Herzogenbuchsee
«Operation Voguschüchi» – ein Volltreffer zum 35-Jahr-Jubiläum

Das Theaterteam spielt sich zum 35-Jahr-Jubiläum mit einer «Uraufführung» in die Herzen des Publikums. «Operation Voguschüchi» heisst die Komödie, welche Theaterteam-Regisseurin Beatrice Lanz selber geschrieben hat.

Hans Mathys
Merken
Drucken
Teilen
Gärtner und Kaninchenzüchter Konrad Furrer (Hans Moor) wird von Gabriela Ritter (Christine Wassmer) bedrängt
12 Bilder
Leiden an akutem Geldmangel - Robert Häberli (Hans-Rudolf Siegenthaler) und Jennifer Hollenstein (Tanja Flückiger)
Gärtner Konrad Furrer (Hans Moor) und seine Mutter Marliese (Nadia Ruch) bestaunen den einstigen Hochseematrosen Karl Johanson (Erwin Wäfler), der als Butler erscheint
Die drei Pensionäre (von links) Jennifer Hollenstein (Tanja Flükiger), Karl Johanson (Erwin Wäfler) und Robert Häberli (Hans-Rudolf Siegenthaler) schmieden einen Plan
Tamara Ritter (Christine Wassmer) mit Jennifer Hollenstein (Tanja Flükiger), Anita Hess (Katja Bogo-Käser), Marta Hess (Susi Leuenberger) und Karl Johanson (Erwin Wäfler)
Erklärungsbedarf - Von links Gärtner Konrad Furrer (Hans Moor), Tamara Ritter (Christine Wassmer) und Robert Häberli (Hans-Rudolf Siegenthaler)
Gehen auf Tuchfühlung - Pensionär Karl Johanson (Erwin Wäfler) und Gärtnerin Marliese Furrer (Nadia Ruch)
Dicke Post - Sitzend Tamara Ritter (Christine Wassmer)
Theater Herzogenbuchsee - «Operation Voguschüchi»
Was sich liebt, das neckt sich - Die Gärtnerin Marliese Furrer (Nadia Ruch) und der ehemalige Hochseematrose Karl Johanson (Erwin Wäfler)
Kommen sich näher - Gärtner Konrad Furrer (Hans Moor) und Tamara Ritter (Christine Wassmer)
Jennifer Hollenstein (Tanja Flükiger) Pensionärin bei Tamara Ritter hat das Heu nicht auf der gleichen Bühne wie die geschäftstüchtige Gabriela Ritter (rechts)

Gärtner und Kaninchenzüchter Konrad Furrer (Hans Moor) wird von Gabriela Ritter (Christine Wassmer) bedrängt

Hans Mathys

«Als Dank und Anerkennung für das kulturelle Engagement» hat das Theaterteam Herzogenbuchsee im Mai 2009 den Kulturpreis der Einwohnergemeinde Herzogenbuchee erhalten. Dass dieses Team – von 1977 bis 1990 unter der Regie von Max Stebler, dann geprägt von den Regisseurinnen Annegret Knuchel und Agnes Siegenthaler – auch unter der Regie von Beatrice Lanz (seit 2007) beste Unterhaltung auf hohem Niveau abliefert, beweist es zurzeit. «Operation Voguschüchi» heisst die Komödie, welche Theaterteam-Regisseurin Beatrice Lanz selber geschrieben hat.

Lacher zuhauf gab es am Samstag bereits beim Auftritt der Musikgesellschaft, die den Theaterabend mit dem «Schönfeld-Marsch» von Carl Michael Ziehrer eröffnete und mit Hans Honeggers «Bundesrat-Bonvin-Marsch» als Zugabe beschloss. Um 20.08 Uhr nämlich senkt sich eine weisse Leinwand zwischen Dirigent Ueli Holenweg und sein Korps, welches den Sichtkontakt verhindert. Die 28 Musiker in den grünen Jacken und schwarzen Hosen spielen tapfer weiter, bis der Schaden behoben ist. Sabotage oder hat da jemand ungewollt auf den «lätzen» Knopf gedrückt?

