Balsthal
Mit Schwimmflügeli durch die Schnitzelbankwogen

Einen ersten Akzent am Schnitzlbank-Obe im Kultursaal Haulismatt setze am Freitagabend das Duo Bigudii aus Brittnau, welches bewehrt mit Schwimmflügeli auf die Bühne trat.

Erwin von Arb
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Die Oldie Girls sind für einen Leinenzwang - zum Wohl von Stefan Berger

Die Oldie Girls sind für einen Leinenzwang - zum Wohl von Stefan Berger

Erwin von Arb

In Anlehnungen auf das jüngst auf Grund gelaufene Kreuzfahrtschiff Costa Concordia fragten die beiden sicherheitshalber nach, ob die gleichnamige Gastgeberin, die Konkordia Balsthal, denn auch über genügend Rettungsboote verfüge. Glücklicherweise musste an diesem Abend niemand gerettet werden, zu brav waren die vorgetragenen Schnitzelbänke. Der Stimmung tat dies allerdings keinen Abbruch.
Für einen ersten Höhepunkt sorgten die Oldie Girls, welche das Publikum mit in gängige Melodien verpackten Versen aus der Reserve holte. Bei den einmal mehr toll besungenen Themen wurde unter anderen der nicht enden wollende Ausverkauf von Hugo Meyers Haushaltsladen auf die Schippe genommen. Auch die Höckeler bekamen im wahrsten Sinn des Wortes ihr Fett weg. In Bezug auf deren 20-Jahr-Jubiläum bemerkten die Frauen bitterböse: «Schon zänzg Johr diei Si höckele, mir stelle fescht, oh wie gemein, abgnoh het vo dene kein». Süffisant erzählt wurde ferner die Geschichte von Oberamtsvorsteher Stefan Berger, der nach dem Besuch eines Kollegen im Spital in Aarau dort gleich selbst als Patient landete. Der Übeltäter, ein harmlos aussehender Hund, hat in Bergers Unterarm ein unverkennbares Souvenir hinterlassen.
Diese Bissattacke wurde auch von den Macarenas aufgegriffen, wobei diese Truppe gewisse Sympathien für den Hund durchblitzen liess. Allfälligen SVP-Wählern führten sie zudem die «Dummheit» vor Augen, mit welcher die Partei insbesondre in Bundesbern agiert. Auch das vom Bundesrat ausgewählte Kampfflugzeug Gripen wurde mit hämischen Versen kommentiert.
Für unterhaltsame Farbtupfer sorgte die Diudäppeli-Clique, die als Barbapapa-Familie auftrat. Frühenglisch in den Schulen und die Windenergie im Thal wurden neben anderen Themen in Wort und Tanz umgesetzt. Tänzerisch glänzten auch die Aphornixen, die sich das Telefon als Sujet ausgesucht hatten.
Nicht auf der langen Leitung stand das Waggis-Duo «Arsch mit Ohren» aus Allschwil. Treffsicher und dennoch fast ein wenig liebevoll verteilte es Ohrfeigen an die einheimischen Schnitzelbankgruppen und das Dorf, welches es kurzerhand in Baustell umbenannte.
Etwas aus dem Rahmen fielen einmal mehr die Chnuppesager, die eine Hommage auf die Säulischränzer im Jahr 1982 darboten. Die schräge Parodie wirkte äusserst spontan und hatte einen hohen Unterhaltungswert. Ob dies vom gesamten Publikum ebenso empfunden wurde, konnte allerdings nicht schlüssig festgestellt werden. Wohltuend war beim Auftritt der Chnuppesager vor allem, dass sie nicht stetig gebannt ihre Texte nachlesen mussten und dafür im Gegenzug näher beim Publikum waren.
Der absolute Knaller des Abends war aber unbestritten die Steelband Kanofetti aus Mümliswil. Die eingespielte Formation aus dem Guldental verwandelte den Saal mit Hits von Abba, den Beach Boys sowie bekannten Melodien aus der Flower-Power-Zeit in einen wahren Hexenkessel. Das gesamte Publikum war auf den Beinen und produzierte zwischen den Tischreihen unzählige Polonaisen. Das Suchtpotenzial war offenbar so gross, dass die Zeit wie im Flug verging. Und wie einst bei Gottschalks «Wetten dass...?» bedeutete das eine massive Überschreitung der «Sendezeit». Dem Publikum was egal, es liess die Guldentaler nur ungern gehen.