Zwischennutzung
Pavillon für Flüchtlinge: «Warum sollten wir diese Brache über zwei Jahre leer stehen lassen?»

Die gegenwärtige Flüchtlingssituation verpflichte, sagt Rolf Hefti, Geschäftsführer der Baugenossenschaft Zurlinden. Diese baut in Albisrieden eine Holz-Unterkunft für zwei Familien.

Florian Niedermann
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Auf dieser Brache an der Bachwiesenstrasse in Albisrieden soll bis im Juli ein Holzpavillon für zwei Flüchtlingsfamilien entstehen.

Auf dieser Brache an der Bachwiesenstrasse in Albisrieden soll bis im Juli ein Holzpavillon für zwei Flüchtlingsfamilien entstehen.

Florian Niedermann

Weil Asylsuchende in Zürich oft nur vorübergehend in Zwischennutzungen Obdach finden, ist die Stadt stets auf der Suche nach neuen Unterkünften. Nun springt in Albisrieden eine Genossenschaft mit einem Bauprojekt in die Bresche. Die gemeinnützige Unternehmerbaugenossenschaft Zurlinden (BGZ) will auf einer Brache an der Bachwiesenstrasse für zwei Jahre einen Holzpavillon für zwei Flüchtlingsfamilien errichten. «Angesichts der gegenwärtigen Situation sahen wir uns verpflichtet, etwas beizutragen», erklärt Rolf Hefti, der Geschäftsführer der Baugenossenschaft. Die Asylorganisation Zürich (AOZ) wird diese Notunterkünfte mieten und die dort lebenden Familien betreuen. Noch ist das Projekt allerdings baurechtlich nicht bewilligt.

Die Gelegenheit für die Zwischennutzung ergab sich, weil sich ein Bauprojekt der BGZ verzögert. Sie plant auf dem betreffenden Stück Land einen Neubau, will damit allerdings erst beginnen, wenn die Revision der städtischen Bau- und Zonenordnung (BZO) abgeschlossen ist. Hefti sagt: «Warum sollten wir diese Brache über zwei Jahre leer stehen lassen? Wir beschlossen stattdessen, auf dem Land einen Flüchtlingspavillon zu bauen und zu vermieten.» Heute steht auf der Brache bereits das Baugespann für die Notunterkunft.

BGZ-Präsident Urs Frei ist an einer Deutschen Firma beteiligt, die solche Pavillons aus Holz produziert. Bisher lieferte sie diese vor allem nach Norddeutschland. «Es lag für uns daher nahe, sie auch für unser Pilotprojekt einzusetzen», sagt Hefti. Was die Pavillons samt der Vollmöblierung kosten, könne er noch nicht sagen, erklärt der Geschäftsführer der Baugenossenschaft: «Profitabel ist diese Zwischennutzung für uns aber sicher nicht. Das Land stellen wir gratis zur Verfügung.»

Besichtigung beruhigte Kritiker

Bis Mitte April läuft die Rekursfrist für das Bauprojekt. In der Nachbarschaft wurde vor der öffentlichen Auflage Kritik laut. «Teilweise bestand die Befürchtung, dass die Asylsuchenden in diesem Wohnquartier zu einem Sicherheitsrisiko würden», sagt Hefti. Dennoch rechnet er nicht damit, dass bis zum Ablauf der gesetzlichen Frist noch eine Einsprache erfolgt. Die Bedenken hätten bei einer Besichtigung vor Ort ausgeräumt werden können, so der BGZ-Geschäftsführer.

Die Skeptiker hat laut Hefti insbesondere überzeugt, dass die Genossenschaft in der Zwischennutzung nur Familien unterbringen will. Diese Bedingung stellte sie als Vermieterin auch gegenüber der AOZ. Die Baugenossenschaft hat bereits eine Liegenschaft am Albisriederplatz an die Asylorganisation vermietet. Dort habe immer alles reibungslos geklappt, betont Hefti: «Die arbeiten hochprofessionell, daher bin ich der festen Überzeugung, dass es an der Bachwiesenstrasse keinerlei Probleme geben wird.» Sobald das Projekt offiziell bewilligt ist, will die BGZ mit dem Bau beginnen. Die Flüchtlinge sollen den Pavillon spätestens im Juli beziehen können.

Stadt erfüllt Kontingent, aber...

In Zürich ist das Projekt der Baugenossenschaft Zurlinden derzeit das einzige, bei dem aus privater Initiative Wohnraum für Asylsuchende gebaut werden soll. Die Stadt erfüllt ihr Asylkontingent von 2772 Personen gemäss kantonalem Verteilschlüssel (0,7 Prozent der Wohnbevölkerung) zwar bereits seit Monaten. Dennoch begrüsse die AOZ Angebote wie jenes der BGZ, sagt deren Mediensprecher Thomas Schmutz: «Wir müssen immer wieder Zwischennutzungen aufgeben und sind daher stets auf der Suche nach neuen Ersatz-Wohngelegenheiten.» Hinzu kommt, dass auch die drei temporären kantonalen Durchgangszentren mit 325 Plätzen dem städtischen Kontingent angerechnet werden.

Wenn der Kanton diese wieder schliesst, ist die AOZ auf andere Unterbringungen angewiesen.
Für die BGZ ist es mit dem einen Pavillon in Albisrieden aber noch nicht getan. Ihr Präsident Frei präsentierte ihn der Online-Plattform «lokalinfo.ch» als Pilotprojekt. «Unsere Idee ist, dass die Genossenschaften in der Stadt Zürich einen Beitrag im Asylbereich leisten sollen», liess er sich zitieren. Schliesslich profitierten sie von vielen Vorteilen wie etwa Land im Baurecht oder Nachgangsdarlehen. Verläuft ihr gegenwärtiges Projekt gut, so will die BGZ gemäss Geschäftsführer Hefti daher weitere Zwischennutzungen zugunsten von Asylsuchenden anbieten.