Gericht
Nicht dieselbe kriminelle Energie – dennoch Veruntreuung

Reka-Checks im Wert von 1000 Franken sollten den Besitzer wechseln. Bezahlt wurden sie, doch verschickt nicht. Gestern standen die Verkäufer vor Gericht.

Andrea Marthaler
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Verkäufer von Reka-Chechs standen vor Gericht (Symbolbild)

Verkäufer von Reka-Chechs standen vor Gericht (Symbolbild)

Keystone

Internethandel hat seine Tücken. Das mussten Markus Hösli und seine Partnerin Sandra Schmitt (Namen geändert) feststellen. Über Ebay verkauften sie Reka-Checks. 36 Mal ging alles gut, bei der 37. Versteigerung zahlte der Kunde zwar das Geld, doch die Anbieter hatte keine Reka-Checks mehr. Statt das Geld zurück zu zahlen, gaben sie es aus. Als der Kunde das Geld zurückforderte, waren sie zahlungsunfähig. Bereits im März 2010 kam es deswegen zu einem Gerichtsverfahren. Man vereinbarte, dass der Betrag von rund 860 Franken in Raten zurückbezahlt wird. Da dies nicht erfolgte, kam es nun zu einer neuen Verhandlung vor dem Regionalgericht in Aarwangen.

«Wir hatten das Geld nicht, konnten keinen Rappen bezahlen», sagte Schmitt vor Gericht. Die taffe Deutsche mit der Hornbrille trug während der ganzen Gerichtsverhandlung ihre Regenjacke. Hösli ergänzte, man habe sogar Kontakt mit dem Geschädigten aufgenommen und ein Treffen auf dem Oltner Markt, auf dem sie damals als Marktfahrer öfters waren, angeboten. Doch der ging nicht darauf ein. Stattdessen folgte die Betreibung. Es sei aber nicht viel zu holen gewesen, erklärte Hösli, im Gesicht bleich. Zwischen der Gerichtsverhandlung bat er, einen Traubenzucker essen zu dürfen. Er sei mental etwas angeschlagen, erklärte Hösli. Vor zwei Jahren habe man bei ihm Krebs diagnostiziert, jetzt sei er wieder ausgebrochen. Gleichzeitig läge seine Mutter im Sterben.

Dass die beiden Angeklagten ihre Schulden tatsächlich nicht zurückzahlen konnten, wurde vor Gericht belegt. Beide sind derzeit arbeitslos und vom Sozialamt abhängig. Ihre berufliche Selbstständigkeit mit einer Firma für den Internethandel und als Marktfahrer brachte derart wenig ein, dass sie damit wieder aufhörten.

Hohe Spielschulden

Während seine Partnerin die Aussicht auf einen Job hat, ist die Situation für Hösli, der die Verantwortung für den Verkauf der Reka-Checks übernahm, schwierig. Er sitzt für zwölf Monate in der Strafanstalt Wauwilermoos – wegen früherer Veruntreuung. Es sei für ihn eine gute Zeit, erklärte Hösli. «Ich kann meine Vergangenheit aufarbeiten.» Denn Hösli litt 20 Jahre unter Spielsucht, verlor viel Geld, betrog und veruntreute, um neues Spielguthaben zu erhalten. Auf über 800000 Franken haben sich Schulden angehäuft. Dieses Mal sei es aber anders. «Ich fühle mich nicht schuldig. Ich habe nicht vorsätzlich betrogen», betonte Hösli. Klar sei es ein grosser Fehler gewesen, das Geld nicht zurück zu zahlen. «Es war ein Geschäft, das geplatzt ist.»

Der Richter sah dies nicht so: «Die Absicht zum Betrug war zwar nicht da, doch man hätte das Geld zurückschicken müssen», sagte Einzelrichter Roland Richner bei der Urteilsverkündung. Da eine Geldstrafe wenig Sinn mache, verurteilte er Hösli zu gemeinnütziger Arbeit von 120 Stunden. Die Partnerin wurde freigesprochen. «Es steckt nicht dieselbe kriminelle Energie wie früher dahinter. Doch es war Nachlässigkeit, die man sich nicht erlauben darf», so Richner. Er hoffe, dass die beiden daraus gelernt haben. Zumal Hösli weiterhin einen Onlineshop betreibt, über den er Uhren verkauft.

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