Herzogenbuchsee
Musik lässt Wiesen und Herzen erbeben

Das Earthquake Open-Air-Festival in Herzogenbuchsee fand im elften Jahr erstmals an zwei Tagen statt - und war erneut ein grosser Erfolg. Buchsi feierte sein Festival.

Brigitte Meier
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Die drei Schweizer Könige Pascal Dussex (rechts), Thomas Baumeister und Bruno Dietrich füllen die kleine Bühne am Earthquake in Herzogenbuchsee voll aus.

Die drei Schweizer Könige Pascal Dussex (rechts), Thomas Baumeister und Bruno Dietrich füllen die kleine Bühne am Earthquake in Herzogenbuchsee voll aus.

Hansjörg Sahli

«Das Earthquake gehört einfach zu Buchsi», sagt Janik Wyss überzeugt. Der 20-jährige Pfadileiter freut sich vor allem auf den Auftritt von Rapper Knackeboul am Samstag. Seit 2002 lässt das Earthquake Open-Air-Festival Herzogenbuchsee erzittern und dieses Jahr gleich an zwei Tagen (wir berichteten). Elf Jahre Earthquake motivierte die Macher, etwas Neues zu wagen. Sie werden mit Wetterglück und viel Publikum belohnt. Mit einem Mix aus Komik, Musik und Essen wird auch der älteren Generation etwas geboten.

Bereits am frühen Freitagabend sitzen zahlreiche Besucher in der schmucken Parkanlage unter dem mächtigen Kastanienbaum und lassen es sich gut gehen. Was will man mehr; herrliches Wetter, ein Comedy-Programm vom Feinsten und kulinarisch kommen die Gäste ebenfalls auf ihre Kosten. Es ist ein Dorffest, die meisten kennen sich und begrüssen sich herzlich. Der Charme der kleinen Anlage inmitten von Buchsi zieht auch bekannte Bands wie Favez immer wieder hierher.

«Knackeboul ist einer von uns und bereits am Earthquake aufgetreten, als er praktisch unbekannt war. Das hat er nicht vergessen», sagt OK-Präsident Marcel Wagner und erklärt: «Als Kulturpreisträger des vergangenen Jahres wollen wir der Bevölkerung etwas zurückgeben.» Mit Bänz Friedli und Tomazobi wurden Künstler engagiert, die schon mehrmals im ausverkauften Schlachthaus aufgetreten sind.

Rockendes Trio

Königlich eröffnet wird das Earthquake von den selbst ernannten «K†ngs of Røck», die sich nicht stoppen lassen auf dem «Highway to Hell»: Les (t)rois Suisses spielen Hard-Rock von AC/DC, und Thomas Baumeister geizt nicht mit seinem «Sixpack» und wirft zerbrochene Drum-sticks in die Zuschauer. Das verfehlt die Wirkung nicht, auch wenn diese vorher angesägt waren. Das Publikum rockt mit. Für die Festival-Saison spannen Pascal Dussex und Thomas Baumeister mit dem professionellen Rockmusiker Bruno Dietrich zusammen, leben die alten Rock-Hits auf der Bühne und erobern reihenweise Frauenherzen.

Leadsänger Pascal Dussex fragt eine Besucherin nach ihrem Namen. «Oh, Jasmin, You’re amazing. I sing the next song for You.» Theatralisch kniet er nieder und schreit seine Schwüre ins Mikrofon, das er mit schwarz lackierten Fingernägeln umklammert. Das rockende Trio erklimmt den Rock-Olymp Stufe um Stufe und zeigt sich auch musikalisch auf der Höhe.

Ein Heimspiel für Bänz Friedli

Die stimmungsvolle Atmosphäre macht Appetit, und so geniessen Marlies und Beat Urben aus Inkwil und Brigitte und Christoph Fankhauser aus Buchsi ein schmackhaftes Risotto. Serviert von den charmanten Handballfrauen Herzogenbuchsee. «Dieser Anlass wird von der Bevölkerung getragen. Unsere Tochter ist auch im Gastroteam», erklärt Brigitte Fankhauser, während sie sich köstlich amüsiert über den «Hausmann der Nation». Bänz Friedli hat im Vorfeld gegenüber dem az Langenthaler Tagblatt erklärt, dass er echt nervös sei. «Das ist sozusagen meine Premiere als Open-Air-Act. Und dies zwischen zwei Top-Bands und dem Europameisterschafts-Viertelfinalspiel.»

Wie könnte es bei dem bekennenden YB-Fan auch anders sein, die EM und Fussball sind wichtige Themen. «Nichtsdestotrotz», in Anlehnung an die intellektuell tönende Lieblingsaussage von Alain Sutter, findet es Friedli genial, dass so viele Besucher gekommen sind. Er schafft es, diese während einer Stunde bestens zu unterhalten und erhält Applaus auf offener Szene. Temporeich erzählt er Alltagsgeschichten, imitiert Dialekte und Promis und ist dabei ständig in Bewegung. Friedli hat ein geschliffenes Mundwerk, das seinesgleichen sucht. Er erzählt von Putzpartys mit Jemaco-Fasern oder dass er darauf achte, Leserbrief relevante Kolumnen zu verfassen.

Aber er führt auch eine spitze Feder und seine Beiträge im «Migros-Blättli» wie er es nennt, sind längst Kult. Der 47-Jährige lebt seit Jahren in Zürich. «Schon noch speziell. Für die muss man als Berner für alles Untertitel machen.» Doch in Buchsi fühlt sich Bänz ganz zu Hause und wartet schon sehnlichst darauf, zum fünften Mal im Schlachthaus auftreten zu können: «Der geilste Club in der Schweiz, gäu Michu», ruft er in die Menge. Nach ihm lassen die Berner Guerilla-Troubadouren Tomazobi den Buchser Gemeindepark erneut erbeben.

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