FC Basel
Nach der Harmonie - wie weiter? Analyse zur vergangenen und kommenden Saison des FC Basel

Zum siebten Mal in Serie ist der FC Basel Schweizer Fussball-Meister. Es war eine Saison mit ganz vielen Höhepunkten für den FCB. Harmonie überall. Doch wie geht es weiter mit dem scheinbar unschlagbaren FC Basel?

Sebastian Wendel
Sebastian Wendel
Merken
Drucken
Teilen
Die Pokalübergabe, Krönung einer erfolgreichen FCB-Saison. Was passiert mit dem Rauch, der sich von beiden Seiten nähert? Verschwindet er wieder oder wird er zum Flächenbrand?

Die Pokalübergabe, Krönung einer erfolgreichen FCB-Saison. Was passiert mit dem Rauch, der sich von beiden Seiten nähert? Verschwindet er wieder oder wird er zum Flächenbrand?

KEYSTONE

Um 3 Uhr war Schluss. Kein Bier mehr, nicht mal mehr ein Wasser. Freundlich, aber bestimmt befiehlt der Sicherheitsmann: alle Gäste raus! Ungewöhnlich früh endet in der Nacht auf Donnerstag die Party im «Papa Joe’s», nachdem die Mannschaft und der Betreuerstaff erst um 1.30 Uhr den Balkon auf dem Barfüsserplatz betreten haben. Im kleinen Kreis feierten die Hauptakteure danach noch im «Noohn» weiter. Erst bei Tageslicht ins Bett kamen aber nur jene, auf die keine EM wartet und die – wie Safari («Ich schliesse die Türe»), Degen und Samuel – zum letzten Mal mit dem FCB einen Titel feierten.

Breel Embolo: «Wunderbar, das miterleben zu dürfen. Wie es mit mir weitergeht? Wir werden sehen.»

Breel Embolo: «Wunderbar, das miterleben zu dürfen. Wie es mit mir weitergeht? Wir werden sehen.»

KEYSTONE

Die anderen, allen voran die sportliche Führung um Präsident Bernhard Heusler, Sportdirektor Georg Heitz und Trainer Urs Fischer, dürften nach dem Aufwachen gestern Vormittag froh gewesen sein, dass der Kater weniger schlimm war als in früheren Jahren. Schliesslich, so Heusler, wurde bereits am Tag nach der Meisternacht an der neuen Saison gefeilt. Und die Pendenzenliste, den das Trio abarbeiten muss, ist länger, als die momentane Gefühlslage rund um den FCB vielleicht vermuten lässt.

Roger Federer: «Es war eine Riesenehre, meinem FCB und Matias Delgado den neuen Pokal zu übergeben!»

Roger Federer: «Es war eine Riesenehre, meinem FCB und Matias Delgado den neuen Pokal zu übergeben!»

KEYSTONE

Harmonie überall! Von der Klubführung wurde in den letzten Tagen keine Gelegenheit ausgelassen, das überaus positive Betriebsklima zu rühmen. Für das in erster Linie Urs Fischer verantwortlich sei. Ja, Fischers Draht zu den Spielern ist besser, viel besser als der seiner Vorgänger Paulo Sousa und Murat Yakin. Ja, Fischer hat die Bodenständigkeit und Authentizität reingebracht, die dem FCB im Jahr unter dem weltmännischen Sousa etwas abhandengekommen war. Und unter Fischer hat der FCB in der Rückrunde so attraktiven Offensivfussball gespielt wie schon lange nicht mehr. Fragt sich: Wenn schon alles so gut ist – warum muss man es dann bei jeder Gelegenheit betonen?

Urs Fischer: «Es gab auch schwierige Momente, aber im Verein blieb es immer ruhig. Ich danke den Verantwortlichen für dieses Vertrauen!»

Urs Fischer: «Es gab auch schwierige Momente, aber im Verein blieb es immer ruhig. Ich danke den Verantwortlichen für dieses Vertrauen!»

