Motorrad
Nur 300 Sekunden fehlen zum Podest

Der Rohrbacher Dominique Aegerter fährt beim Moto2-GP von Estoril auf Platz 9 Motorrad. Aegerter hatte sich viel mehr erwartet und kann den Rückstand auch nicht recht erklären.

Klaus Zaugg
Merken
Drucken
Teilen
Dominique Aegerter

Dominique Aegerter

Solothurner Zeitung

Dominique Aegerter hat beim GP von Portugal in Estoril seine Unschuld verloren. Nun ist er in der Weltspitze der Moto2-WM angekommen. Er ist zwar erst 20-jährig. Aber eigentlich schon ein Routinier. Der Rohrbacher hat sich in 68 WM-Rennen längst einen exzellenten Ruf erarbeitet. Er gilt als mutiger, unerschrockener Haudegen, der in Zweikämpfen am Limit (fast) nicht zu besiegen ist.

Alle diese Zweikämpfe haben bisher im sicheren Mittelfeld stattgefunden. Um die Plätze sieben, acht oder neun oder auch noch weiter hinten. Doch in Estoril ist alles anders. Er gerät in eine Situation, die er so noch nie erlebt hat. Beim drittletzten Durchgang hält er noch immer den dritten Platz. Vom Podest ist er weniger als 300 Sekunden entfernt. 300 Sekunden sind nichts im Leben eines Menschen. Aber im Leben eines Rennfahrers können sie eine Ewigkeit dauern. Im Ziel ist Aegerter bloss noch Neunter und so enttäuscht, dass er gleich aus der Box humpelt und sich für eine Viertelstunde in seinen Wohnwagen verkriecht. «Ich musste mich einfach erst beruhigen.»

«Es lag nicht an der Maschine»

Was ist passiert? Der geschlagene Held findet keine Erklärung. «Es lag nicht an der Maschine und nicht an den Reifen und nicht an den beiden Stürzen im Training und im Warm-up. Ich habe Schmerztabletten genommen und nichts mehr gespürt. Es ist auch nicht so, dass ich auf einmal versucht hätte, auf Sicherheit zu fahren, um Platz 3 ins Ziel zu retten», sagte er und ergänzte: «Ich wurde von meiner Box gut informiert und wusste, dass hinter mir eine ganze Gruppe war.
Ich bin auf der Kampflinie ganz am Limit gefahren. Aber ich war dann doch überrascht, wie extrem aggressiv mich De Angelis auf der Bremse überholt hat. In diesem Augenblick verlor ich die Konzentration und bin aus dem Konzept geraten.»

Im letzten Satz liegt die Erklärung: Aegerter ist das «Opfer» von Alex De Angelis (26) geworden: Der Italiener ist ein beinharter Haudegen. Er hat in seiner Karriere schon 36 (!) Podestplätze herausgefahren. Wenn es in den letzten Runden um den letzten Podestplatz geht, wird ganz einfach noch mehr riskiert als in den Niederungen der Rangliste. Zum ersten Mal ist Dominique Aegerter in Zweikämpfe ganz vorne geraten.

Nun hat er auch das erlebt und sozusagen seine Unschuld verloren. Es ist der grösste Schritt vorwärts in seiner Karriere. Jetzt ist er bereit für den ersten Podestplatz.