Der Gemeinderat ist sich dieser Problematik bewusst.» Mit Pflastersteinen versehene Stadtkerne gehörten jedoch zur Kultur und Geschichte Langenthals. «Solche Bodenflächengestaltungen sind nach Ansicht des Gemeinderates zu erhalten», schreibt er in der Antwort.

Neue Steine sollen das Problem lösen

Bei neuen Pflästerungen wie in der Unteren Marktgasse oder auf dem Wuhrplatz soll aber den vielfältigen Nutzungsansprüchen Rechnung getragen und eine möglichst ebene, feine Oberfläche erreicht werden. Das versucht die Stadt mit geschliffenen Guberpflastersteinen umzusetzen.

Diese Sorte wird zum Beispiel auf dem neuen Wuhrplatz eingesetzt – mit einem finanziellen Mehraufwand von 290000 Franken. Das zeige: Der Gemeinderat lege Wert darauf, Aspekte wie jene der Behindertentauglichkeit im öffentlichen Raum möglichst zu erfüllen, schreibt er weiter.

Zur zweiten Frage von Stadträtin Greber bezüglich der glatten Oberfläche antwortet die Stadtregierung: «Der Gemeinderat verfolgt primär das Ziel, bei der künftigen Erneuerung oder Umgestaltung, beispielsweise in der Oberen Marktgasse, ebenfalls den geschliffenen Guberstein anzuwenden.»

Flächendeckende Streifen mit abgefräster Oberfläche seien hingegen weder am bestehenden gepflästerten öffentlichen Raum noch in Umgestaltungsvorlagen vorgesehen, schreibt der Rat.

Mit der Antwort auf ihre zweite Frage zeigt sich Interpellantin Beatrice Greber «nicht so glücklich». Es sei ja nicht ihr Ziel, das Ortsbild zu verändern – aber ein Stück gefräste Oberfläche müsse möglich sein, sagt die Sozialdemokratin.

Marktgasse in miserablen Zustand

Deshalb überlegt sich Greber, diese Problematik mittels Postulat genauer prüfen zu lassen. «In der Designstadt Langenthal gäbe es sicher kreative Lösungen, um den Behinderten das Leben zu erleichtern», sagt sie überzeugt.

Die Obere Marktgasse ist aus Grebers Sicht in einem «miserablen Zustand». Mit Kinderwagen sei es auf den alten Pflastersteinen ebenfalls nicht angenehm. Das sei jedoch nicht ihr Hauptgrund für die Interpellation gewesen.

Ihr gehe es vielmehr um Rollstuhlfahrerinnen und -fahrer sowie um Personen mit Gehhilfen. In der Unteren Marktgasse, wo die Pflastersteine erst vor zwei Jahren ersetzt wurden, ist es gemäss Greber für Rollstuhlfahrer immer noch nicht optimal.

Sie habe mehrfach von Betroffenen gehört, dass das Vibrieren trotz geschliffenen Steinen sehr schmerzhaft sei. Greber sagt allerdings auch: «Ich bin froh, dass der Gemeinderat das Problem der holprigen Pflastersteine erkannt hat.»