OLTNER STADTRATSWAHLEN
Monique Rudolf von Rohr, die Unermüdliche

Wer Monique Rudolf von Rohr (FDP) als harmloses Polit-Grosi einschätzt, liegt falsch. Als Parteipräsidentin, Kommissionsmitglied und Gemeinderätin hat sie viel erlebt. «Die Begegnungen mit Menschen sind immer spannend. Doch ich musste auch lernen, Distanz zu wahren und Negatives nicht persönlich zu nehmen.»

Janine Gloor
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Seit sie Grosskinder hat, isst Monique Rudolf von Rohr (61) noch lieber im «Pavillon» – dank Kinderecke und Wickeltisch.

Seit sie Grosskinder hat, isst Monique Rudolf von Rohr (61) noch lieber im «Pavillon» – dank Kinderecke und Wickeltisch.

Bruno Kissling

Gäbe es eine Frucht, die aussen blau und innen rot ist, wäre sie perfekt, um Monique Rudolf von Rohrs politisches Profil zu beschreiben. So wie es Wassermelonen-Grüne gibt. Doch leider gibt es keine blauen Melonen. Monique Rudolf von Rohr (61) ist eine aussergewöhnliche Spezies, ein Früchtchen, das auf der linken Seite des FDP-Baums gewachsen ist. «Ich habe schon gehört, ich sei wohl eher links als FDP-Mitte», sagt die Politikerin. Doch Monique Rudolf von Rohr fühlt sich bei den Freisinnigen bestens aufgehoben. «Ich vertrete ein liberales Gedankengut. Der Freisinn entspricht mir.»

Sie ist eine Macherin, probieren geht über studieren. So steuert sie auch im «Pavillon» nach einem Winken gleich die Bar an, um für sich, die Journalistin und den Fotografen Kaffee zu holen. «Ich bin immer fürs Ausprobieren. Während andere gern zuerst eine Fachstelle gründen, packe ich lieber an und schaue, wie es läuft.»

Monique Rudolf von Rohr ist in Niedergösgen aufgewachsen. Hier hat sie auch zum ersten Mal eine politische Ader bewiesen. «Mein Vater war bei den Freisinnigen und hat mich schon früh an Veranstaltungen mitgenommen.»

In der Bez ergriff sie selber die Initiative. «Wir haben uns neben der Barriere in Schönenwerd aufgestellt und die Autofahrer angesprochen, die ihren Motor nicht abstellten», sagt sie und lacht. «Politik gehörte immer zu meinem Leben, das war nie etwas Abgetrenntes.»

«Rabenmutter» und Politikerin

Mit Monique Rudolf von Rohr kommt man einfach ins Gespräch. Sie gibt einem das Gefühl, auf gleicher Höhe zu sein, ist eine Person, die aus einem Interview eine Unterhaltung macht. Als junge Lehrerin am BBZ wurde sie immer wieder angefragt, ob sie für den Gemeinderat kandidieren möchte. Doch es war noch zu früh, «zuerst kamen die Kinder.» War sie doch sowieso schon eine «Rabenmutter».

Die zehn Kandidaten unter der Lupe

In loser Folge berichtet das Oltner Tagblatt bis Mitte Februar in einer Porträtserie über die fünf Frauen und fünf Männer, die sich für die fünf Oltner Stadtratssitze bewerben.

Wie stehen sie zur Stadtteilverbindung ins Quartier Olten SüdWest? Sollen die Christkatholiken für die Sanierung der Stadtkirche einen Zustupf aus der Stadtkasse erhalten? Finden sich in der Stadt genügend Parkplätze? Oder wie halten es die Kandidierenden mit möglichen Steuererhöhungen?

Zu Wort kommen aber nicht nur die Kandidierenden selbst, sondern auch deren Lebenspartner/ Familienmitglieder.

«Ich habe als Mutter stets gearbeitet», sagt sie, ohne diese Aussage mit Reue oder Stolz zu färben. «Wir hatten ein knappes Einkommen, es war klar, dass ich auch arbeiten musste.» Monique Rudolf von Rohr hat vier erwachsene Kinder.

Geschadet scheint ihnen die arbeitstätige Mutter nicht zu haben, sie pflegt zu allen eine enge Beziehung. Von ihrem damaligen Mann ist die Politikerin heute geschieden. «Aber wir sind immer noch Eltern», betont sie.

Familie sei ihr das Wichtigste. Seit sie Grossmutter ist, kommt sie besonders gern ins «Pavillon». Sie zeigt auf die Ecke, wo buntes Spielzeug Kinder anlockt. «Es ist unkompliziert und das Essen gut.»

Olten ist für sie zur Heimat geworden. Hier möchte sie nicht mehr weg. Begeistert spricht sie über das kulturelle Angebot, das sie mit ihrem Engagement bei den Oltner Kabarett-Tagen auch gleich selbst mitprägt.

