Winkel
Olympia Gold-Gewinnerin Nicola Spirig in ihrer Heimat begeistert empfangen

Die kleine Gemeinde Winkel am Rande der Pisten des Zürcher Flughafens war bisher vor allem durch ihren tiefen Steuerfuss bekannt. Seit diesem Sommer hat sie eine Attraktion mehr: Olympiasiegerin Nicola Spirig.

Michael Rüegg
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Spirig kehrt nach Hause
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Spirig kehrt nach Hause

Die 30-jährige Triathletin gewann nicht nur die erste Schweizer Medaille in London, Spirig sorgte auch dafür, dass sie aus Gold war. Kein Wunder also erschien ganz Winkel und Umgebung, als die Gemeinde gestern ihre neue berühmteste Einwohnerin feuerte. Direkt vom Flughafen fuhr Spirig im roten Londoner Doppeldecker-Bus ein - der erst wenden musste, weil der Ausstieg für hiesige Verhältnisse auf der falschen Seite lag. Unter Getöse ging die Sportlerin auf die eigens errichtete Showbühne, wo Sportmoderatorin Regula Späni sie in Empfang nahm.

Bereits die dritte Olympiade
Nicola Spirig war beim Frauentriathlon in London nur eine Nasenlänge vor ihrer schwedischen Kontrahentin Lisa Norden ins Ziel gelaufen. „Sie hat es spannend gemacht", sagte Arnold Meyer, Gemeindepräsident von Winkel. Meyer erinnerte an das Sprichwort „Aller guten Dinge sind drei", das hervorragend zur Triathletin passe. Tatsächlich trat sie bereits vor acht Jahren bei den Olympischen Spielen in Athen an, vor vier Jahren in Beijing. So liess sich Spirig Zeit, die Weltspitze Stufe für Stufe zu erklimmen.
Ihre aktuellen Leistungen haben jedoch den Weg zum Olympiasieg bereits vorgezeichnet. Von den diesjährigen acht Wettkämpfen, zu denen die Zürcherin vor London antrat, gewann sie deren sechs. Einmal wurde sie zweite und lediglich in Sydney musste sie sich mit Platz Fünf zufrieden geben.
Ihr sportlicher Weg habe seinen Anfang in der „Meitliriege" genommen, sagte Spirig. Später habe sie Basketball gespielt. „Ich bin aufgewachsen mit der Freude am Sport, egal was." Zu ihren Ehren zeigte die Meitliriege Winkel denn auch eine eigens einstudierte Triathlon-Nummer.

Vom Kanton gab es „nur" Silber
Im Namen des Zürcher Regierungsrates gratulierte ihr Präsident Markus Kägi, selber ein Unterländer und entsprechend stolz auf „seine" Athletin. Sie habe mit ihrer ersten Schweizer Medaille in London unser Land regelrecht erlöst. Für ihn ist die erfolgreiche Athletin „eine ideale Botschafterin des Kantons Zürich". Kägi überreichte ihr für ihre Leistungen die silberne Ehrenmedaille des Regierungsrates, wobei die kleine Silbermünze im Vergleich zur olympischen Goldmedaille „fast ein bisschen mickrig" wirke, wie Kägi zugab.
Stolz und Freude waren auch den Einwohnern von Winkel in die Gesichter geschrieben. Viele von ihnen verewigten sich im Gästebuch. So auch Cornelia Büsch, selber in Winkel wohnhaft. Auf die Frage, warum sie mitfeiere sagt Büsch: „Das ist einfach eine super Leistung. Wenn schon jemand aus unserer Region das schafft, müssen wir sie unterstützen." Kostenlose Bratwürste und Gratisgetränke sowie Live-Musik sorgten im Verlauf des Abends dafür, dass keiner der Gäste zu früh den Heimweg antrat. Derweil sass die gefeierte Athletin Spirig geduldig an ihrem Tisch und gab einer nicht enden wollenden Schlange von Fans Autogramme.