Nothilfe
Nach dem Erdbeben: Die Hilfe von Buddhisten schützt vor Korruption

Die Dietikerin Hilda Kieni-Stutz sammelt mit dem Verein Dolpo Tulku Schweiz Hilfsgelder für Nepal.

Franziska Schädel
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Dolpo Tulku
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Die Aufbauarbeiten sind noch längst nicht beendet.
Die Aufbauarbeiten sind noch längst nicht beendet.
Der Verein Dolpo Tulku Schweiz fördert karitative Projekte in den Bereichen Bildung, Gesundheit und örtliche Kultur in Nepal.
Kam zufällig zum Nepal-Engagement: die Dietikerin Hilda Kieni-Stutz.
Ein buddhistisches Oberhaupt koordiniert die Hilfe im Dolpo.
Die Aufbauarbeiten sind noch längst nicht beendet.

Dolpo Tulku

Zur Verfügung gestellt

Aus den Medien sind sie weitgehend verschwunden, die Bilder der zerstörten Häuser und obdachlosen Menschen in Nepal. Aber die Bevölkerung kämpft noch immer mit den verheerenden Folgen des schweren Erdbebens, das sich im Frühjahr 2015 im Himalaya-Staat ereignet hat. Die Dietikerin Hilda Kieni-Stutz mag daher nicht zur Tagesordnung übergehen. Sie hat einen Verein gegründet und unterstützt mit den gesammelten Geldern Hilfsprojekte in der abgelegenen Dolpo-Region an der Grenze zu Tibet.

Dolpo Tulku

Der Verein Dolpo Tulku Schweiz fördert karitative Projekte in den Bereichen Bildung, Gesundheit und örtliche Kultur in Nepal, insbesondere in der Region Dolpo, einem rund 8000 Quadratkilometer grossen Gebiet an der Grenze zu Tibet, das bis auf 5200 Meter über Meer hinaufreicht. Der Verein ist ausschliesslich gemeinnützig tätig und steuerbefreit. Vereinspräsidentin ist die Dietikerin Hilda Kieni-Stutz. Partnerorganisation vor Ort ist die Dolpo Tulku Charitable Foundation in Nepal. Diese ist seit 2007 aktiv und von der nepalesischen Regierung als gemeinnützige Stiftung anerkannt. Auskünfte erteilt Hilda Kieni-Stutz, Telefon: 044 740 56 06. www.dolpotulku.org schweiz@dolpotulku.org
Spenden: IBAN CH02 0078 4295 6419 4200 2

«Ich habe keinen Helfer-Tic», sagt die engagierte Frau, die 4-Sterne-Hotels geführt hat und heute Menschen in Umbruchsituationen coacht und berät. «Doch wenn ich etwas bewegen kann, dann setze ich mich sehr gerne für eine gute Sache ein.» Hilda Kieni kam zu ihrem Engagement für Nepal eigentlich durch Zufall. Weil sie im multikulturellen Umfeld verstehen wollte, mit welchen Problemen sich Menschen aus anderen Kulturkreisen bei uns konfrontiert sehen, beschloss die Katholikin, sich mit dem Buddhismus näher auseinanderzusetzen. Sie besuchte in Zürich und Berlin einen Lehrgang in buddhistischer Philosophie und Psychologie und kam so in Kontakt mit Dolpo Tulku Rinpoche, dem religiösen Oberhaupt der Region Dolpo. «Während einer Pause erzählte ich von meinen Erfahrungen als Militärfürsorgerin. Dass der buddhistische Lehrmeister aus Nepal stammte, wusste ich damals nicht», erinnert sich Kieni. «Nach dem Erdbeben kontaktierte mich die Dolpo Tulku Charitable Foundation Nepal und bat mich um Unterstützung beim Aufbau eines Netzwerks in der Schweiz.» So entschied Kieni sich, den Verein Dolpo Tulku Schweiz zu gründen.

Decken für 7000 Familien

Hilda Kieni zeigt stolz die druckfrischen Einzahlungsscheine ihres neuen Vereins. «Mit einem Aufruf unter meinen Bekannten konnte ich sehr schnell 10 000 Franken sammeln. Dieses Geld unterstützt die Nothilfe, die in dieser Region noch immer nötig ist. Es konnten für 7000 Familien Decken, Wellblechplatten und Plastikplanen gekauft werden, aber auch dringend notwendige Kochutensilien. Der Schlamm und das Geröll haben das zum Leben Notwendigste zerstört.» Kieni erzählt von Kindern, die nicht mehr zur Schule können, weil Brücken zerstört sind und Vieh, das nicht mehr auf die Weide kann. Sie möchte mit ihrem Verein den Kontakt herstellen zu hiesigen Trekkern und Bergsteigern. «Ich kenne einige Leute, welche die Region Dolpo bereist haben und wissen, dass man in den kleinen Klöstern weitab aller Zivilisation immer anklopfen kann, wenn man in eine Notlage gerät. Und gerade diese Klöster sind weitgehend zerstört.» Längerfristig will der Verein auch für die Gesundheitsversorgung und die Bildung der Bevölkerung in der abgelegenen Region Geld sammeln.

Karma gegen Korruption

Dass ein buddhistisches Oberhaupt die Hilfe im Dolpo koordiniert, ist für Hilda Kieni Garant dafür, dass die Gelder nicht versickern. «Im Buddhismus ist alles Handeln Karma-wirksam. Ein Mönch wird nie Gelder veruntreuen, denn er weiss, dass er dafür einmal bezahlen müsste», sagt Kieni. Verantwortlich für die Aufbauarbeiten sind die betroffenen Dörfer selber. Sie stellen der Dolpo Tulku Charitable Foundation einen Antrag mit genauen Angaben darüber, was nötig ist und wie und bis wann das Projekt verwirklicht werden soll. Die Mönche koordinieren und kontrollieren. «Es sind eigentlich jahrhundertealte Kommunikationswege zwischen Bevölkerung und Klöstern», sagt Kieni. «Weil die Mönche nicht auf die staatlichen Behörden angewiesen sind, erfolgt ihre Hilfe schnell und unbürokratisch.»

Die erste Generalversammlung des Vereins wird im November stattfinden. Dann wird Dolpo Tulku Rinpoche nach Dietikon kommen und über die Hilfsprojekte in seinem Land berichten. Schon einmal war er hier: Nach einer Promotionstour für sein buddhistisches Lehrbuch machte er mit seiner Dolmetscherin einen Abstecher nach Dietikon, um die Frau zu treffen, die sich so für die Menschen in seinem Land einsetzt. Weil die beiden nicht ins Hotel wollten, bot ihnen Hilda Kieni bei sich zuhause Obdach. «Die beiden waren noch immer gekennzeichnet von Schock und Trauma. Sie wollte einfach nur eine Gemüsesuppe und dann schlafen.»

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