Bezirksgericht Dietikon
Obwohl er gearbeitet hatte: Familienvater ertrügt jahrelang Geld von der Sozialhilfe

Da ein Sozialhilfebezüger verschwieg, dass er in einem Hotel gearbeitet hatte, wurde er wegen mehrfachen Betrugs verurteilt.

Attila Szenogrady
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Zwischen 2002 und 2011 kassierte der Angeklagte über 203'000 Franken vom Sozialamt Dietikon. (Symbolbild)

Zwischen 2002 und 2011 kassierte der Angeklagte über 203'000 Franken vom Sozialamt Dietikon. (Symbolbild)

bz-Archiv

Der heute 57-jährige Familienvater zeigte sich vor Gericht zwar einsichtig, wies die Betrugsvorwürfe der Anklagebehörde dennoch zurück. Unbestritten war, dass sich der bereits 1989 eingewanderte Tunesier zuerst als Autohändler und danach als Swissair-Angestellter durchgeschlagen hatte. Bis er sich Ende 2002 beim Sozialamt Dietikon meldete und als Langzeitarbeitsloser den Bezug von Fürsorgegeldern beantragte.

Die Anklageschrift führte aus, wie der Mann in der Folge über mehrere Jahre hinweg regelmässig Sozialhilfegelder bezog. Bis Ende 2011 erhielt er für sich und eine erste Frau von der Stadt Dietikon über 203 000 Franken. Wobei er in Tunesien eine zweite Frau hatte, die ihm zwei Kinder auf die Welt brachte.

Schuld an Beraterin abgeschoben

Dabei arbeitete er regelmässig bei zwei Zürcher Hotels im Teilzeitpensum und verdiente insgesamt über 140 000 Franken. «Der Beschuldigte hat sich auf Kosten der Gemeinde über Jahre bereichert, ohne einen Finger gekrümmt zu haben», lastete ihm die zuständige Staatsanwältin an und verlangte wegen mehrfachen Betrugs eine bedingte Freiheitsstrafe von 18 Monaten. Sie zeigte zudem auf, dass der Beschuldigte bereits 2013 wegen des illegalen Bezugs von Arbeitslosengeldern per Strafbefehl eine bedingte Geldstrafe kassiert hatte.

Vor Gericht zeigte sich der Mann einerseits unwissend, andererseits schob er die Schuld auf seine frühere Beraterin vom Sozialamt ab. Diese habe ihm erklärt, dass er Verdienste aus Teilzeitstellen nicht angeben müsse. Gegenüber dem Gerichtsvorsitzenden Stephan Aeschbacher führte er aus, dass er die Voraussetzungen für den Bezug von Sozialhilfe gar nicht kenne. Die Verteidigung ging deshalb von Opfermitverantwortung sowie fehlender Arglist aus und forderte einen Freispruch. Im schlimmsten Fall sei eine bedingte Geldstrafe von 180 Tagessätzen zu 10 Franken angezeigt. Der Beschuldigte erklärte zudem, dass er heute als Pizza-Kurier arbeite und den Schaden zurückzahlen wolle.

Das Gericht kam zum Schluss zu umfassenden Schuldsprüchen. Vor allem aufgrund der glaubhaften Aussagen der Sozialarbeiterin, die als Zeugin bestätigt hatte, dass der Mann sehr wohl aufgeklärt worden sei. «Man unterschreibt nichts, was man nicht verstanden hat», meinte auch Aeschbacher. Hinzu kam ein separates, verheimlichtes Bankkonto, das der Täter geführt hatte. Das Gericht ging von einem Deliktsbetrag von rund 140 000 Franken aus und setzte anklagegemäss eine bedingte Freiheitsstrafe von 18 Monaten fest. Der Vorsitzende machte klar, dass auch eine Strafe von rund zwei Jahren möglich gewesen wäre. Allerdings habe der Betrüger keinen luxuriösen Lebensstil gepflegt und zeige heute eine gewisse Reue.

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