«Ich gehe regelmässig ins Theater, besuche Poetry-Slam-Vorführungen und bin in der Vario Bar anzutreffen.» Herrlich sei das alles. Ihre grünen Augen leuchten im gleichen Ton wie ihr Foulard. «Olten ist so läbig.»

Das sagt die Tochter

Stärke: «Meine Mutter kann sehr gut analytisch denken. Sie erkennt Zusammenhänge schnell und kann ein Thema aus verschiedenen Blickwinkeln betrachten.»

Schwäche: «Manchmal sagt sie zuwenig Nein.»

Die Lebensqualität erhalten

«Es lohnt sich, in unsere Stadt zu investieren», sagt sie. Der Bahnhofsplatz, Olten SüdWest und der Sälipark 2020 seien alles grosse Projekte. Dafür brauche es gute Steuerzahler. «Man muss schauen, dass es allen gut geht.»

Da ist sie wieder, die rote Färbung der Monique Rudolf von Rohr. Zum neuen Quartier Olten SüdWest zum Beispiel hat sie konkrete Ideen. Sie hat mit ihrer Familie im Meierhof-Quartier gewohnt und weiss, wovon sie spricht, wenn sie Wörter wie Bevölkerungsdurchmischung braucht. «Olten SüdWest ist schon nur optisch ein Einheitsbrei», sagt sie.

Damit verschiedene Bevölkerungsgruppen und vor allem auch Familien angelockt werden, brauche es Spielanlagen, ein Café oder auch andere Betriebe. Oder gleich ein Schulhaus. Ihre Liebe zur Stadt kann sie auch mit dem Beruf verbinden. Wenn sie mit ihren Deutschschülern ein Buch von Alex Capus liest, nimmt sie die Klasse mit auf einen Rundgang zu den Schauplätzen.

Wer Monique Rudolf von Rohr nun als harmloses Polit-Grosi einschätzt, liegt falsch. Seit Ende der 1980er-Jahre ist sie Mitglied der FDP Olten. Als Parteipräsidentin, Kommissionsmitglied und Gemeinderätin hat sie viel erlebt. «Die Begegnungen mit Menschen sind immer spannend. Doch ich musste auch lernen, Distanz zu wahren und Negatives nicht persönlich zu nehmen.»

Wenn sie etwas will, lässt sie nicht mehr locker. So auch im «Pavillon». Der Familie Rudolf von Rohr fehlte ein Wickeltisch. «Wir haben jedes Mal nachgefragt», sagt sie. «Jetzt steht einer im Keller.»

Schon früh habe sie ihren Kindern beigebracht, dass es Eigeninitiative und Selbstverantwortung braucht, um ans Ziel zu kommen. Heute gibt sie dies ihren Schülern weiter. Künftig möchte sie diese Werte als Oltner Stadträtin umsetzen.

17 Fragen: Ja oder Nein?

Persönliches

Glauben Sie an Gott oder eine sonstige höhere Macht? Ja, an eine höhere Macht.
Zahlen Sie Kirchensteuern? Ja.
Spenden Sie regelmässig für wohltätige Organisationen? Ja, ich bin grosszügig.
Rauchen Sie oder haben Sie früher geraucht? Ja, aber das war vor Jahren.
Trinken Sie Alkohol? Ganz selten, zu Weihnachten oder am Geburtstag trinke ich ein Cüpli.
Lesen Sie Bücher? Ja. Unmengen, querbeet durch alle Genres.
Kaufen Sie Bio-Lebensmittel ein? Ja, viele.
Haben Sie Haustiere? Nein.
Kaufen Sie ab und zu Waren online ein? Nein.
Gehen Sie regelmässig ins Ausland einkaufen? Nein.

Politisches

Braucht es eine neue Stadtteilverbindung Hammer ins Quartier Olten SüdWest? Ja, die Frage ist aber, wann.
Muss die Stadt Olten den Steuerfuss für natürliche Personen von bisher 108 Prozent erhöhen? Nein.
Soll die Stadtkirche für die Renovation einen Beitrag der Stadt erhalten? Ja, 500 000 Franken sind ein guter Beitrag zum Stadtbild.
Ist die Parkplatzsituation in Olten zufriedenstellend? Es hat genug Parkplätze, wenn man weiss, wo sie sind. Es braucht daher ein Parkleitsystem.
Müsste die Winkelunterführung von Grund auf neu geplant werden? Ja, das geht aber leider nicht wegen Eigentümer.
Soll die Stadt Olten mit umliegenden Gemeinden fusionieren? Nein, das ist momentan nicht dringend.
Sollen Tagesstrukturen wie Mittagstische oder Aufgabenhilfe flächendeckend in ganz Olten eingeführt werden? Aber ja doch.

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