Winterthur
Mitten in der Stadt golfen - ohne einzulochen

In Winterthur wurde der schweizweit erste fix installierte Urban-Golf-Parcours eröffnet. Dafür musste zu Beginn viel Überzeugungsarbeit geleistet werden.

Anna Berger
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Initiator Didi Keller beim Abschlag in Winterthur.

Initiator Didi Keller beim Abschlag in Winterthur.

LAB

Der Vorteil an Urban Golf ist eigentlich, dass er überall gespielt werden kann. Abseits von Golfplätzen versenken die Spieler der Trendsportart ihre Bälle wahlweise in Abfalleimern, Brunnen oder einem Einkaufswagen. Als Ausrüstung reicht ein Golfschläger und ein Ball.

Eine Bewilligung sollte trotzdem immer eingeholt werden, findet Didi Keller, Präsident des Dachverbands Swiss X-Golf Association. Denn die allenfalls verärgerten Liegenschaftsbesitzer seien keine gute Werbung für die Sportart.

Umso mehr freut sich Keller nun über den ersten fix installierten Urban-Golf-Parcours der Schweiz, der am Donnerstag in Winterthur eröffnet wurde. «Meiner Meinung nach sogar der erste solche Outdoor-Parcours der Welt», sagt der 36-Jährige. Für die Szene sei dies ein Meilenstein.

Orange Graffiti

Die neun Urban-Golf-Bahnen ziehen sich einmal rund um den Rosenberg. Geschätzte Spielzeit: 120 Minuten. Gestartet wird auf dem Lagerplatz, denn im Skills-Park kann man sich für zwölf Franken Golfschläger und Bälle sowie ein sogenanntes Bürsteli als Abschlaghilfe mieten. Bedingung zur Benützung der Route ist das allerdings nicht. Danach marschiert man zu den jeweiligen Abschlagpunkten, die, wie auch die Ziele, durch orange Graffiti gekennzeichnet sind.

Wie im Urban Golf üblich, wird nicht eingelocht, sondern auf Objekte gezielt, etwa auf einen alten, rostigen Wagen (in der Halle 142), einen Brunnen (Büelrain-Fussballplatz) oder auf einen markierten Baum (unter anderem beim Reitwegplatz). Trifft man sogar in den Brunnen oder den Abfalleimer hinein, darf in der Wertung ein Schlag abgezogen werden.

Das Pilotprojekt ist auf zwei Jahre ausgelegt und wurde vom House of Winterthur und von Keller initiiert. «Es hat noch Ausbaupotenzial», sagt Markus Gilgen, Vizedirektor des House of Winterthur. Wenn alles gut laufe, soll die Route bereits in zwei Jahren auf 18 Bahnen erweitert werden. Interessenten, die ihre Liegenschaften zur Verfügung stellen wollen, gebe es mittlerweile viele.

Das war nicht immer so. Anfangs musste Keller Überzeugungsarbeit leisten. Dabei griff er zu einem wirkungsvollen Mittel: Er ging mit den Verantwortlichen der Stadtpolizei, Stadtgrün und den privaten Grundstückbesitzern kurzerhand im Sulzer-Areal golfen. «Das bringt erfahrungsgemäss mehr als eine E-Mail.»

Man habe auch selber mehrfach versucht, mit dem Weichgummiball eine Fensterscheibe zu zerschlagen – ohne Erfolg, erzählte Hannes Tschudin, Abteilungsleiter der Sportförderung, an der Eröffnung der Route im Skills-Park am Donnerstag. Trotzdem hoffen alle Beteiligten, dass sich die Benutzer der neuen Route an das Credo der Urban Golfer halten: «Spielen mit Respekt vor der Natur und den Passanten.» Falls doch etwas passieren sollte, gilt wie bei jeder Sportart: Der Teilnehmer haftet selbst.

Samuel Steiner, Winterthurer und amtierender Schweizer Meister im Urban Golf, holte an der Eröffnung zum offiziellen ersten Schlag aus. Er machte seinem Titel alle Ehre und traf mit nur zwei Schlägen das Ziel der ersten Route.

«Für mich ist der Parcours zu einfach», sagte Steiner lachend. Trainieren wird er deshalb weiterhin an selber ausgesuchten Orten, etwa beim Swisscom-Tower. Und diese Woche besonders intensiv. Denn am Wochenende muss der 31-Jährige seinen Titel in Winterthur verteidigen. In der Halle 710 in Neuhegi findet dann die diesjährige Schweizer Meisterschaft statt.

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