Vernissage
Michael Stauffer: «Lydia Eymann war ein sehr freier Mensch»

Im Hotel Bären wurde die Doppel-CD «Lydia Eymann» dem Publikum vorgestellt. Gut 100 Personen nahmen an dem Event teil, sie alle wollten mehr erfahren zur Fotografin, bildenden Künstlerin und Schriftstellerin Lydia Eymann.

Urs Byland
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Martin Stauffer begrüsst das Publikum zum Lydia-Eymann-Anlass.

Martin Stauffer begrüsst das Publikum zum Lydia-Eymann-Anlass.

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Wie hält eine Stiftung die Erinnerung an ihre Gründerin hoch? Diese Frage habe sich auch der Stiftungsrat der Stiftung Lydia Eymann gestellt, erklärt Präsident Martin Stauffer dem Publikum. Und hätte sich die Stiftung nicht rechtzeitig dieser Frage gestellt, «dann hätten wir fast etwas verloren».

Gut 100 Personen haben sich am 1. März, auf den Tag genau 40 Jahre nach dem Tod von Lydia Eymann, im Barocksaal eingefunden. Sie wollen etwas erfahren zur Person Lydia Eymann, die sich als Fotografin, bildende Künstlerin und Schriftstellerin betätigte.

Die Tochter des früheren «Bären»-Wirtepaars Friedrich Robert Eymann und Anna Maria Sommer liess mit ihrem Geld eine Stiftung gründen. Ursprünglich sollte die Stiftung das gestiftete Vermögen verwalten und die Bibliothek mit 5000 Bänden fachgerecht betreuen. Heute unterstützt die Stiftung Schriftstellerinnen und Schriftsteller mit Kost und Logis für ein Jahr Schaffen in Langenthal.

Nicht vergessen gehen

Im Hotel Bären steht an diesem Abend die Doppel-CD «Lydia Eymann» im Vordergrund. «Für mich ist die CD zu einem Zeitfragment geworden», wird Martin Stauffer am Ende des Anlasses sagen. Die CD enthält zwei Hörspiele, einerseits das «Porträt von LE», wie sie sich nannte, andererseits die «Kriminalgeschichte», aus der Feder von Lydia Eymann. Vor drei Jahren, berichtet Stiftungsrätin Annette Geissbühler, habe sie mit Ratskollege Roland Binz Kontakt mit dem als Hörspielproduzent bekannten Autor Rolf Hermann Kontakt aufgenommen.

Er erhielt den Auftrag, zusammen mit Autor Michael Stauffer, ehemaliger Eymann-Stipendiat, ein Porträt von Lydia Eymann zu erarbeiten. Zur Verfügung hatten die beiden das Archiv in Eymanns ehemaligem Haus an der Aarwangenstrasse 55, in dem heute den Stipendiaten eine Wohnung zur Verfügung gestellt wird. Es habe mehrere Gründe für diesen Stiftungsauftrag gegeben, sagt Martin Stauffer. Der Wichtigste aber war, dass kaum noch jemand die Person Lydia Eymann persönlich kenne.

Zeitzeugen berichten

Das Werk, das an Eymanns 40. Todestag vorgestellt wird, bietet auf mehreren Ebenen die Möglichkeit, sich der Person von LE zu nähern. Rolf Hermann und Michael Stauffer führen zusammen mit der aktuellen Stipendiatin Melanie S. Rose, die an diesem Abend letztmals in Langenthal im Rahmen ihres Stipendiums auftritt, Teile der beiden Hörspiele live auf. Das Hörspiel, das Eymann porträtiert, ist eine Mischung von Texten Eymanns und Aussagen von drei Zeitzeugen.

Zwei von ihnen, Eymanns Nichte Marga Dürst-Vogelsang und Eymanns Grossnichte Anna Stuby sind anwesend. Die dritte Zeitzeugin, Sylvia Klingler, ist aus gesundheitlichen Gründen abwesend, hätte aber gerne am Anlass teilgenommen, wie der Stiftungspräsident in seiner Eröffnungsrede berichtet.

Das verarbeitete Material zeige eine eigenständige und unabhängige Persönlichkeit, sagt Michael Stauffer. «Das ist auch heute sehr selten. Sie war deshalb vielleicht auch ein sehr freier Mensch.» Die auf eine Leinwand im Saal projektierten Bilder Eymanns unterstreichen diese Meinung.

Zu sehen ist eine Frau, die sich nicht um Kleidung und Aussehen kümmerte, die Tätigkeiten ausübte, die eher Männern als Frauen zugemutet werden. Zudem rauchte sie und fuhr Auto, was damals Frauen nicht einfach zugestanden wurde und sie setzte sich politisch gegen Ungerechtigkeiten und für Umweltschutz ein. Sei es mit Texten im Langenthaler Tagblatt oder mit persönlicher Tatkraft.

Eigene Interpretationen

Das Trio, das das Hörspiel live spricht, hält mit eigenen Interpretationen zur Person von Lydia Eymann nicht zurück. So kommt beispielsweise Eymanns Text zur allumfassenden Vogel- und Entenliebe auf der CD relativ sachlich daher. Live gesprochen spürt man, dass diese Entenliebe den Mitmenschen auch auf den Nerv gehen konnte.

Das Publikum erfährt aber auch, wie aktuell das Wirken dieses Langenthaler Originals ist. Rolf Hermann streicht dabei Eymanns Themen wie Gleichberechtigung und eben Umweltschutz hervor. Er habe ihre vielen Kolumnen gelesen. «Die könnte man heute ebenso gut veröffentlichen, und sie würden mit dem gleichen Interesse wie damals gelesen», sagt Hermann überzeugt. Sie habe sich damals unbeirrbar für ihre Anliegen eingesetzt und sich von nichts abschrecken lassen.

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