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Mit bunten Wandmotiven: SBB peppen ihre WCs auf

Die SBB verziert ihre Regionalzug-WCs mit bunten Wandmotiven. Zudem rüstet sie die Toiletten mit Putzmittel für WC-Brillen aus und investiert in rollende Kläranlagen.

Heinz Zürcher
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Wenn man sie braucht, ist sie garantiert besetzt, ausser Betrieb oder verdreckt: Diese geläufige Meinung über die Zugtoiletten lässt sich mit Zahlen jedoch nicht belegen. Die Verfügbarkeit der 2716 SBB-WCs liegt bei 98 Prozent. Jeden Tag werden sie mindestens ein Mal gereinigt und mehrmals kontrolliert. Und drei von vier Defekten werden innert Tagesfrist behoben.

Dass die Zug-WCs dennoch einen schlechten Ruf haben, liegt laut SBB nicht zuletzt an der Wahrnehmung der Passagiere. Um diese zu verbessern, hat die Bahn vor drei Jahren das Projekt «WC Welten» lanciert. Dabei wurden in den Fernverkehrszügen die Toilettenwände mit Folien beklebt: mit den Motiven Wald, Bergpanorama, Bad und Himmel. «Die Kundenzufriedenheit ist dadurch gestiegen», sagt SBB-Regionenleiter Werner Schurter.

Er führte gestern durch die Service-Halle in Zürich Herdern, wo nun auch die Toiletten im Regionalverkehr umgestaltet werden. Für die 545 WCs gibt es die Sujets Aquarium, Wolken und Baum. Da die behindertengerechten Anlagen der Regionalflotte grösser sind, wurde aus Kostengründen auf eine komplette Tapezierung verzichtet. Das Projekt «WC Welten light» soll bis Oktober abgeschlossen sein.

Mit Minirock WC verstopft

Die drei Motive hat die SBB im Rahmen eines Pilotversuchs getestet. Zu den Kosten hat SBB-Sprecher Reto Schärli keine Zahlen. «Jedenfalls ist es ein geringer Betrag mit grosser Wirkung.» Positiv auswirken soll sich das neue Erscheinungsbild aber nicht nur auf die Wahrnehmung der Toilettenbenutzer, sondern auch auf deren Hygienebewusstsein. Bis Ende Jahr wird jede Toilette mit einem Putzmittel-Spender ausgerüstet. Auf WC-Papier gesprüht, lässt sich damit die Klobrille reinigen.

Hauptursache für Störungen sind nicht technische Probleme, sondern verstopfte WCs. In solchen Fällen versucht die Toilette, sich selbst zu entstopfen. Gelingt dies nicht, setzt sie sich automatisch ausser Betrieb und ist erst wieder verfügbar, wenn sie beim nächsten Unterhalt mit einer Entsorgungsanlage entstopft wird. «Strumpfhosen, Handschuhe, Miniröcke - wir haben schon alles Mögliche rausgesaugt», sagt Sebastian Lutz, Produktionsleiter Reinigung bei der SBB.
Egal, welcher Gegenstand im WC landet, auf die Schiene gelangt er heute nicht mehr. Das gilt zumindest für den Grossraum Zürich. Die 280 SBB-Plumpsklos sind seit Anfang Jahr nicht mehr in der Region im Einsatz. 1060 Toiletten sind mit einem geschlossenen Fäkalientank ausgerüstet, der alle zwei bis drei Tage geleert wird. Geringer ist der Aufwand für die 1375 Bioreaktoren. Bei diesen rollenden Kläranlagen wird eine Leerung alle zwei bis drei Monate fällig. Die SBB will die Zahl der Bioreaktoren laufend erhöhen. Die Anlagen sind allerdings nicht ganz billig. Für die Instandhaltung der geschlossenen WC-Systeme fallen jährlich 10 Millionen Franken an.