Langenthal
Mit Herz dabei

Eine regionale Herzgruppe unterstützt ehemaligen Patienten mit Herzkrankheiten und hilft ihnen ihren Lebensstil zu ändern - und so ihr Leben zu verlängern.

Brigitte Meier
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az Langenthaler Tagblatt

Die Herzgruppe Oberaargau besteht seit drei Jahren. Sie wurde von den Fachärzten Patrick Hilti und Leonardo Zanchin initiert und richtet sich an Patienten, die an einer kardialen Rehabilitation teilgenommen haben.

«Nach einem Herzinfarkt, einer Herzoperation oder einem Eingriff an der Herzkranzarterie ist es entscheidend, den Lebensstil zu verändern», sagte Kardiologe Leonardo Zanchin gegenüber dem az Langenthaler Tagblatt. Damit diese Anpassung dauerhaft realisiert werden kann, ist eine kompetente Begleitung hilfreich.

Anfänglich sind ehemalige Herzpatienten motiviert und hören oft nach einem Jahr wieder auf. Genau dort setzt die Herzgruppe an und bietet Betroffenen die entsprechende Unterstützung. «Dadurch lässt sich auch die Rückfallrate senken und der Erfolg soll die Teilnehmer gegenseitig motivieren», erläuterte der Arzt.

Angebot der Herzgruppe

Auf dem Programm stehen Gymnastik, Kraftübungen, Spiel, Ausdauer und Entspannungsübungen. Der Kurs findet einmal wöchentlich im Dancecenter Klaus Stauffer statt und wird von erfahrenen Physiotherapeutinnen betreut.

Das Programm ist ohne jeden Leistungsdruck auf die jeweilige Person und ihre Leistungsfähigkeit zugeschnitten. Wertvoll ist auch der Erfahrungsaustausch durch geselliges Zusammensein, gelegentliche Wanderungen und Ausflüge.

Tipps vom Kardiologen

Speziell für Mitglieder der Herzgruppe und ihre Partner informierte Leonardo Zanchin zum Thema «Aktiv und gesund bis ins hohe Alter». In seinem Vortrag in der Alten Mühle betonte er, dass der Ernährung neben der körperlichen Betätigung eine grosse Bedeutung zukomme. «Wieso ist die mediterrane Ernährung so gesund oder was können wir dem Fischer auf Kreta abschauen?», fragte der Kardiologe.

Im Unterschied zur Oberaargauer Ernährung bestehe die Mittelmeerküche aus einem geringen Anteil an tierischen Fetten (mit Ausnahme von Fisch), vielen Früchten, Gemüse und Cerealien. In Griechenland beträgt der tägliche Anteil Olivenöl 60 Gramm. Die ungesättigten Fettsäuren haben einen günstigen Einfluss auf das Cholesterin. «Aus medizinischer Sicht muss das Olivenöl weder kaltgepresst noch extra vergine sein», erklärte der Arzt und nannte das hitzebeständige Rapsöl als Alternative zum Olivenöl.

Ein Risikofaktor für Herzkrankheiten ist das Übergewicht. Das beginnt bereits früh. Heute sind 10 bis 20% der Jugendlichen übergewichtig. Der Arzt warnte vor Extrem-Diäten und empfahl auch hier, den Lebensstil zu verändern.

«Die Menge macht das Gift»

Aufgrund verschiedener Beobachtungen wirken sich moderate Mengen von Rotwein positiv auf die Blutfettwerte aus. Sie heben das gefässschützende HDL-Cholesterin an und senken gleichzeitig das schädliche LDL-Cholesterin. Während für die Weissweinherstellung nur der Traubensaft verwendet wird, wird Rotwein mitsamt der Schale vergoren. «Diese enthält aufgrund ihrer Farbstoffe einen grossen Anteil an Antioxidantien. Diese Substanzen sind auch in Äpfeln, vor allem in der Schale enthalten. Regelmässiger Apfelkonsum senkt das Krebsrisiko», sagte Zanchin.

Gemäss einer Langzeitstudie stehe Kaffee nicht im Zusammenhang mit einem erhöhten Risiko einer koronaren Herzkrankheit. Allerdings hebt vor allem starker türkischer oder Kapselkaffee das Cholesterin an. «Weniger macht Instantpulver oder der Filterkaffee. Einige erinnern sich vielleicht an den guten alten Melittafilter», sagte Zanchin und hatte abschliessend eine gute Nachricht für Liebhaber von Süssigkeiten: «Dunkle Schokolade senkt das Risiko von Schlaganfällen und Herzinfarkten. Grund ist der blutdrucksenkende Kakaoanteil. Aber wie schon Paracelsus wusste: ‹Die Menge macht das Gift›».

Kontakt Herzgruppe: Telefon 062 916 31 42 oder kardiologie-langenthal@hin.ch