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Ohne «Röhre» läuft gar nichts

Das Institut für Radiologie im Kantonsspital Baden hat für jedes Organ einen Spezialisten

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Frank Ahlhelm bei der Patientenvorbereitung am neuen MRI-Scanner «Avanto fit», seit letztem Dezember im KSB in Betrieb.

Frank Ahlhelm bei der Patientenvorbereitung am neuen MRI-Scanner «Avanto fit», seit letztem Dezember im KSB in Betrieb.

Gesundheit Aargau

Klaus Müller zwickts im Rücken. Und das schon geraume Zeit. Als Bäcker schränkt ihn dies bei der Arbeit massiv ein. Sein Hausarzt vermutet eine Diskushernie. Klarheit liefern kann hier eine Magnetresonanztomografie (MRI). Der Hausarzt überweist Klaus Müller ins Kantonsspital Baden, und an besagtem Tag steht dieser mit gemischten Gefühlen im Institut für Radiologie: Er hat Platzangst. Frank Ahlhelm, Spezialist für Neuroradiologie, kann Klaus Müller beruhigen. Bei der Untersuchung im «Avanto fit», einem der drei MRI-Scanner im KSB, bleibt für die Untersuchung der Lendenwirbelsäule der Kopf ausserhalb der «Röhre». Klaus Müller kann sich über Kopfhörer seine Lieblingsmusik anhören und beobachtet die Farbwechsel in der Raumbeleuchtung. Der Arzt hatte ihm zusätzlich einen Beruhigungsspray angeboten, der wie ein Schnupfenspray angewendet wird.

Keine Röntgenstrahlen

30 Minuten muss der Bäcker in der Röhre liegen bleiben. Dabei werden mehrere «Schnittbilder» des Körpers erstellt. Aufgrund des guten Weichteilkontrastes ist die Magnetresonanztomografie besonders für die Darstellung des Gehirns, der Wirbelsäule, der Gelenke oder auch der inneren Organe geeignet. Da diese Untersuchung (im Unterschied zur Computertomographie) ohne Röntgenstrahlen abläuft und daher ungefährlich ist, hätte Klaus Müllers Frau ihm auch die Hand halten können.

Schlaganfall-Risiko abklären

Frank Ahlhelm betrachtet die Bilder, die vom Gerät laufend auf den Computer-Bildschirm geschickt werden. Der Verdacht eines Bandscheibenvorfalls erhärtet sich. «Das MRI zeigt, dass Bandscheibengewebe auf einen Nerv drückt, was die angegebenen Beschwerden erklärt», sagt der Arzt. Daneben können auch knöcherne Einengungen oder Überlastungen der kleinen Wirbelgelenke ähnlicheBeschwerden verursachen. Frank Ahlhelm hat in der Neuroradiologie häufig mit Wirbelsäulenerkrankungen und -verletzungen zu tun. Daneben gehört auch die Abklärung von Schlaganfallpatienten zunehmend zum Alltag. Wie das funktioniert? «Mittels MRI können wir Gefässengen bei hirnversorgenden Gefässen frühzeitig nachweisen.»

Wohlgemerkt: Die Neuroradiologie ist nur ein Fachgebiet innerhalb der gesamten Radiologie. Bei diversen Erkrankungen ist eine Abklärung mittels MRI oder CT nötig. Sei es nach einem Verkehrsunfall, einer Sportverletzung oder zur Therapieplanung einer Tumorerkrankung wie etwa Brustkrebs. Dies macht deutlich: Ohne «Röhre» läuft gar nichts. «Nur dank der diversen bildgebenden Verfahren lässt sich eine genaue Diagnose erstellen», sagt Rahel Kubik, Chefärztin der Radiologie.

30 Ärzte mit «Röntgen-Blick»

So werden im Kantonsspital Baden pro Jahr rund 11 000 MRI-Untersuchungen des Schädels, der Wirbelsäule oder Gelenke, der Brust, der Gefässe oder des Bauchraums gemacht. Konkret sind es etwa 2800 MRI-Untersuchungen des Schädels und 2750 der Wirbelsäule. Insgesamt sind in der Radiologie 30 Ärzte beschäftigt. Rahel Kubik betont: «Wir alle verfügen über eine breite Ausbildung im gesamten Fachgebiet, daneben haben wir für jedes Organ aber einen Spezialisten.» Sie selber ist es für «female imaging », also Erkrankungen der Brust und des weiblichen Beckens. Daneben gibt es Spezialisten für Gefässdarstellungen und -eingriffe, für die Bildgebung bei Kindern, die Bildgebung des Bewegungsapparates oder die Diagnostik von Tumoren.

Eine dieser Spezialistinnen ist Bianka Freiwald. Ihr Fachgebiet ist unter anderem die MRI-geführte Gewebeentnahme im Bereich der Brust oder aber auch der Prostata. Mit Nadel punktgenau an Ort Und Klaus Müller mit seiner Diskushernie? Wenn bei ihm die medikamentöse Behandlung mit Tabletten nicht wirkt, gibt es eine Therapie- Alternative: Mittels Bildsteuerung (Röntgen, Computer- oder Magnetresonanztomographie) können entzündungshemmende Medikamente über eine dünne Nadel punktgenau an den Ort der Entzündung abgegeben werden. Frank Ahlhelm: «Dabei wird das Medikament im Vergleich zur Tablettenbehandlung ohne grosse Nebenwirkungen hochkonzentriert vor Ort verabreicht.»