Aarwangen
Mit klaren Verhältnissen gegen den Schleichverkehr in Aarwangen

Der Widerstand gegen das Bauvorhaben des deutschen Discounters Aldi im Industriequartier hält an. Die Gegner befürchten, dass die angegebene Baugrösse nicht der Wirklichkeit entspricht.

Jürg Rettenmund
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Rudolf Oppliger befürchtet trotz Fahrverbot Schleichverkehr von Aldi-Kunden auf seiner Industriezufahrt.

Rudolf Oppliger befürchtet trotz Fahrverbot Schleichverkehr von Aldi-Kunden auf seiner Industriezufahrt.

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Rudolf Oppliger beugt sich über die Pläne für den neuen Aldi im Industriequartier von Aarwangen. «Damit der deutsche Discounter dort keine Überbauungsordnung mehr benötigt, bedient er sich eines Tricks», hält er fest und fährt mit seinem Zeigefinger auf eine Zahl: 496,32 Quadratmeter.

So gross ist die Ladenfläche angeben. «In Wirklichkeit wird der Laden jedoch 575 Quadratmeter gross.» Er liegt damit über den 500 Quadratmetern, die als Grenze gelten, damit es keine Überbauungsordnung braucht.

«Aldi hat nämlich schlicht und einfach die Kassen- und Packzone sowie den Ein- und Ausgangsbereich separat ausgewiesen und nicht zur Ladenfläche gerechnet.» Zudem hat Rudolf Oppliger einen weiteren Verdacht: Die Ladenwände im Innern des Gebäudes sind nur so leicht konstruiert, dass sie dereinst ohne Problem wieder entfernt werden können. «So wird es ein Leichtes sein, den Laden wieder auf 1000 Quadratmeter zu vergrössern» – das Standardmass der Aldi-Läden in der Schweiz.

«Berner Geschichte»

Pressesprecher Sven Bradke will gar nicht bestreiten, dass Aldi in Aarwangen lieber einen 1000-Quadratmeter-Laden bauen würde. Doch weil der Kanton Bern für «Einkaufszentren» mit mehr als 500 Quadratmetern Fläche eine bestimmte Anbindung an den öffentlichen Verkehr verlange, habe der Discounter sein Konzept für Standorte angepasst, wo diese Vorschrift nicht eingehalten werde.

«Das Angebot im Laden ist überall das gleiche, statt eines ganzen Paletts steht im kleineren aber nur ein halbes im Laden», erklärt Bradke das Prinzip. Das führe dazu, dass man mehr Lager brauche. Dass man die Aufteilung möglichst provisorisch baue, sei die logische Folge der Vorschriften.

Dabei gehe es jedoch nicht darum, die Wände bei Bedarf zu entfernen und so die ursprüngliche Auflage zu umgehen. «Es ist aber denkbar, dass die ‹Berner Geschichte› einmal zugunsten der Regelung in der übrigen Schweiz aufgegeben wird. Dann wollen wir möglichst rasch handeln können.» Immerhin verursache die Bewirtschaftung des kleineren Ladens höhere Kosten. Was im Übrigen die Berechnung der massgebenden Ladenfläche betreffe, halte sich Aldi an die kantonale Usanz.

«Das ist nicht zweckmässig»

Offene Fragen hat Rudolf Oppliger jedoch nicht nur zur Ladenfläche, sondern auch zur Verkehrserschliessung der Parzelle zwischen der Industriestrasse und der Langenthalstrasse. Die Industriestrasse führt in einem weiten Bogen durch das neu erschlossene Industriegebiet von der Einmündung bei der Coop-Tankstelle bis zum neuen Aldi.

Um die Einspurverhältnisse zu verbessern, ist bei der Einmündung ein Kreisel geplant. «Andere Einmündungen wurden im Hinblick darauf bereits seit Jahren systematisch eingeschränkt», hält Oppliger fest. «Nun soll ausgerechnet für Aldi eine Zufahrt von der Langenthalstrasse her geschaffen werden», empört sich der Einsprecher: «Das ist nicht zweckmässig!»

Oppliger, der mit seiner Rukop AG den ehemaligen Arlan-Gebäudekomplex besitzt und verwaltet, befürchtet direkte Auswirkungen auf seine Liegenschaft. «Wenn die Zufahrt zum Aldi nicht klar geregelt ist, wird sich der Schleichverkehr nicht nur einen Weg über die Bützbergstrasse suchen.

Weil die Ausfahrt in die Langenthalstrasse dort nicht optimal ist, werden die Fahrzeuglenker dort über die grosszügige Industriezufahrt entlang des Arlan-Komplexes ausweichen.» Das Fahrverbot werde nicht beachtet, fürchtet Rudolf Oppliger.

Aus einem anderen Grund noch ist eine Klärung der Verkehrsverhältnisse rund um den geplanten Aldi für Rudolf Oppliger wichtig: Vor einem Jahr baute die Gemeinde eine Fortsetzung des Radweges von den Schulanlagen in der Sonnhalde Richtung Langenthal.

Sie führt von der Haldenstrasse bis in die Bützbergstrasse. Von dort ist die weitere Streckenführung jedoch bis zur Langenthalstrasse offen, nachdem ein Landerwerb an den unterschiedlichen Preisvorstellungen von Gemeinde und Eigentümer gescheitert war (az Langenthaler Tagblatt berichtete). Auf jeden Fall wird der Radweg jedoch der Aldi-Parzelle entlang führen. Dort sind Konfliktstellen vorprogrammiert, die Rudolf Oppliger im Verkehrsbericht aufgezeigt haben möchte, bevor er zum Projekt definitiv Stellung nehmen muss.

Widersprüche rund um Bericht

Der Verkehrsbericht liege vor und sei auch dem Kanton eingereicht worden, sagt dazu Aldi-Sprecher Sven Bradke. Er sei jedoch den aufgelegten Akten in der Gemeinde nicht beigelegen. Den Baugesuchsakten sei er jedenfalls nicht beigelegen, sagt Barbara Lüscher, Mediensprecherin des dafür zuständigen Regierungsstatthalteramtes Oberaargau.

Wie dem auch sei: Aufgrund der vorhandenen Unterlagen sieht sich auch die Einwohnergemeinde Aarwangen noch nicht in der Lage, das Baugesuch und insbesondere seine Auswirkungen auf den Verkehr zu beurteilen, erklärt Bauverwalter Stefan Janzi. Sie habe deshalb ihren Fachbericht noch nicht verfasst.

Mit seinem Widerstand gegen den neuen Aldi ist Rudolf Oppliger jedenfalls nicht allein, wie Barbara Lüscher erklärt: Von einer ersten Auflage her sind noch fünf Einsprachen hängig. Vor einem Monat legte das Statthalteramt die leicht veränderten Pläne noch einmal auf. Danach sind weitere fünf Einsprachen hinzugekommen.