Ein Stück mit viel Lokalkolorit

Das 1976 gegründete Theaterteam legte um 20.34 Uhr los, dass es eine Freude war. Auffallend ist, wie exakt Regisseurin Beatrice Lanz die Rollen den vorhandenen Stärken ihrer diesmal elfköpfigen Bühnen-Crew angepasst hat. Wohltuend ist zudem, dass die vom Theatervirus infizierte Innendekorateurin viel Lokalkolorit ins Stück einfliessen lässt. Da wird im Burgäschisee und in der Oenz gefischt – und gar ein unwahrscheinlich grosser Fang gemacht. Auch die Szene, wo die offenbar nicht immer blitzschnelle Behandlung von Baubewilligungen in der Gemeinde zum Thema wird, sorgt für Szenenapplaus.

Inhaltlich lebt «Operation Voguschüchi» von der Doppelrolle von Christine Wassmer. Sie spielt die Zwillingsschwestern Tamara und Gabriela Ritter. Die Ritter-Schwestern könnten nicht gegensätzlicher sein. Tamara ist herzensgut und liebenswert, Gabriela ist resolut und geldgierig.

Beiden gehört zu gleichen Teilen eine Liegenschaft, in der Tamara drei zahlungsunfähige Pensionäre betreut: Robert Häberli (treffend gespielt von Hans-Rudolf Siegen-thaler, Präsident des Theaterteams), der ehemals korrupte Buchhalter Karl Johanson (Erwin Wäfler), der zu besseren Zeiten Hochseematrose war, und Jennifer Hollenstein (Tanja Flükiger), das Sexy-Girl mit den löchrigen Strümpfen und dem T-Shirt «Alles echt», das seinen Lebensunterhalt früher als versierte Taschendiebin bestritt.

Pläne gegen den Hausverkauf

Die geschäftstüchtige Gabriela Ritter will mithilfe von Architektin Irene Schweingruber (Claudia Meyer) das Haus verkaufen. Prompt führt Letztere bereits Kaufinteressenten durch die Liegenschaft – das Ehepaar Helga (Nadja Haller) und Herbert Brülisauer (Walter Ammann). Wer die Hosen anhat, zeigt sich bald. Herbert kommt gar nicht erst zu Wort. Das Publikum fühlt mit.

Der befürchtete Hausverkauf schweisst die drei Pensionäre noch näher zusammen. Sie schmieden Pläne und wollen dem Geschehen nicht tatenlos zusehen. Hilfe erhalten sie von Gärtnerin Marliese Furrer (Nadia Ruch) und ihrem Sohn Konrad (Hans Moor), der Gärtner und Kaninchenzüchter ist.

Das Stück nimmt seinen Lauf, und die Pensionäre versuchen, als Werbeagentur zu Geld zu kommen, um den Hausverkauf zu stoppen. Ob die Kundinnen Marta (Susi Leuenberger) und Anita Hess (Katja Bogo-Käser) anbeissen? Immer wieder gibt es Szenenapplaus und Lacher im Saal. So auch, als sich Jennifer beschwert, dass sie jeden Tag vom ehemaligen Hochseematrosen Karl geangelten Fisch essen müsse. «Wenn einmal ein Säuli anbeisst, soll es mir recht sein», kontert dieser und taucht situationsbedingt plötzlich als Butler im Frack auf.

Amüsante Werbespots

Auch der den Hess-Frauen von Pensionär Robert vorgeschlagene Werbespot «Mit Hess-Bonbons hustet man nicht besser, aber länger», hat es in sich. Robert hat noch einen weiteren Spruch auf Lager: «Gestern standen wir noch vor dem Abgrund, heute sind wir schon einen Schritt weiter.»

Um 22.45 Uhr erfolgte der grosse, verdiente Schlussapplaus für das jubilierende Theaterteam, das seinem Renommee alle Ehre macht. Präsident Hans-Rudolf Siegenthaler strahlte, und auch Hauptakteurin Christine Wassmer zeigte sich glücklich. «Wie immer hatte ich grosses Lampenfieber, aber es ist gut gelaufen.» Auch Regisseurin Beatrice Lanz schwärmte: «Ich bin sehr zufrieden. Vor der Premiere hatte ich noch Selbstzweifel und Tristesse. Jetzt darf ich meiner Crew ein Riesenkompliment machen.»

Weitere Vorstellungen finden nächsten Freitag und Samstag, Beginn je 20 Uhr, im Sonnensaal in Herzogenbuchsee statt. Internet: www.theaterteam-buchsi.ch