Leichtathletik
Nun legen die Athleten endlich auch im Olympiastadion los

Ab heute greifen die Leichtathleten ins Wettkampfgeschehen von Olympia ein – mit Weltrekorden ist kaum zurechnen, die erwarteten Duelle sind aber genauso mitreissend.

Roman Beer
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Duell über 100 m: Usain Boltgegen Yohan Blake.
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Titelverteidigerin im Stabhochsprung: Jelena Isinbajewa.
Leichtathletik-Olympioniken
Die britische Siebenkämpferin Jessica Ennis will eine Medaille fürs Gastgeberland holen.
Er ist der neue Zehnkampf-Weltrekordhalter: Ashton Eaton.
Die Schweizer Siebenkämpferin Ellen Sprunger will ihre persönliche Bestleistung verbessern.

Duell über 100 m: Usain Boltgegen Yohan Blake.

Keystone

Im Aquatics Centre wird heute und morgen letztmals um die Medaillen geschwommen. Danach verschiebt sich der olympische Fokus nach der Eröffnungsfeier ein zweites Mal ins Oval des Olympiastadions. Wie im blauen Becken sind auch auf der roten Tartanbahn in diversen Disziplinen etliche Medaillensätze zu vergeben – 42 genau genommen. Angesichts dieser Zahl verwundert es nicht, dass der Überblick über das Geschehen schwierig zu wahren ist.

Eines ist klar, die heutigen Entscheidungen – das Kugelstossen der Männer (21.30) und die 10000 m der Frauen (22.25) – sind keine Strassenfeger. Doch bei den leichtathletischen Schwergewichten könnte es zu einem spannenden Kräftemessen kommen. Die US-Phalanx um Christian Cantwell muss sich den Angriffen von Titelverteidiger Tomasz Majewski (Pol) und Weltmeister David Storl (De) stellen.

Mit dem wohl grössten Druck geht heute und morgen die britische Siebenkämpferin Jessica Ennis in den Wettkampf. Alles andere als ein Sieg wäre eine gewaltige Enttäuschung für das Gastgeberland.

Duelle anstatt Weltrekorde

An diesen Olympischen Spielen scheinen weniger die Weltrekordjagd als vielmehr die hart umkämpften Duelle im Vordergrund zu stehen. Bestes Beispiel hierfür ist der Stabhochsprung der Frauen: 2004 in Athen und 2008 in Peking hiess die Frage nicht, ob Jelena Isinbajewa siegen würde, sondern ob sie es mit einer neuen Weltrekordhöhe tun würde – was ihr auch beide Male gelang. Vor dem Finaldurchgang am Montag sieht die Ausgangslage komplett anders aus. Im vordersten Bereich der Saisonbestenliste liegen neun Athletinnen innerhalb von 13 cm – Wettkampfglück und gute Nerven wird es brauchen, um den Final für sich zu entscheiden.

Die dritte olympische Goldmedaille für Isinbajewa ist dabei genauso realistisch wie die totale Bruchlandung der 28-fachen Weltrekordhalterin. Einen richtiggehenden Kampf der Nationen wird es im 5000-m-Rennen der Frauen zu bestaunen geben. Die 22 schnellsten Zeiten in diesem Jahr wurden von 18 verschiedenen Athletinnen gelaufen, die allesamt aus Äthiopien oder Kenia stammen. Die brisanteste Affiche der Männer ist unbestritten jene über 100 m: Sprintgott Usain Bolt wird sich mit Yohan Blake, Asafa Powell (beide Jam), Justin Gatlin und Tyson Gay (beide USA) gegen eine ganze Armada nach Gold lechzender Konkurrenten wehren müssen.

Im Hürdensprint über 110 m würde der Chinese Liu Xiang seinen Olympiasieg von Athen 2004 nur zu gerne wiederholen – in Peking schied er verletzt aus – müsste dafür aber Saison-Dominator Aries Merritt im Hürdenwald stehen lassen.

Gespannt sein, darf man auf den Auftritt des neuen Zehnkampf-Weltrekordhalters Ashton Eaton. Im Juni löste er mit einem Ergebnis von 9039 die elf Jahre gültige Bestmarke von Roman Sebrle um 13 Punkte ab. Mit seinen 8,23 m im Weitsprung hätte er vor vier Jahren in Peking Bronze bei den Spezialisten gewonnen – unglaublich, wenn man bedenkt, dass Eaton neun weitere Disziplinen zu absolvieren hat.

Sprunger heute im Siebenkampf

Aus Schweizer Sicht steht heute und morgen die Siebenkämpferin Ellen Sprunger im Mittelpunkt. Ihr Ziel ist, die persönliche Bestleistung von 6124 Punkten zu verbessern und somit immer näher an den Schweizer Rekord von Corinne Schneider (6265) aus dem Jahr 1985 zu kommen.

Morgen tritt auch Stabhochspringerin Nicole Büchler zur Quali an. Um die Finalrunde der besten acht zu erreichen,muss Büchler allerdings ein optimaler Wettkampf gelingen. Das Potenzial dazu hat sie allemal.