Richterswil
Paracelsus-Spital schlecht ausgelastet: NSN Medical soll übernehmen

Eine zu geringe Auslastung der Chirurgie gefährdet das Spital in Richterswil finanziell. Spital und Trägerverein wollen nun die Aktienmehrheit abtreten. Es soll eine gemeinsame Betreibsgesellschaft gegründet werden.

Alfred Borter
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Die Chirurgie ist nicht ausgelastet (Symbolbild)

Die Chirurgie ist nicht ausgelastet (Symbolbild)

Keystone

Das Paracelsus-Spital in Richterswil braucht Verstärkung. Die Auslastung der Chirurgie ist gegenwärtig zu gering, als dass sich die von der Gesundheitsdirektion vorgegebenen Mindestzahlen im kommenden Jahr erreichen liessen. Somit könnten für 2015 wichtige Teile des kantonalen chirurgischen Leistungsauftrags verloren gehen. «Das hätte einen sehr ungünstigen Einfluss auf die Gesamtauslastung unseres Spitals», heisst es in einem Schreiben des Trägervereins an seine Mitglieder.

Lösungsvorschlag ohne Alternative

Die Verantwortlichen des Spitals und des Trägervereins haben nach Auswegen gesucht, um einem drohenden finanziellen Kollaps zu entgehen, und präsentieren nun eine Lösung. «Noch ist nichts fixiert», betont der Geschäftsführer des Trägervereins, Christoph Messmer gegenüber der Limmattaler Zeitung. Der Weg ist allerdings vorgespurt: Trägerverein und Spitalleitung sehen die Zukunft in einer Kooperation mit der NSN Medical AG, einer in Meggen LU ansässigen Firma, deren Ziel unter anderem die Führung und Entwicklung innovativer Unternehmen im Gesundheitswesen ist; sie besteht aus einer Ärztegruppe.

Die Idee, die nun so weit konkretisiert wird, dass sie den Mitgliedern vorgeschlagen werden kann, besteht darin, mit dieser Firma gemeinsam für das Spital eine Betreibergesellschaft zu gründen, wobei 60 Prozent des Aktienkapitals von der NSN Medical übernommen werden. Dass man die Mehrheit der neuen Gruppe überlassen muss, «gibt zu beissen», wie Messmer einräumt, aber er ist zuversichtlich, dass alle beteiligten Organe dem neuen Modell zustimmen.

Eine Alternative ist nämlich nicht in Sicht. «Wir haben verschiedene Szenarien durchbesprochen», erwähnt Messmer, aber die Kooperation mit NSN Medical AG sei die einzige, die man für tragbar erachte.

Chirurgie «beleben und sichern»

Die Ärztegruppe soll den Bereich Chirurgie «beleben und sichern», wie es im Schreiben an die Vereinsmitglieder heisst. Man will in allen Bereichen auf die vorgegebenen Mindestfallzahlen kommen, um auch 2015 wieder die chirurgischen Leistungsaufträge des Kantons zu erhalten. Das Spital könnte sich einen Aderlass, wie er als Folge der zu geringen Zahl chirurgischer Eingriffe befürchtet werden muss, nicht erlauben.

Im Jahresbericht 2011 war von der «dünnen finanziellen Basis» des Spitals die Rede, es sei notwendig, die Bettenbelegung zu steigern und die Ertragslage zu verbessern. Die Spitalrechnung schloss 2011 mit einem Defizit von 1,3 Millionen Franken ab; den fehlenden Betrag übernahm der Trägerverein, der jeweils auf Spenden und Legate sowie Beiträge seiner Mitglieder zurückgreifen kann. Allerdings konnte nicht das ganze Defizit aus den 2011 eingegangenen Beträgen gedeckt werden, man musste auch die Substanz angreifen.

Dieses Jahr dürfte man nach Messmers Worten knapp mit einem positiven Resultat abschliessen. Die Zahl der Eintritte nahm erneut zu, während die durchschnittliche Aufenthaltsdauer weiter zurückging. Erfreulich entwickelten sich die Erträge dank der neuen Abrechnung gemäss Swiss DRG, der neu auch einen Anteil für Investitionen enthält.

Wenn die Zusammenarbeit mit NSN Medical AG Tatsache wird, wird auch diese Gruppe sich an den Investitionen beteiligen. Zudem rechnen die Verantwortlichen damit, dass die im Spital Richterswil angebotene ganzheitliche Medizin, die auf Grundlage der Anthroposophie beruht, weiterhin auf zunehmendes Interesse stösst. Die Zahl der Geburten etwa ist am Zunehmen, man rechnet für dieses Jahr mit etwa 480, nach 454 im Vorjahr. Auch die ambulante Onkologie verzeichne steigende Eintritte. Erfreulich sei auch der Aufbau der Palliativstation, die Zimmer sind seit dem letzten Herbst bezugsbereit. «Sie sind sehr schön geworden», lobt Messmer.

Aufbau einer Herzschule

Eine weitere Idee liegt im Aufbau einer «Herzschule», wie es sie bereits in Deutschland gibt, und dann möchte der Trägerverein, welcher weiterhin Besitzer des Paracelsus-Spitals Richterswil bleibt, ein Provisorium durch einen Neubau ersetzen und die Cafeteria erweitern.

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