KEYSTONE

Vielleicht, weil die Verpackung doch mehr glänzt als der Inhalt. Fischers konsequente, teilweise sture Arbeitshaltung ist auf der einen Seite zwar die Grundlage für das solidarische Bild, das die Mannschaft in dieser Saison abgab. Sie sorgt aber auch für Misstöne: Im Team haben dies Shkelzen Gashi und Zdravko Kuzmanovic erfahren: Für ihre Launen hatte Fischer kein Verständnis, worauf sie in der Winterpause die Flucht ergriffen haben.

Walter Samuel: «Meine Mutter, Freunde, Familie – alle sind gekommen, um beim Abschied dabei zu sein. Ich bin sehr glücklich darüber, wie die Karriere zu Ende geht.»

Walter Samuel: «Meine Mutter, Freunde, Familie – alle sind gekommen, um beim Abschied dabei zu sein. Ich bin sehr glücklich darüber, wie die Karriere zu Ende geht.»

KEYSTONE

Bei einigen Akteuren aus dem innersten Zirkel sorgte auch Fischers Reaktion auf medialen Druck für Stirnrunzeln: Rund um die zwei Niederlagen hintereinander gegen GC und St. Gallen und zwischen den Europa-League-Spielen gegen Saint-Etienne soll seine Zündschnur kürzer als sonst gewesen sein.

Philipp Degen: «Dass ich nochmals ein paar Minuten das rot-blaue Trikot tragen konnte, bedeutet alles für mich.»

Philipp Degen: «Dass ich nochmals ein paar Minuten das rot-blaue Trikot tragen konnte, bedeutet alles für mich.»

KEYSTONE

Am meisten Sprengstoff beinhaltet jedoch das Thema «Muskelverletzungen». Im Herbst und im letzten Saisonviertel meldete sich gefühlt jede Woche ein Spieler mit einer Zerrung oder einem Faserriss ab – das letzte Opfer Renato Steffen verpasst deswegen sogar die EM. Das Thema bewegt. Nicht nur die Fans, sondern auch in der Kabine und auf der Geschäftsstelle. Die Spieler verstehen die Welt nicht mehr, an Zufall glauben sie nicht. Warum reissen beim FCB reihenweise die Muskelfasern, während andere Vereine mit ähnlich viel oder mehr Spielen verschont bleiben? Warum gab es unter Paulo Sousa kaum Muskelverletzte?

Bernhard Heusler: «Ich danke allen Zuschauern für die grandiose Unterstützung während der ganzen Saison – es war ein wunderbares Jahr!»

Bernhard Heusler: «Ich danke allen Zuschauern für die grandiose Unterstützung während der ganzen Saison – es war ein wunderbares Jahr!»

KEYSTONE

Lag dies etwa doch daran, dass der Portugiese und seine Assistenten allerneuste Trainingsmethoden anwendeten? «Zu viel», gestand auch Fischer am Dienstag ein und kündigte an, das Thema mit seinem Trainerstaff und dem medizinischen Betreuerstab schonungslos aufzuarbeiten. Vielleicht kommt Fischer dann zur Einsicht, dass auch er Teil des Problems ist. Dass er sich zu sehr einmischte in die Arbeitsweise der seit Jahren perfekt eingespielten und funktionierenden medizinischen Abteilung. Unter anderem, so ist von verschiedener Seite zu hören, soll Fischer zu stur auf anfängliche Prognosen zur Rückkehr eines Spielers beharren und soll Warnsignale überhört haben, die der Körper eines Spielers abgegeben hat und über die er von der medizinischen Abteilung informiert wurde.

Behrang Safari: «Es waren zu viele Emotionen, ich konnte die Tränen nicht zurückhalten. Ich bleibe für immer ein Basler!»

Behrang Safari: «Es waren zu viele Emotionen, ich konnte die Tränen nicht zurückhalten. Ich bleibe für immer ein Basler!»

