Malerei und Tanz
Meret Steiner hat genug von Solothurn – und zieht nach London

Meret Steiner hat genug von ihrer Heimatstadt. Ein letzter Besuch im Atelier der Zwei-Sparten-Künstlerin kurz bevor sie nach London umzieht

Noëlle Karpf (Text und Bild)
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Zu Besuch im Atelier von Meret Emerentia Steiner
13 Bilder
Viele Bilder von Meret Steiner drehen sich um mystische Themen
Im ganzen Atelier sind bunte Bilder zu sehen
Tanzschrift von modernem Ballet nach Kurt Joos
Das Werk stellt für Meret Steiner das Motiv des Jenseits dar
Mit diesem Werk verarbeitet die Künstlerin das Thema Krieg
Manchmal tanzt die Künstlerin die Motive ihrer Bilder
Hier tanzt Meret Steiner
Die Balletstange, an der Meret Steiner tanzt. Darüber zwei ihrer Bilder.
Auch der Bärenkopf auf dem Kamin ist von Meret Steiner
Hier entstehen neue Werke
Hexenmotive von Meret Steiner in der Küche
Diese Puppe von Meret Steiner stellt eine Fee dar

Zu Besuch im Atelier von Meret Emerentia Steiner

Noëlle Karpf

«Ich will nach London», erzählt Meret Steiner. «Solothurn ist mir zu eng und zu brav.» Die 48-Jährige ist hier aufgewachsen und als freischaffende Künstlerin tätig. Viele Dinge in ihrem Alltag hier gefallen ihr, wie ihre Arbeit in ihrem Atelier in Solothurn. Dort malt sie Bilder.

Die Werke sind im ganzen Atelier aufgehängt, stehen auf Heizungskörpern oder auf Staffeleien. Einige der Malereien will sie hier zurücklassen und nicht mit nach London tragen. Deshalb findet diesen Monat jeden Samstag ein Bilderverkauf im Atelier statt. So wolle sie vor der Reise nach London einen sauberen Abschluss machen.

Dafür wird sie ihre «mobile Tanzschule» in die Hauptstadt Englands mitnehmen. Steiner bietet die Workshops derzeit in ihrem Atelier an. Dort tanzt sie inmitten ihrer Kunstwerke. So sind die beiden Tätigkeiten der Zwei- Sparten-Künstlerin vereint. Ein Tanzstudio zu mieten, das brauche sie nicht. «Die Tanzschule ist einfach da, wo ich bin.»

Zudem hat sie einen Nebenjob als Deutschlehrerin in Zürich. «Jeder Künstler heutzutage hat einen Nebenjob», erklärt die 48-Jährige. Anders könne man in der Branche gar nicht über die Runden kommen.

Deshalb hat sich die Künstlerin auch den Master in Art Management erarbeitet. Das entspreche schlichtweg den Anforderungen des 21. Jahrhunderts. Und sei auf gewisse Art und Weise auch ein Selbstschutz. «So habe ich etwas vorzuweisen.»

Disziplin ist zweitrangig

Malerei und Tanz sind nicht nur in ihrem Atelier, sondern auch in ihrem gesamten Alltag eng verknüpft. Wie bringt sie beides unter einen Hut? «Ich mache mir einfach keinen Stress», sagt die Künstlerin. «Disziplin ist zweitrangig für mich, an erster Stelle kommt die Freude.» Zudem unterstütze die Malerei den Tanz. So male sie manchmal Bilder zu einem Thema, mit dem sie sich für eine Aufführung beschäftige. Das helfe ihr, sich besser mit dem Motiv auseinanderzusetzen.

Oder sie tanze ein Bild. «Ich warte nicht auf Inspiration, ich mache einfach Kunst.» Schliesslich setze sich echte und lebendige Kreativität immer durch. Einem künstlerischen Impuls gehe sie immer sofort nach.

Bereits als Kind habe sie gewusst, dass sie eines Tages Künstlerin werden will. «Schreiben Sie bitte nicht, Tanz sei mein Hobby», erklärt sie. «Tanz ist mein Leben!» Früher schon habe sie getanzt, aber bloss heimlich. Irgendwann dachte sie sich dann: «Schluss damit!»

Gründervater des modernen Tanzes

Die Ausbildung hat sie in Deutschland, in Hannover, absolviert, als Schülerin von Loni Brakel-Harmssen und Eckart Brakel. Die beiden waren Mitglieder der Meisterklasse und des Folkwang Balletts von Prof. Kurt Joos.

Laut Steiner war Joos einer der «Gründerväter des modernen Tanzes in Europa». Für Laien erklärt sie seine Bedeutung in wenigen Sätzen. Für Joos seien die Fragen «wie und wo im Raum» während des Tanzens essenziell gewesen. Er habe versucht, sich selbst, den Tänzer, mit dem umgebenden Raum zu verbinden.

Dabei wich er von den Regeln des klassischen Balletts ab. «Da überbordete und brodelte es», schwärmt die Künstlerin noch jetzt. Das passe zu ihr. «Ich bin eine sehr lebhafte Person», sagt sie. Joos sei aus den Regeln ausgebrochen. Ebenso wie Meret Steiner, die bald aus Solothurn ausbrechen will, um ihrer Leidenschaft in grösserem Stil in einer für sie aufregenderen Stadt nachzugehen.

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