Oberengstringen
Neue Antennen: Mobiles Internet wird noch schneller - doch nicht für jeden

Swisscom und Sunrise rüsten ihre Antennen auf. Doch nicht jeder Kunde profitiert davon.

David Egger
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Die beiden Antennen an der Goldschmiedestrasse werden gleich aussehen und gleich strahlen – aber weitaus mehr leisten.

Die beiden Antennen an der Goldschmiedestrasse werden gleich aussehen und gleich strahlen – aber weitaus mehr leisten.

David Egger

Wer im Bus noch schnell die neuste «Bachelorette»-Folge nachschaut oder ein aufwendiges Online-Game spielt, saugt viele Daten über das Natelnetz. Damit all das noch schneller geht, rüsten die beiden Unternehmen Swisscom und Sunrise ihre beiden Mobilfunkanlagen an der Goldschmiedestrasse in Oberengstringen auf. Die Swisscom hat für beide Antennen ein Baugesuch eingereicht, das nun im Gemeindehaus Oberengstringen zur Einsicht aufliegt.
Konkret geht es beim Umbau der beiden Antennen darum, sie für den neusten Standard 4G+ (auch LTE Advanced genannt) fit zu machen. Zwar garantiert schon der Vorgänger – 4G oder LTE genannt – ein schnelles Internet. Aber jedes Jahr verdoppelt sich die Datenmenge, die über die Smartphones der Nation zischt.

Um den Faktor zwei erhöht sich denn auch die Bandbreite in Oberengstringen, sobald die Antennen angepasst sind. Statt mit 150 Megabits pro Sekunde werden die Engstringer künftig mit 300 Megabits pro Sekunde mobil surfen. Dieses höhere Tempo ist «spürbar», versichert zum Beispiel die Sunrise.

100

Mobilfunk-Antennen in der ganzen Schweiz hat die Swisscom seit dem Start von 4G+ im Jahr 2014 entsprechend aufgerüstet, mehrere davon im Limmattal. Insgesamt betreibt die Swisscom landesweit 6000 Antennen. Die Sunrise hat total 3600 Antennen. Wie viele davon sie bereits für 4G+ vorbereitet hat, macht sie bewusst nicht öffentlich. Der dritte Konkurrent, Salt, liess eine gleichlautende Anfrage gestern unbeantwortet.

Der Schweizer Telekom-Experte Ralf Beyeler sieht das etwas anders. «Nur wer einen ganzen Film herunterlädt, wird die höhere Geschwindigkeit überhaupt bemerken. Wer aber einen hochauflösenden Film schaut, zum Beispiel via Youtube, wird keinen Unterschied spüren», sagt Beyeler. «Man ist sehr selten wirklich auf eine so hohe Bandbreite angewiesen. Ein neues Handy braucht man sich deswegen nicht zu kaufen.» Um ein hochauflösendes Video zu schauen, würden oft auch 9 Megabits pro Sekunde reichen. Beyeler, der jahrelang für Comparis arbeitete, spricht zudem einen weiteren wichtigen Punkt an. Die Bandbreite, welche die Mobilfunkanlagen theoretisch liefern könnten, ist gar nicht matchentscheidend: Vielmehr kommt es auf die Art des Natel-Abos an, das man benutzt.

Superteures Swisscom-Abo nötig

Gerade viele Swisscom-Kunden werden vom neuen Standard nicht profitieren können. Ein Blick auf die Swisscom-Tarife zeigt: Bei den meisten Abos ist die Geschwindigkeit des mobilen Internets limitiert. Vom besseren Netz in Engstringen profitieren Swisscom-Kunden nur dann direkt, wenn sie ein Abo für 139 Franken oder mehr haben (oder 99 Franken bei Unter-26-Jährigen). Bei allen kleineren Abos ist die Internetgeschwindigkeit limitiert, im besten Fall auf 50 Megabits pro Sekunde, obwohl mit 4G+ das Sechsfache möglich ist. Doch das Swisscom-System hat einen grossen Vorteil: Als Swisscom-Kunde kann man unendlich viele Daten saugen. Bei der Sunrise ist es genau umgekehrt: Jeder Abo-Kunde hat eine bestimmte Datenmenge pro Monat zugute, die er im Maximaltempo benutzen kann, also je nach Antenne auch 4G+. Ist diese Datenmenge aufgebraucht, wird das mobile Internet dann so langsam, dass man sich zusätzliche Datenmengen kaufen muss. Wer bei der Sunrise unlimitiert vom neuen Super-Tempo 4G+ profitieren will, braucht ein Abo für 130 Franken (oder 85 Franken für Unter-30-Jährige).

Apropos Kosten: Laut Baugesuch kostet die Umrüstung der beiden Natel-Antennen zusammen 33 000 Franken.

Strahlung soll sich nicht erhöhen

Handystrahlen-Gegner müssen sich wegen der Umrüstung in Oberengstringen keine Sorgen machen, da es sich bei der Aufrüstung auf 4G+ lediglich um eine technologische Anpassung handelt – die Anlage wird nach dem Umbau gleich aussehen und bleibt gleich hoch. Eine Erhöhung des sogenannten Anlagengrenzwerts der beiden Mobilfunk-Antennen steht nicht zur Debatte, er bleibt für beide Antennen gleich. Am stärksten von der Strahlung betroffen ist jeweils der Benutzer des Natels. Insbesondere dann, wenn er sich dieses ans Ohr hält.
Swisscom und Sunrise befindet sich seit 2014 in einem Kopf-an-Kopf-Rennen, was die Aufrüstung mit 4G+ betrifft. Im Limmattal hat die Sunrise die Nase vorn, wie eine Nachfrage bei den beiden Telekom-Firmen zeigt. So betreibt die Swisscom Mobilfunkanlagen mit dem Standard 4G+ in der Stadt Zürich, in Dietikon, Unterengstringen und bald auch in Oberengstringen. Die Sunrise ist zudem in Schlieren, Aesch und Urdorf mit 4G+ präsent.

Hersteller arbeiten schon an 5G

Während die flächendeckende Installation von 4G+ noch Jahre dauern wird, forschen Handy-Hersteller, Telekom-Unternehmen und Hochschulen an dessen Nachfolger 5G. Dieser zukünftige Standard soll eine Geschwindigkeit von mindestens einem Gigabit pro Sekunde ermöglichen – das wäre noch schneller als so mancher Kabel-Internetanschluss. Mit der Einführung von 5G ist aber erst nach 2020 zu rechnen.

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