KEYSTONE

Möglich, dass aus der Aufarbeitung ein Bauernopfer (Marco Walker?) hervorgeht. Möglich, dass sich alle Beteiligten zusammenraufen und jeder wieder dort seine Kompetenzen einsetzt, wo diese auch gefragt sind. Zu verhindern, dass der Rauch rund um die Verletzungsproblematik nicht zum Flächenbrand wird, scheint für die Verantwortlichen in der Sommerpause die kniffligste Aufgabe zu sein. Nebst jener, den erneuten Kaderumbruch zu bewältigen und eine Champions-League-taugliche Mannschaft bereitzustellen.

Tausende Fans warteten auf dem Barfi auf ihre Helden.
18 Bilder
Diese kamen via Steinenvorstadt mit Trucks von Feldschlösschen zum Ort der Feierlichkeiten.
Davide Callà (stehend links) kann die Finger nicht vom Pokal lassen.
Schon bevor die Mannschaft auf den Balkon trat, wurde unten auf dem Barfi mit Pyros Stimmung gemacht.
Da ist das Ding! Tomas Vaclik, Germano Vailati und Marek Suchy (von links nach rechts) posieren mit dem neuen Meisterpokal.
Urs Fischer geniesst seinen ersten Meistertitel und saugt alles auf.
Delgado (Mitte) war zu Scherzen und Grimassen aufgelegt. Der Pokal sei aber echt schwer, sagte er lachend.
«Der gehört mir!» Tätschmeister Davide Callà will den Pokal nicht hergeben.
Walter Samuel ist kein Mann der grossen Worte. Für ein Dankeschön – auf Deutsch – an seine Fans hat es dann aber doch noch gereicht.
Cedric Itten (ganz links am Bildrand) stand vor drei Jahren noch selber auf dem Barfi und jubelte Streller, Huggel und Co zu. Gestern stand er auf dem Balkon, als Teil der ersten Mannschaft.
Ein letztes Mal posieren mit dem Pokal, dann ist Schluss. Philipp Degen mit der letzten Trophäe seiner aktiven Fussballkarriere.
Auch für ihn ist Schluss – zumindest in Basel. Nach insgesamt sechs Jahren verabschiedet sich Behrang Safari von Basel, und davon, jedes Jahr Meister zu werden.
Die Meisterfeier des FC Basel
Und so liess natürlich auch Delgado es sich nicht nehmen, mit dem 13-Kilo-schweren Pokal zu posieren.
Breel Embolo ist mit seinen 19 Jahren bereits zum dritten Mal Schweizer Meister – und für eine Zeit lang vielleicht auch das letzte Mal.
Gute Freunde unter sich: Matías Delgado und (links) Behrang Safari feiern ihren letzten gemeinsamen Titel.
Ja, Birkir Bjarnason kann auch lachen! Dafür braucht es aber einen Pokal und viele Menschen, die ihn feiern.
FCB-Trainer Urs Fischer präsentiert sich mit dem neuen Pokal auf dem Balkon am Barfi.

Tausende Fans warteten auf dem Barfi auf ihre Helden.

Zur Verfügung gestellt
Matias Delgado stemmt den Pokal in die Höhe
17 Bilder
Gelungene Überraschung: Tennisstar und FCB-Fan überreicht den Spielern die neue Trophäe
FC Basel - Grasshoppers
Die drei, die gehen. Philipp Degen, Walter Samuel und Behrang Safari mit dem Kübel
Champagnerdusche für Urs Fischer
Präsident Bernhard Heusler
Safari und Delgado
Captain Matias Delgado
Abschied für Behrang Safari
Delgado bringt Brahimi zu Fall
Joel Mall sieht den Ball am Pfosten.
Philipp Degen wird verabschiedet
Die Pyros sind schon von Anfang an im Einsatz
Samuel, Safari, und Degen werden von den ehemaligen David Degen, Alex Frei und Marco Streller verabschiedet
Farbenfroher Empfang für die Spieler
Der FCB hat im Spiel gegen die Grasshoppers nichts mehr zu verlieren.

Matias Delgado stemmt den Pokal in die Höhe

Keystone