Huttwil
Open Sky Festival: Selbst Top-Bands locken nicht

Das erste Open Sky Festival in Huttwil fand nicht erhofften Anklang, das grosse Publikum blieb aus. Die Veranstalter sind trotzdem zufrieden mit der Premiere und betonen die «gute Stimmung».

Marisa Cordeiro
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Open Sky-Festival in Huttwil
7 Bilder
Marc Sway mit seiner Schwester
Gitarrensolo
Delilahs - Heizten auf der Zelbühne vor allem den Männern mit Rockmusik ein
Delilahs
Gustav
Gustav

Open Sky-Festival in Huttwil

az Langenthaler Tagblatt

Marc Sway hatte es am Donnerstag-abend auf den Punkt gebracht: «Wir könnten zu Beginn eine kurze Vorstellungsrunde machen.» Wer sich im Zelt der Nebenbühne einmal umgesehen hat, dem erschien dieser Vorschlag nicht abwegig. Gegen hundert Leute, davon einige Medienvertreter und Organisatoren, waren zum Auftakt des ersten Open Sky Festivals in Huttwil erschienen. Ernüchternd – nicht nur für Marc Sway und Band, sondern auch für die Organisatoren. Sway steckte die befremdende Situation mit Humor weg: «Ehrlich gesagt sind wir noch nie am Abend vor einem Festival aufgetreten.» Damit spielte er auf die etwas nüchterne Atmosphäre an, denn das Publikum war nicht nur bescheiden, es hielt auch noch einen Diskretionsabstand zur Bühne hin.

Walter Ryser, Kommunikationsverantwortlicher der Organisatoren hatte seinerseits eine Erklärung für die wenigen Besucher: «Irgendwie ist es trotz zahlreicher Hinweise nicht richtig durchgedrungen, dass der Festival-Auftakt für alle gratis ist.» Zu diesem Schluss kommen die Organisatoren, weil sich in den vergangenen Tagen diverse Leute gemeldet hätten, die sich nach Tickets für Marc Sway erkundigten. Doch diese gab es eben gar nicht. Jene, mit den Zwei- und Dreitagespässen dürften daher ihre Tickets für Freitag bis Sonntag «aufgespart» haben, mutmasste Ryser. Ausserdem könnten die verheissungsvollen Wetterprognosen und der Wochentag an sich zum publikumsmässig mageren ersten Festivaltag beigetragen haben.

Alles andere als dürftig war dagegen das, was das Publikum geboten bekam: Marc Sway versprühte mit lockeren Sprüchen viel Charme, seine Schwester animierte mit stilsicheren Tanzeinlagen und die Band überzeugte nicht nur musikalisch sondern auch mit ihrer Spontanität: In einem kleinen Reggae-Wunschkonzert reihten Marc Sway und Band einen Publikumswunsch an den nächsten an.

Selbst grosse Namen lockten nicht

Auch wenn am zweiten Festivaltag das Publikum zahlreicher erschienen war – geschätzt mehrere Hundert –, schien das Gelände es immer noch zu «verschlucken». Zwischen den Auftritten auf der Hauptbühne standen die meisten in kleinen Grüppchen beisammen und unterhielten sich. Selbst während des Auftritts der international bekannten Rockband Favez, die mit ihrer Musik eigentlich die Masse hätte zum Kochen bringen müssen, war der Funke nur auf eine Handvoll unbeirrtes Partyvolk übergesprungen.

Fader Beigeschmack

Eine Gruppe junger Leute aus der Region gab Auskunft, dass sie gekommen seien, weil sie die Tickets gewonnen hätten. Dass es in der nahen Umgebung ein Festival von solchem Format gebe, begrüssten sie aber. Auch lobten sie die Wahl des Geländes und die Infrastruktur. Das Ganze habe allerdings einen fahlen Beigeschmack: Sie interpretierten das wenige Publikum als ein Zeichen des Boykotts. Der Veranstalter habe sich schliesslich in den vergangenen Wochen und Monate im Zusammenhang mit dem Nationalen Sportzentrum und den Huttwil Falcons nicht gerade Freunde geschaffen. Diese Jugendlichen blieben nicht die Einzigen, denen die Angelegenheit an diesem Abend präsent war und die auch darauf anspielten.

Dagegen hatte sich der Puls einer gut gelaunten Frauengruppe – aufgrund einer verlorenen Wette – gerade stark beschleunigt: Sie hatten eine Fahrt mit dem «Flying Fox», das heisst im Klettergewand an einem Seil übers Festivalgelände hinwegzu-sausen, an Bedingungen geknüpft: Sie würden dies unternehmen, sofern ihre Wettgegner zuvor ein Opfer fänden, das dies nackt tun würde. Derartiges war laut ihren Aussagen eben geschehen – offensichtlich aber ohne viel Beachtung.

Der folgende Act auf der Hauptbühne schien nun doch noch zusätzliche Besucher anzulocken: Gustav & Les Black Poets richteten sich ein, während es dunkel geworden war. Spätestens mit seiner Version von DJ Bobos «Somebody Dance with me» kam an diesem Abend doch noch ein Hauch von Festival-Atmosphäre auf.

Unter den Erwartungen

«Wir liegen knapp unter den Erwartungen», bestätigte Walter Ryser gestern Nachmittag. Er spricht von etwa 1300 Besuchern am Samstagabend. «Auf dem Gelände hat aber eine super Stimmung geherrscht.» Leider habe es während der beiden Highlights Tinkabelle und Adrian Stern sowie am Sonntagnachmittag stark geregnet. Dank einer Schlechtwetterversicherung sei der finanzielle Schaden nicht so gross. «Zudem ist dadurch im Zelt viel konsumiert worden.» Ryser findet: «Es war aber sicher eine gute Premiere.» (iba)

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