Springkonkurrenz
Nur möglich dank viel Dragoner-Herzblut

Noch immer sind es vor allem ehemalige Dragoner, die den Reitplatz Herzogenbuchsee für die nationale Springkonkurrenz herrichten. Der Präsident des Reitvereins fragt sich, wer dereinst an ihre Stelle treten wird.

Jürg Rettenmund
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Solothurner Zeitung

So sollte es sein: Wie eine Grossfamilie stellen sich am Montagabend die Helfer der nationalen Springkonkurrenz in Herzogenbuchsee an einem Hindernis auf dem Reitplatz Waldäcker auf. Es sind alles Mitglieder des Reitvereins Herzogenbuchsee und Umgebung.

Doch der Eindruck täuscht, wie Vereins- und OK-Präsident Werner Schmid erklärt: Die zwei jungen Damen sind seine Töchter Carol und Nadine. «Sonst lasten die Arbeiten im Vorfeld vor allem auf den Schultern eines harten Kerns von zehn bis zwölf Mitgliedern, die dem Verein seit Jahrzehnten die Treue halten.»

Es sind hauptsächlich Landwirte, zum grossen Teil ehemalige Dragoner der Schweizer Armee, die meisten von ihnen längst im Ruhestand. «Die nationale Springkonkurrenz basiert immer noch auf viel Dragoner-Herzblut», lautet das Fazit des Präsidenten.

Nationale Spitzenreiter am Start

Dank diesem Herzblut kann der Verein seine jährliche Springkonkurrenz durchführen. Alle zwei Jahre ist es eine nationale: Die einzige Gelegenheit zwischen Dagmersellen und Aarberg, nationale und internationale Spitzenreiter mit ihren besten Pferden am Start zu sehen. Dieses Jahr haben sich zum Beispiel Willi Melliger, Jörg Röthlisberger, Pius Schwizer und Niklaus Schurtenberger angemeldet.

Bis es so weit ist, ist der Reitverein jedoch abendlang gefordert. Bereits am letzten Mittwoch wurden der Platz und die Umgebung zurechtgemacht. Dann wurden die Hindernisse aus dem Lager geholt. Für die nationale Springkonkurrenz werden sie jeweils frisch gestrichen, damit sie in den schönsten Farben leuchten. Am Freitag waren kräftige Arme gefragt, wurden doch das Festzelt und die Tribüne aufgebaut. Der Samstag war ein ganzer Arbeitstag, zudem kamen die Parcoursbauer auf den Platz.

Diese Woche geht es nun noch um die Feinarbeit, zudem muss die Festwirtschaft eingerichtet werden. Gegen 1000 Frondienststunden kommen so zusammen, schätzt Werner Schmid. Haben die rund 1000 Startenden dann zwischen Donnerstag und Sonntag ihren Parcours absolviert, gilt es für den harten Kern nochmals ernst: Nun muss das Ganze wieder abgebaut werden, das ist nochmals Arbeit für zwei bis drei Abende.

«Wir haben im Reitverein Herzogenbuchsee kein Nachwuchsproblem», betont Werner Schmid. Rund dreissig Mitglieder zählt der Verein, darunter sind auch viele Junge. Doch auch in Herzogenbuchsee macht die Reiterei einen Wandel durch, der in der ganzen Schweiz festzustellen ist: Von der männlichen Freizeitbeschäftigung, vielfach auf dem Bauernhof ausgeübt und verbunden mit einem militärischen Engagement als Dragoner in der Kavallerie, wird sie zum Hobby junger Frauen.

Voller Einsatz von allen

Nicht für den Verein, sondern für die nationale Springkonkurrenz wird das zum Problem: Generell seien die Jungen heute weniger bereit, nach einem strengen Arbeitstag noch den Abend für ein Vereinsengagement zu opfern. Zudem seien die Platzherrichtung und der Zeltaufbau nicht unbedingt etwas für Frauenhände. Während des Springens selbst seien die rund 30 Vereinsmitglieder allerdings stets vollzählig auf Platz und gäben beim Wettkampf und im Service vollen Einsatz.

Es wäre schade, wenn der Anlass verschwände, findet Schmid. Denn dank treuer Sponsoren könne der Verein das Preisgeld für einen nationalen Anlass immer noch zusammenbringen – es geht immerhin um 35 000 Franken.

Die seriöse Vorarbeit ist gemäss dem OK-Präsidenten auch Voraussetzung dafür, dass die nationale Reiter-Spitze jeweils nach Herzogenbuchsee kommt. «Wir erhalten immer viel Lob für die Anlagen und die Organisation», stellt Schmid fest. Dabei seien die Spitzenreiter durchaus kritisch: «Sie absolvieren die leichteren Prüfungen zu Beginn mit einem schwächeren Pferd. Nur wenn dort alles ihren Erwartungen entspricht, sind sie am Sonntagnachmittag auch mit den Spitzenpferden dabei.»

Ein Gewinn an der Springkonkurrenz wiederum hilft mit, den Platz in Schwung zu halten: Praktisch jeden Franken steckt der Verein in den Platz und die Infrastruktur. Kürzlich sanierte er zum Beispiel für 90 000 Franken den Allwetterplatz. «Auch diese Mittel müssen zuerst verdient werden», hält Schmid fest.

Deshalb hofft er, dass die Meteorologen einmal nicht recht behalten und sein Verein am Wochenende mit gutem Wetter belohnt wird. Nicht nur, weil dann mehr Reiter und mehr Zuschauer kommen, sondern auch weil das Wegräumen weniger Zeit braucht, wenn nicht noch alles vom Dreck befreit werden muss.