Reinach
Nachfolgerin fürs «City» gefunden – jetzt brauchen 32 Papageien ein neues Zuhause

Peter Willimann hat fürs Restaurant und Café City in Reinach eine Nachfolgerin gefunden. Bald hat er Zeit die Diebe seiner Vögel zu suchen.

Rahel Plüss
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Carmen Hochsprung macht aus dem Café City eine Bar: «Ich will gewisse Elemente, die an die bewegte Geschichte des ‹City› erinnern, bei der Umgestaltung mit einfliessen lassen.»

Carmen Hochsprung macht aus dem Café City eine Bar: «Ich will gewisse Elemente, die an die bewegte Geschichte des ‹City› erinnern, bei der Umgestaltung mit einfliessen lassen.»

Rahel Plüss

Um es vorwegzunehmen: Was mit Köbeli & Co vom Reinacher Café City ist, weiss immer noch keiner. Die Polizei hat den mysteriösen Fall um den verschwundenen handzahmen Kakadu und seine drei Voliere-Freunde, von denen möglicherweise einer dieses Frühjahr in Deutschland aufgetaucht ist, «mangels Beweisen» eingestellt (die az berichtete). Eins ist aber gewiss: Züchter und Vogelliebhaber Peter Willimann gibt so schnell nicht auf. Sobald er Zeit habe, werde er – natürliche hoffe er auf die Unterstützung der deutschen Polizei – der Sache «eigenhändig» nachgehen, wie er gegenüber der az sagt.

Zeit wird er bald haben. Am 8. Oktober hören er und seine Schwester Marlis Rüssli-Willimann nämlich mit Wirten auf. Nach langer Suche haben die Geschwister endlich eine Nachfolge für ihr «City» gefunden: Die Reinacherin Carmen Hochsprung wird das Lokal mit neuem Konzept weiterführen. Das in die Jahre gekommene Interieur wird zwar komplett renoviert und umgestaltet, «gewisse Elemente, die an die bewegte Geschichte des ‹City› erinnern», will die neue Wirtin aber unbedingt «mit einfliessen lassen», wie sie sagt. Carmen Hochsprung, die bisher im Reinacher O’Hanlons Irish Pub tätig war, will ihren Traum von der Selbstständigkeit verwirklichen und aus dem «City» ihre eigene Bar «mit kleiner Snackkarte» machen. Wann eröffnet werden kann, ist noch ungewiss. Hochsprung hofft, «um Mitte Januar rum».

Snack-Bar war das «City» früher schon mal – ausserdem Confiserie, Tanzlokal, Raucherlounge und Spielhalle. Als «erstes Vergnügungslokal im Oberwynental» hatte der Reinacher Gemeindeammann Martin Heiz das «City» unlängst bezeichnet. Illustre Gäste gingen hier in den vergangenen 60 Jahren ein und aus: Schauspieler, Musiker, Rennfahrer.

Willimann gibt die Vogelzucht auf

Vor 34 Jahren hatten die Geschwister Willimann das Lokal von ihren Eltern übernommen. Jetzt sind sie erleichtert, dass sie den Stab weiterreichen können – und erst noch an «jemanden aus der Region», wie Marlis Rüssli erfreut sagt. Trotzdem: Wehmütig sei sie schon. «Mein ganzes Herzblut ist hier drin, seit ich sieben bin.» Die 68-Jährige freut sich aber auch auf den lange ersehnten Ruhestand. Jetzt kann sie endlich all jene Dinge machen, die so lange warten mussten: ausgedehnte Waldspaziergänge mit ihren Hunden, Freunde besuchen, reisen. Zuerst wolle sie sich aber ein bisschen ausruhen, sagt sie. «Runterfahren».

Eine Herkulesaufgabe hat Peter Willimann noch vor sich. Er muss bis Ende Oktober für seine 32 Papageien (Amazonen, Kakadus und Felsensittiche) eine neue Bleibe finden. Nachdem er erfahren hatte, dass er die Hälfte seiner Volieren hinter dem Café abbauen muss, weil die Mobiliar-Versicherung als Grundeigentümerin Anspruch auf das Land erhebt, hat er sich zum Verkauf der Tiere durchgerungen. «Auf dem verbleibenden Stück Land ist einfach nicht genug Platz zum Weiterzüchten», sagt er. Zuchtaufgabe hin oder her: Was aus seinem geliebten Kakadu Köbeli geworden ist, das will er unbedingt noch herausfinden.