Wahlen in Basel
Nur noch 769 Baslerinnen und Basler wollen Grossrat werden

So wenige Wahlwillige wie jetzt wollten noch nie in den Grossen Rat: 769 Kandidierende treten auf 17 Listen an, um sich am 28.Oktober einen der 100 Sitze im Basler Parlament zu sichern. Vor vier Jahren waren es noch gut 7 Prozent mehr.

Nicolas Drechsler
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Hier wollen sie alle hin: In den Grossratssaal im Basler Rathaus.Töngi

Hier wollen sie alle hin: In den Grossratssaal im Basler Rathaus.Töngi

769 Kandidierende auf 17 Listen. Das sind die nackten Zahlen zu den Basler Grossratswahlen vom 28.Oktober, die die Staatskanzlei gestern publizierte. Und diese Zahlen lassen auf ein immer stärker schwindendes Interesse an einem politischen Engagement schliessen.

Vor vier Jahren kandidierten gut 7 Prozent mehr für das Basler Parlament, 1988 waren es gar 42 Prozent mehr. Damals wollten 1337 Menschen in die Legislative gewählt werden, die damals noch 120 Sitze umfasste.

Neue Parteien mit leeren Listen

Ein Blick auf die Parteien zeigt: Es gibt sechs Neulinge unter den Listen. Die Bürgerlich-Demokratische Partei (BDP) tritt in drei städtischen Wahlkreisen an, ebenso die Piratenpartei. Im Kleinbasel kommen die beiden Listen «Freistaat Unteres Kleinbasel, FUK» und die Einmann-Liste «Für Basel» dazu.

In Grossbasel-West will der Performancekünstler Mathias Edel in den Grossen Rat auf seiner eigenen, nur aus ihm bestehenden Liste «Deine Wahl». Und in Bettingen tritt ebenfalls eine Einzelmaske gegen den bisherigen Helmut Hersberger an, und zwar der Wirtschaftsstudent Benjamin Achermann auf der Liste «Neues Bettingen». Bettingen hat gemäss der Kantonsverfassung Anrecht auf einen Sitz im Parlament, selbst wenn der Anteil an der Kantonsbevölkerung dafür eigentlich nicht ausreicht.

Keine Verjüngung in Sicht

Wenig Veränderungen zeigt der Blick auf die Statistiken zu den Kandidierenden. Der Anteil derjenigen, die noch keine 40 Jahre alt sind, liegt stabil bei einem guten Drittel, der Altersdurchschnitt aller Kandidierenden bei 46 Jahren. Die im Schnitt jüngste Liste ist die der Piratenpartei mit einem Mittel von 31 Jahren. Den höchsten Altersschnitt hat Eric Webers «Volksaktion gegen zu viele Ausländer und Asylanten in unserer Heimat» (VA).

Auf dieser Liste finden sich auch alle drei Kandidaten, die bereits das achtzigste Lebensjahr erreicht haben. Darunter die älteste Kandidatin, Erna Saladin, die stolze 84 Jahre zählt. Dafür kann sich die Rechtsaussen-Liste mit dem höchsten Frauenanteil aller Parteien brüsten: Es sind genau 50 Prozent. Zwischen 40 und 50 Prozent Frauenanteil haben auch die SP, das Grüne Bündnis, die CVP und EVP sowie die EDU. Am wenigsten Kandidatinnen weisen die Listen auf, die zum ersten Mal antreten: Sowohl die BDP als auch die Piraten bringen es auf nur gerade 11 Prozent.

Frauenanteil sinkt weiter

Der Anteil an Frauen unter den Bewerbern ist seit dem Höhepunkt im Jahr 1998 kontinuierlich am Sinken. 2012 sind noch 34 Prozent aller kandidierenden Frauen. Allerdings ist der Anteil der Frauen unter den Gewählten stabil geblieben, aktuell befinden sich 36 Prozent der Grossratsmandate in weiblicher Hand.

Gemäss den statistischen Erläuterungen, die die Staatskanzlei gestern mit den beglaubigten Listen mitlieferten, hat das Geschlecht auf die Wahlchancen nahezu keinen Einfluss. Entscheidend sind der Status als Bisheriger oder Bisherige sowie das Alter.

Grosser Anteil an Bisherigen

Bei den Wahlen treten 85 Bisherige an. Das heisst, dass nur 15 der 100 Grossratssitze neu zu vergeben sind. Die grössten Chancen haben hier, wenn man den Erfahrungswerten Glauben schenken darf, die Kandidaten, die bereits mehrfach für den Grossen Rat kandidierten, bisher den Sprung ins Rathaus aber noch nie geschafft haben.

Die weitaus meisten Bisherigen wissen die Sozialdemokraten auf ihrer Liste, und zwar mit 23 Prozent aller SP-Kandidaten. Auch die SVP erreicht einen hohen Wert von 18,2 Prozent. Diese beiden Parteien haben auch die meisten Bisherigen auf der Liste, die schon verhältnismässig lange im Rat sitzen, nämlich zwischen acht und zehn Jahren.

Die wenigsten Bisherigen gibt es bei den Grünliberalen und der Evangelischen Volkspartei (EVP). Nach wie vor hoch ist die Treue zum Wahlkreis. Die überwiegende Mehrheit der Kandidierenden tritt in dem Wahlkreis an, in dem sie auch wohnt. Besonders hoch ist dieser Anteil in Riehen mit 87,6 Prozent. Am tiefsten ist er im Kleinbasel, dort wohnen 30 Prozent aller Kandidaten in einem anderen Wahlkreis.

Noch ein Regierungsrats-Kandidat

Eine kleine Überraschung verbergen die Unterlagen der Staatskanzlei zu den Regierungsratswahlen: Neben den elf Kandidaten aus den Grossratsfraktionen und den bereits bekannten beiden Splitter-Kandidaturen, tritt noch jemand an.

Der Künstler Christian Mueller will für seine FUK in die Exekutive einziehen. Damit ist er der dritte «wilde» Kandidat neben Eric Weber, dem Chef der VA und dem Sänger der Popband «The Bianca Story», Elia Rediger. Dieser tritt unter dem Namen «MUT» an, was notabene kein Parteikürzel ist, sondern das erste Wort seines Parteiprogramms.