Bezirksgericht Dietikon
Naiven Freund ausgenommen, verprügelt und ausgeraubt

Eine Jugendliche gaukelt einem etwas zu gutgläubigen Mann eine Liebesbeziehung vor – des Geldes Willen. Als dieses für ihren Geschmack zu wenig fliesst, kassiert er Prügel.

Attila Szenogrady
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Die Haupttäterin aus dem Freiamt und die Limmattaler Mittäterin standen am Montag vor dem Bezirksgericht Dietikon.

Die Haupttäterin aus dem Freiamt und die Limmattaler Mittäterin standen am Montag vor dem Bezirksgericht Dietikon.

Bettina Hamilton-Irvine

Von wegen «schwaches Geschlecht»: Diese heute 19-jährige Kosovo-Albanerin hat es offenbar faustdick hinter den Ohren. Als sie im September 2013 einen um neun Jahre älteren Mann kennen lernte, gaukelte sie ihm eine Liebesbeziehung vor. In Wahrheit ging es der raffinierten Jugendlichen jedoch nur darum, ihren naiven Partner regelmässig finanziell auszunehmen.

So verlangte sie vom gutgläubigen Hilfsarbeiter immer wieder Geld und gab dieses für Kleider, Kosmetik, Lebensmittel oder Zigaretten aus. Bis zum Herbst kassierte die Täterin auf diese Weise über 14'000 Franken. Sie versprach ihrem labilen Opfer, dass sie ihn heiraten werde. In Wahrheit dachte sie nicht daran, hatte gar einen festen Freund und wurde von diesem im Sommer 2014 auch noch schwanger.

Opfer gewürgt und ausgeraubt

Da die Betrügerin selber über keinerlei Einkommen verfügte, ging sie immer aggressiver gegen den Geschädigten vor. Am 2. Mai 2014 verlangte sie von ihm in seinem Auto 800 Franken. Als er nicht zahlen konnte, entwendete sie ihm spontan sein Klappmesser und drohte ihm, ihn damit abzustechen. Während der Fahrt zu einem Bancomaten fügte sie ihm am rechten Unterarm eine blutende Schnittverletzung zu. Da der Privatkläger kein Geld mehr auf seinem Konto hatte, konnte die Angreiferin bloss das Messer als Beute mitnehmen.

Zwei Wochen später ging die Beschuldigte in Dietikon noch brutaler vor, diesmal mit einer 19-jährigen Mittäterin. Die beiden Frauen fielen dabei im Auto des Opfers wie Furien über ihn her. Sie kratzen ihn und versetzten ihm Ohrfeigen. Die Haupttäterin schlug ihm mehrmals mit der Faust wuchtig ins Gesicht und in den Bauch.

Danach packte sie ihn mit beiden Händen am Hals und würgte ihn. Darauf entwendete die zweite Räuberin sein iPhone aus dem Hosensack. Als sich der Geschädigte nach dem zweiten Raub endlich ein Herz fasste und zur Polizei gehen wollte, drohte ihm die Mittäterin damit, ihn bei den Behörden im Gegenzug als Sex-Täter zu verzeigen.

Allerdings brachte diese versuchte Nötigung nichts mehr. So erstattete der 28-jährige Mann trotz der Drohung Anzeige, worauf die Polizei am 11. Juni 2014 beide Räuberinnen festnahm.

Fronarbeit und Schmerzensgeld

Am Montag mussten sich nun beide umfassend geständigen Kosovarinnen im Rahmen eines abgekürzten Verfahrens am Bezirksgericht Dietikon verantworten. Dabei segnete das Gericht den Urteilsvorschlag der Parteien ab. Demnach wurde die Haupttäterin aus dem Freiamt wegen mehrfachen Raubes sowie gewerbsmässigen Betrugs neben einer bedingten Freiheitsstrafe von zwei Jahren zu 720 Stunden gemeinnütziger Arbeit unbedingt verurteilt.

Zudem wurde sie verpflichtet, dem Opfer einen Schadenersatz von 14'220 Franken für den Betrug sowie 300 Franken für den zweiten Raub zu bezahlen. Hinzu kommt die Überweisung eines Schmerzensgeldes von 3500 Franken.

Milder fiel das Urteil für die Limmattaler Mittäterin aus. Sie kassierte wegen Raubes sowie versuchter Nötigung eine bedingte Freiheitsstrafe von 20 Monaten. Fronarbeit muss sie aber nicht leisten. Hingegen soll sie dem Privatkläger einen Schadenersatz von 300 Franken sowie eine Genugtuung von 2000 Franken entrichten.

Das Gericht setzte für beide Frauen bei den Freiheitsstrafen eine Probezeit von je drei Jahren fest. Zudem werden beide Urteile dem Migrationsamt mitgeteilt.

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