Langenthal
Mieses Jahr für die städtische Pensionskasse

Was ist los mit Langenthals Pensionskasse? Diese Frage stellt sich beim Blick in Rechnung und Bilanz des letzten Jahres. Was besonders auffällt, ist die negative Entwicklung beim Deckungsgrad. Betrug dieser Wert Ende 2010 noch 102,3%, so fiel er im Jahr 2011 auf 92,6%.

Urs Byland
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Die Pensionskasse der Stadt Langenthal wurde im letzten Jahr arg gebeutelt. Felix Gerber

Die Pensionskasse der Stadt Langenthal wurde im letzten Jahr arg gebeutelt. Felix Gerber

Innert einem Jahr entstand aus einer Überdeckung in der Bilanz von beinahe 4 Millionen Franken eine Unterdeckung von nicht ganz 13,5 Millionen Franken. Würde die Talfahrt in diesem Tempo weitergehen, wäre die Pensionskasse der Stadt Langenthal in kürzester Frist ein Sanierungsfall. Ebenso bedrohlich erscheint die Situation, betrachtet man die Wertschwankungsreserven. Denn diese sind gleich Null. Als Zielgrösse der Wertschwankungsreserven wird eine Summe angegeben, die im Fall der Pensionskasse der Stadt Langenthal bei 23,5% des Vorsorgekapitals liegt. Das wären unglaubliche 42,6 Millionen Franken.

«Im letzten Jahr haben sich die negativen Posten kumuliert», erklärt auf Anfrage Langenthals Finanzverwalter Mark Bucher, der die Geschicke der Pensionskasse natürlich auch mitverfolgt. Mehrere Gründe waren massgebend für den Einbruch. So erbrachte das Vermögen einen ungenügenden Ertrag. Der Blick in die einzelnen Posten zeigt eine positive Entwicklung bei den Obligationen, aber eine miese Entwicklung bei den Aktien. Hier lag der Ertrag wegen (nicht realisierten) Kursverlusten bei einem Minus von 4,2 Millionen Franken. Bei den Immobilien blieben die Werte im Total gleich, wobei Inland sich gut entwickelte und Ausland schlecht. Auch bei den alternativen Anlagen resultierte das Minus von einer halben Million Franken wegen den Kursverlusten. Insgesamt fehlen bei den Vermögenserträgen zirka 6 bis 7 Millionen Franken, ausgehend davon, dass die Vermögen eine Rendite von 3.5 bis 4% abwerfen sollten.

Ein weiterer Grund ist finanztechnischer Natur. Per 31. Dezember 2011 erfolgte eine Umstellung der technischen Grundlagen und gleichzeitig wurde der technische Zinssatz von 4 auf 3,5% gesenkt. Nun muss ein höheres Kapital vorhanden sein, damit bei gesunkenem Zinssatz künftig noch die gleichen Leistungen ausbezahlt werden können. Dies ergab eine zusätzliche finanzielle Belastung der Pensionskasse von 4,5 Millionen Franken. Diese nicht ganz einfach zu bewerkstelligende Senkung des Zinssatzes sei nicht jedes Jahr zu erwarten, so der Finanzverwalter. Aber gerade in diesem Punkt regt sich die Politik. So mahnte Stadtrat Markus Gfeller an der letzten Sitzung, sich dringendst eine weitere Senkung des Zinssatzes zu
überlegen.

Ein nicht unwesentlicher Grund ist die gestiegene Lebenserwartung. Die versicherungstechnischen Risiken wurden ebenfalls neu bewertet und in der Rechnung berücksichtigt. Das hat den Deckungsgrad im 2011 zusätzlich stark belastet.

Massnahmen werden diskutiert

Ordnet man den negativen Posten Prozentzahlen zu, so sei laut Bucher grosso modo die technische Umstellung mit 30% am Deckungsgradverlust verantwortlich. Ebenso mit zirka 30% schlugen die jährlich vom versicherungstechnischen Experten vorzunehmenden Neuberechnungen bei den Vorsorgekapitalien zu Buche, was aber Zufall ist. Im 2010 konnten in diesem Bereich positive Bewertungsanpassungen vorgenommen werden. Mit 40% sind die fehlenden Vermögenserträge die Hauptquelle, welche zur Reduktion des Deckungsgrades führten. Die Pensionskassenkommission (PKK) unter der Leitung von Gemeinderat Jürg Häusler ist gefordert, die Unterdeckung aufzulösen. «Es bräuchte ein sehr gutes Börsenjahr», sagt Bucher. Diese zeigt sich laut Häusler wieder positiver. Dennoch lässt die PKK ihre Experten rechnen, will man doch an der nächsten Sitzung allfällige Massnahmen diskutieren.