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Naturschützer von Pro Üetliberg versuchen den Alleingang

Obwohl der Heimatschutz Pro Üetliberg im Regen stehen lässt, will der Verein den Rekurs womöglich weiterziehen. Ob dies gelingt, zeigt sich Ende Monat.

Alex Rudolf
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Kampf auf dem Üetliberg geht in die nächste Runde.

Kampf auf dem Üetliberg geht in die nächste Runde.

«Wir waren uns unsicher, ob das Zürcher Verwaltungsgericht zu unseren Gunsten entschieden hätte», sagt Martin Killias. Der Präsident des Zürcher Heimatschutzes (ZVH) gab diese Woche bekannt, dass der Rekurs, den er gemeinsam mit dem Verein Pro Üetliberg gegen den Gestaltungsplan Uto Kulm einreichte, nicht weitergezogen werde. Anfang Monat hatte das Baurekursgericht sein negatives Urteil bekannt gegeben. Beim Kanton zeigte man sich damals erfreut, dass der Gestaltungsplan, der regelt, was auf der Spitze des Üetlibergs erlaubt ist und was nicht, noch in diesem Jahr in Kraft treten könnte. Beim Entscheid gegen einen Weiterzug handle es sich laut Killias um einen wie jeden anderen. Doch bietet er reichlich Zündstoff. Denn der Heimatschutz arbeitet seit 13 Jahren eng mit dem Verein Pro Üetliberg zusammen und reichte nebst diesem noch weitere Rekurse gemeinsam ein. Den Entscheid gegen den Weiterzug an die nächste Instanz habe man aber unabhängig von Pro Üetliberg getroffen. «Denn wir sind zwei autonome Organisationen», so Killias.

Für die Pro-Üetliberg-Präsidentin Margrith Gysel – sie erfuhr aus den Medien von der Nachricht – ist diese Vorgehensweise nicht nachvollziehbar. «Es ist unverständlich, wie der Heimatschutz so mit uns umgehen kann», sagt sie. Zwar hat Pro Üetliberg noch keinen Entscheid gefällt bezüglich des weiteren Vorgehens. «Aber wir haben den Eindruck, dass die Bundesrichter durchaus in unserem Sinn entscheiden und den Gestaltungsplan zurück zur Baudirektion schicken könnten», so Gysel.

«Gespräch wäre schön gewesen»

Bereits vor drei Jahren befand das Bundesgericht, Fry müsse eine illegal erstellte Glasverkleidung der Terrasse wieder rückbauen. Die Argumentation des Baurekursgerichts im aktuellen Fall sei nicht schlüssig, weshalb man den Heimatschutz zu einem Weiterzug eingeladen habe, so Gysel. Zwar sei es deren gutes Recht, sich gegen einen Weiterzug zu entscheiden, fährt Gysel fort. «Doch wäre es schön gewesen, wenn man sich vorher in einem persönlichen Gespräch hätte austauschen können.»

Der vom Regierungsrat Anfang Jahr präsentierte Gestaltungsplan Uto Kulm klärt, wie der Gastrobetrieb die Bergspitze nutzen darf. Aus Sicht von Pro Üetliberg ist er jedoch zu wenig restriktiv und trägt dem Umstand, dass es sich um eine inventarisierte Landschaft handelt, zu wenig Rechnung. So sei die erlaubte Anzahl Fahrten auf den Berg von 4000 hin und 4000 zurück willkürlich und zu hoch angesetzt. Auch würden die Shuttlefahrten nicht dazugerechnet. Zudem seien zu viele und zu laute Veranstaltungen erlaubt – die Natur könne mit bis zu 100 Dezibel bespielt werden, was dem Schallpegel einer Disco entspricht. Und die Möglichkeit der Wanderer, die Aussichtsplattform zu begehen, sei durch Veranstaltungen des Uto Kulm zu stark beschnitten. Einzig für das Verbot einer dekorierenden Beleuchtung des Turms fand der Verein wohlwollende Worte.

Wie geht es nun weiter? «Wir werden im Pro-Üetliberg-Vorstand nun eine Auslegeordnung machen und unsere Möglichkeiten anschauen», sagt Gysel. Der Spielraum der Naturschützer ist aber eingeschränkt, denn allein ist der Verein nicht rekursberechtigt. Kriterien, die zu dieser Befähigung erfüllt sein müssen, sind etwa, dass ein Verein seit zehn Jahren oder länger existiert und kantonsweit aktiv ist. «Das erste Kriterium erfüllen wir schon längst. Dass wir uns nicht nur auf den Uto Kulm beschränken, beweist auch unser aktueller Einsatz für die Wiedereröffnung der Baldern», so Gysel. Auch habe man sich in zwei Fällen auf der vorderen Buechegg sowie im Kampf für die Erhöhung des Abluftkamins Eichholz beteiligt. Aus Sicht von Pro Üetliberg drängt die Zeit, denn bereits Ende dieses Monats läuft die Frist ab, im Rahmen derer der Rekurs eingereicht werden kann.

Margrith Gysel

Margrith Gysel

Alex Rudolf

Falls sich der Verein gegen einen Weiterzug entscheidet oder keine rekursberechtigte Organisation als Partner findet, tritt der Gestaltungsplan noch in diesem Jahr in Kraft. «In diesem Fall habe ich Angst, dass der Betreiber des Uto Kulm seinen rechtlichen Spielraum bis aufs äusserste ausreizt und wir einen Event-Gipfel erhalten, aus dem die Bevölkerung ausgeschlossen ist», sagt Gysel. Diese Bedenken teilt auch Martin Killias, versichert jedoch, dass der Heimatschutz weiterhin genau hinschauen werde, wie es auf der Spitze des Zürcher Hausbergs weitergeht.