Politik
Noch immer fehlt ein Hauptsponsor

Die Solothurner Filmtage, das Schaufenster des Schweizer Filmschaffens, haben ein massives finanzielles Problem: «Wir haben für die diesjährige Ausgabe 130 000 Franken Defizit budgetiert», sagt Direktor Ivo Kummer.

Evelyne Baumberger
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Keystone

Überraschend gab Anfang 2010 einer der Hauptsponsoren seinen Ausstieg bekannt. Seit 2003 war die BKW Energie AG mit ihrer Strommarke 1to1 energy bei den Filmtagen dabei. «Dieser Entscheid hat mich persönlich auch getroffen», sagte Kummer der Zeitung «Der Sonntag» im Dezember, als definitiv klar war, dass für die diesjährige Ausgabe kein Ersatz gefunden werden konnte.

Trotzdem fahren die Filmtage 2011 mit etwa dem gleichen Budget wie 2010: 2 828 000 Franken, davon kommen 782 000 Franken aus der öffentlichen Hand. Es wurde gespart, zum Beispiel wurden die Simultanübersetzungen in einem Saal gestrichen, Mitgliederbeiträge und Wochenkartenpreise leicht erhöht. Der Fehlbetrag kann dank der guten Bilanz der vergangenen sieben Jahre aus dem Organisationsbudget gedeckt werden, doch das ist nur eine Übergangslösung. «Das Defizit können wir die nächsten zwei Jahre verschmerzen, danach laufen wir auf dem Zahnfleisch», sagt Ivo Kummer. Die Suche nach einem neuen dritten Hauptsponsor neben der Post und Swiss Life läuft auf Hochtouren. Mit zwei Interessenten werden zurzeit Gespräche geführt, doch ist noch nichts unter Dach und Fach.

Das neue Online-Lexikon

Merklich erfreut präsentierten Kummer und sein Team dafür gestern das neue Online-Lexikon für den Schweizer Film, «Filmsearch.ch». Basierend auf den Daten der Filmtage-Kataloge der vergangenen acht Jahre ist es ein Who’s who des Schweizer Films, durch das man sich spielerisch klicken kann.

Die Anzahl der eingereichten Filme hat sich bei der diesjährigen Ausgabe der Solothurner Filmtage markant gesteigert: 642 Filme wurden angemeldet, 2010 waren es noch 521. Daraus wurde jedoch strenger selektioniert als im Vorjahr: Im Verhältnis zu den eingereichten Filmminuten wurden rund zehn Prozent weniger Filme fürs Programm «Forum Schweiz» ausgewählt, nämlich 209 (2010: 254). «Dies erlaubt uns, mehr Filme als bisher zweimal zu programmieren», so Ivo Kummer. Weiter gibt es neue kuratierte Sonderprogramme: «Schweizer Filmexperimente 1962–1974» mit frisch restaurierten 16mm-Filmen von «Rebellen-Regisseuren» aus dieser Zeit, «40 Jahre Trickfilmwettbewerb» mit einer Reise durch die Schweizer Animationsfilmgeschichte sowie «Sound & Stories Amplified», wo Musikfilme von Jonas Odell und Max Hattler vorgestellt werden.

Neu wird auch der Schweizer Fernsehfilmpreis in Solothurn verliehen, anstatt wie bisher am Festival «Cinéma Tous écrans» in Genf. Ivo Kummer liegt der Preis am Herzen, wie er betonte: «Ich finde TV-Spielfilme wichtiger als Serien, sie berühren mehr», sagte er und bedauerte, dass sich das Westschweizer Fernsehen TSR dazu entschlossen hat, vorerst nur noch Serien zu produzieren.

Prix Pathé an Christian Jungen

«Harmlos» findet den Schweizer Spielfilm hingegen Christian Jungen, Gewinner des Prix Pathé 2011 in der Sparte Printmedien, in seinem preisgekrönten Artikel «Bitte mehr Mut und Haltung!». Jungen ist ehemaliger Filmredaktor der az und heute Filmredaktor der «NZZ am Sonntag». «Wir haben uns natürlich nicht über den Inhalt des Artikels gefreut», sagte Ivo Kummer, als er gestern den Preisträger bekannt gab, «aber umso mehr darüber, dass solche profilierten und authentischen Äusserungen in den Medien Platz bekommen.» Daniel Hürlimann erhält den Preis in der Kategorie elektronische Medien für seinen Radiobeitrag für Rete Due zum Film «Lionel».

Den Anerkennungspreis der Gemeinden im Wasseramt geht an die langjährige Chefredaktorin der Zeitschrift «Cine-bulletin», Françoise Derivaz, die dieses Jahr in Pension geht. Alle drei Preise sind mit 10 000 Franken dotiert. «Wir denken, dass die klassische Filmkritik in den nächsten Jahren immer mehr Probleme haben wird, ihren Platz in den Medien zu halten», kommentierte Ivo Kummer den Prix Pathé. «Wir hoffen, dass dieser Preis die Verleger anregt, der Filmkritik Raum zu geben.»

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