Kunst
Mit scharfem Blick und weichem Stift

In der Freitagsgalerie, Solothurn, sind zeichnerische Arbeiten von Iris Baier-Köppl zu bestaunen.

Eva Buhrfeind
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Die zeichnerische Meisterschaft der Iris Baier-Köppl.

Die zeichnerische Meisterschaft der Iris Baier-Köppl.

hanspeter baertschi

Auf den ersten flüchtigen Blick denkt man an Schwarzweiss-Fotografien. So genau, ja minuziös ist die Detailgenauigkeit, die räumliche Tiefenwirkung, die plastische Wirkung aus der raffinierten Komposition von schwarzen, grauen und weissen feinsten Strichen. Beim genaueren Betrachten dann erkennt man die Zeichnung, gesättigt in den Nuancen und akribischen formalen, sich zur realistischen Natur und zu realen Figurationen fügenden Schraffierungen.

Iris Baier-Köppl zeigt mit ihren Buntstift-Arbeiten auf Papier eine eindrückliche, beinahe wissenschaftliche Beobachtungsgabe für die Feinheiten einer mannigfaltigen Natur, für räumliche Effekte, erzählerische Momente und verdichtete Impressionen: Eine Flussaue mit den Spiegelungen der Bäume, die mit der Natur verwachsen scheinen und vertraute Eindrücke beschreiben; eine den Betrachtenden entgegenwuchernde Parklandschaft, bis man meint, man könnte in diese detailliert gezeichneten Blattstrukturen greifen.

Mehr als das Fotografierte

Die Natur überhaupt als bestaunenswerte Ereignisse, die sie mit dem Buntstift und der daraus entstehenden schwarz-weissen Farbigkeit in eine zeitlose Realität verwandelt, dabei mehr zeigt als nur das Fotografierte und Gesehene, sondern auch das Stimmungsvolle hinter der naturalistischen Genauigkeit. Auch bei der beinahe exotischen Üppigkeit des Spiegelsaals in Versailles wie auch beim Dekorreichtum des Topkapi-Palastes in Istanbul.

Diesen architektonischen Spezialitäten begegnet Iris Baier-Köppl mit scharfem Blick und weichem Stift. Die ornamental-orientalischen Verzierungen und die Grosszügigkeit des Istanbuler Palastes wie die Opulenz des Versailler Schlosses mit den Reflexionen der Besucher in den Spiegeln als Bild im Bild interpretiert die Künstlerin als einen Moment der Zeitgeschichte, als zeichnerische Aufnahmen für ein Erinnerungsalbum.

Auch figürliche Szenen

Die zeichnerische Stärke der 1978 im hessischen Seeheim-Jugenheim geborenen und im Münchner Umland aufgewachsenen Iris Baier-Köppl zeigt sich insbesondere im Vergleich mit Badenden («Bondy Beach I») oder der Sängerin («Lesly Clio im Kofmehl»), liegt sie doch vor allem bei Naturdarstellungen und deren zeichnerischen Umsetzung. Während die figürlichen Szenen wie statische Momentaufnahmen wirken, findet die Künstlerin in der Natur zu jener lebendigen, ja einprägsamen Ausdruckskraft, mit der die studierte Forstwissenschaftlerin, die seit 2007 mit ihrer Familie in Solothurn lebt, die Magie der kleinen Dinge in der Gesamtheit der Natur sichtbar macht.