Langenthal
Oberaargau kann aufs Bildungswesen stolz sein

Die 15. Wirtschaftslandsgemeinde setzte sich mit der Bildung als Chance für die Region auseinander.

Anne-Regula Keller
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Solothurner Zeitung

140 Gäste aus Wirtschaft, Bildung und Politik konnte Laura Baumgartner, Langenthaler Vizestadtpräsidentin und OK-Präsidentin, zur 15. Wirtschaftslandsgemeinde Oberaargau begrüssen. Darunter auch 25 Oberstufenschüler aus Aarwangen und Huttwil. Diese schienen weit entfernt vom düsteren Bild, das Jörg Sennrich, Geschäftsführer der Stiftung Speranza, in seinem Referat zeichnete. Jenes von Jugendlichen, die null Bock auf eine Ausbildung haben – denn solange der Sozialstaat zahle, fehle der Anreiz für jede Anstrengung. Statt zu pädagogisieren, müsse man bei ihnen Leistung fordern und Grenzen setzen. Allerdings hat Sennrich mit Jugendlichen zu tun, die zwischen Stuhl und Bank fallen oder mit der Leistungsgesellschaft nicht zurechtkommen. Viele könne man zum Abschluss einer Ausbildung motivieren, wenn sie spüren, dass man sie ernst nimmt.

Was tun gegen Jugendarbeitslosigkeit?

Marc Gilgen, Leiter Bereich Arbeitsvermittlung im Beco, stellte dessen Aufgaben und Angebote vor. Im Schweizer Vergleich habe der Kanton Bern eine tiefe Jugendarbeitslosigkeit. Dennoch habe es zurzeit in der RAV-Region Oberaargau-Emmental 466 Arbeitslose zwischen 15 und 24. Allein aus Langenthal seien 34 junge Erwachsene zwischen 20 und 24, also 4,2 Prozent, beim RAV angemeldet. «Der Oberaargau mit seiner starken Exportwirtschaft in vielen Bereichen ist krisenanfällig, aber erholt sich auch schnell.» Und genauso seien Jugendliche und junge Erwachsene zwar stärker von Arbeitslosigkeit betroffen, schafften aber den Wiedereinstieg in den Arbeitsmarkt auch schneller. Dafür brauchen sie laut Gilgen unter anderem eine verlässliche, ehrliche Standortbestimmung und eine frühzeitige, individuelle, flexible Vorgehensplanung mit klaren Zielen.

Das Bildungssystem bewährt sich

Regierungsrat Bernhard Pulver verwies vor allem auf das Positive: «Auch wenn es im Bildungssystem noch Probleme bei der Chancengleichheit oder Integration gibt: Wir gehören mit unserem sehr guten Split zwischen Spitzenberufsbildung und Spitzenuniversitäten weltweit zu den Besten.» Die Volksschule müsse Freude am Lernen und Leisten wecken, doch «Rechnen, Lesen und Schreiben reichen nicht. Bildung muss auch andere für die Wirtschaft wichtige Kompetenzen vermitteln, etwa Innovations- und Motivationsfähigkeit, Selbstdisziplin, Flexibilität.» Das brauche man in der Berufsausbildung oder beim Studium – dank Durchlässigkeit auch nach der Lehre für viele möglich – und später im Arbeitsleben. Beim Lehrplan21 beziehe man darum auch die Lehrbetriebe und ihre Bedürfnisse ein. Eine Herausforderung sei es, genügend Lehrlinge für anspruchsvolle technische Berufe zu finden.

Alle nehmen Bildung ernst

Nach einem kurzen Podium der Referenten und der Rektoren des Gymnasiums, der Berufsfachschule und der kaufmännischen Berufsschule in Langenthal – wie der ganze Abend moderiert von Barbara Bigler – diskutierten alle, auch die Acht- und Neuntklässler, in zwölf WorldCafé-Runden. Deren Themen: «Was soll Bildung ermöglichen?», «Welche Probleme kommen auf uns zu?» sowie «Lösungen für die Zukunft». Im Plenum wurde das Fazit zuhanden des Bildungsdirektors erläutert. Dieser lobte: «Eltern und Lehrer kümmern sich sehr um die Kinder, und die Unternehmen hier haben selbst in der Krise neue Lehrstellen geschaffen. Merci für all das, was getan wird!»

Mehr Infos und Fazit: www.oberaargau.ch

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