Saison 2010/2011
Nur das Skigebiet Bumbach rüstet auf

An Ostern endet die Wintersaison in den grossen Skiorten im Berner Oberland. Ende Monat beginnen die Arbeiten für die technische Beschneiungsanlage.

Bruno Utz
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Solothurner Zeitung

An Ostern endet die Wintersaison in den grossen Skiorten im Berner Oberland. Und die Oberländer sind im Gegensatz zu den Liftbetreibern im Unterland vorwiegend zufrieden mit dem Bahnbetrieb.

«Das war einer der schlechtesten Winter überhaupt», stellt hingegen Guido Sterki klar. Den Rötilift habe man gar nie in Betrieb nehmen können, sagt der Verwaltungsratspräsident der Sportanlagen Balmberg AG. Und die Lifte Kählen und Airboard seien an je drei Tagen gelaufen. Mit acht bis zehn Betriebstagen stehe einzig der Kinderskilift etwas besser da. Der im Dezember auf den kalten Boden gefallene Schnee sei so locker gewesen, dass er für das Pistenfahrzeug nicht befahrbar war. Nach dem 3. Januar 2011 sei kein Lift mehr gelaufen.

Ohne Investitionen sehe er langfristig keine Zukunft für das zwischen 950 und 1300 Meter gelegene Skigebiet Balmberg. Er habe einmal eine künstliche Beschneiung offerieren lassen. «Weil wir gleichzeitig noch zwei Skilifte durch einen 4er-Sessellift ersetzen wollten, hätte das ganze 12 bis 14 Millionen Franken gekostet. Unsere Skilifte sind ein Hobby, aber ein verrücktes», sagt Sterki. Die beiden Besitzerfamilien der AG investierten viel Zeit, die nicht verrechnet werden könnten. Da die AG ohne Festangestellte auskomme, könne das finanzielle Risiko minimiert werden. Die rund 50 Teilzeitangestellten, die ihre Freizeit zur Verfügung stellten, hätten vergangenen Winter jedoch auf den erhofften Zuverdienst verzichten müssen.

Hier lernte Beat Feuz das Skifahren

In die Offensive geht hingegen die Genossenschaft Skilift Bumbach in Schangnau. Laut Präsident Kurt Reber investieren die Emmentaler heuer rund eine halbe Million Franken in die technische Beschneiung. Sie soll ab nächster Saison den «familienfreundlichen Skiort, wo Weltcupsieger Beat Feuz das Skifahren lernte», schneesicherer machen. Reber: «Wir beginnen Ende April mit den ersten Arbeiten.» Die Finanzierung sei gesichert, vor allem dank Spenden und nicht rückzahlbaren Beiträgen der umliegenden Gemeinden.

«Das Herz sagt ja, der Verstand nein», so Reber. Ohne technische Beschneiung hätte das auf einer Höhe von 920 bis 1365 Metern gelegene Skigebiet keine Überlebenschance. Die vergangene Saison ende finanziell nur deswegen mit einer Nullrunde, «weil wir bei schlechten Verhältnissen den Mut hatten, die Lifte abzustellen». Der zu Beginn sehr kalte Winter habe den klaren Beweis erbracht, dass die Saison mit Beschneiung anders ausgegangen wäre. «Wir hätten unsere Lifte bis weit in den Februar laufen lassen können.»

Ein mit Bumbach vergleichbares Skigebiet ist das in Schwanden ob Sigriswil (1100 bis 1500 Meter über Meer). «Der grosse Lift war nur wenige Tage in Betrieb», sagt Verwaltungsratspräsident Jürg Wegmüller. Er wolle aber nicht dramatisieren. «Drei bis vier gute Winter machen einen solchen wie den vergangen erträglich.» Ob das Skigebiet Schwanden langfristig überleben kann? «Das ist schwer zu sagen», antwortet Wegmüller. Weil die von mehreren hundert Personen getragene Aktiengesellschaft die Anlagen stets gut unterhalten habe, stünden immerhin keine grossen Investitionen an. Eine ganzflächige technische Beschneiung komme nicht infrage. «Das wäre viel zu teuer für uns. Zudem hätten wir gar nicht genügend Wasser.»

Zwei Betriebstage in diesem Jahr

Statt auf 50, 60 oder gar 70 Betriebstage wie auch schon kann Martin Röthlisberger, Verwaltungsratspräsident der Skilift Chuderhüsi AG, diesmal lediglich auf deren 10 zurückschauen: «In diesem Jahr lief unser Skilift sogar nur an einem einzigen Wochenende.» Die Einnahmen reichten knapp, um die Fixkosten zu decken. «Rühmen können wir nicht, aber entmutigen lassen wir uns auch nicht», so Röthlisberger.

Das auf rund 1000 Meter in Röthenbach im Emmental gelegene Skigebiet besitze reelle Chancen, zu überleben. «Unsere Anlagen sind gut im Schuss, und wir verfügen über ein finanzielles Reservepolster.» Die Pisten technisch zu beschneien, sei ausgeschlossen. «Wir haben die Investition einmal durchgerechnet, sie wäre für uns nicht rentabel.»

Walterswiler geben nicht auf

Auf die gleiche Frage antwortet auch Walter Lehmann mit einem klaren Nein. Laut dem Präsidenten der Skilift-Genossenschaft Walterswil verlief die vergangene Saison ganz schlecht: «Unser Lift war überhaupt nie in Betrieb. Noch drei bis vier solche Winter, und unsere finanziellen Reserven sind ‹z’Bode›». Das zwischen 700 und 800 Meter gelegene Skigebiet habe jedoch gute Winter mit viel Schnee erlebt. Obwohl diesmal nichts als Unkosten anfallen würden, liessen sich die Genossenschafter nicht entmutigen: «Wir wollen weiter machen.»