Ratgeber Gesundheit
Mein Mann ist übergewichtig - wie kann er abnehmen?

Mein Mann (63) wiegt bei einer Körpergrösse von 175cm etwas über 100 Kilogramm, damit liegt er gemäss BMI-Index deutlich zu hoch. Aufgrund seines Bürojobs bewegt er sich wenig, auch am Abend oder am Wochenende kann ich ihn nur schlecht für eine Velotour oder ähnliches motivieren. Von Diäten hält er nichts. Er hat schon von einem Magenband gesprochen. Welche anderen (nicht – operativen) Möglichkeiten gibt es? Wie kann ich meinen Mann beim leidigen Abnehmen unterstützen? Ich mache mir Sorgen um seine Gesundheit.

Dr. Fabian Deichsel
Dr. Fabian Deichsel
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Gesundheit Aargau
Dr. Fabian Deichsel Oberarzt Adipositaszentrum, Kantonsspital Baden KSB

Dr. Fabian Deichsel Oberarzt Adipositaszentrum, Kantonsspital Baden KSB

Gesundheit Aargau

Übergewicht ist ein zunehmendes Problem unserer Wohlstandsgesellschaft. In der Schweiz sind 41 Prozent der Erwachsenen übergewichtig (BMI >25 Kg/m2), dies entspricht 2.8 Mio. Schweizerinnen und Schweizern, 10 Prozent davon sind adipös (BMI >30 Kg/m2). Bei den Kindern liegt der Anteil der Übergewichtigen bereits bei 19 Prozent. Folgen des Übergewichts sind unter anderem Bluthochdruck, Diabetes, Gelenkprobleme und das sogenannte Schlaf-Apnoe-Syndrom, das zu nächtlichen Atemaussetzern führt. Um das Übergewicht zu bekämpfen sind zwei Dinge wichtig. Zum einen muss die Kalorienzufuhr durch eine ausgewogene und gesunde Ernährung auf ein gesundes Mass beschränkt werden. Diäten bringen meist nur einen kurzfristigen Erfolg, durch den „JoJo-Effekt“ ist das Gewicht anschliessend häufig höher als am Anfang. Besser ist eine Ernährungsberatung: Diese kann Fehler in der aktuellen Ernährung aufdecken und mit dem Patienten ein nachhaltiges Ernährungskonzept erarbeiten, dass dann nicht nur für wenige Wochen sondern Lebenslang eingehalten werden kann. Zum anderen ist sicher die körperliche Betätigung ein wichtiger Faktor um den Kalorienverbrauch zu steigern. Auch hier gibt es geführte Programme wie z.B. das AdiFit Programm der Physiotherapie im KSB. Ab einem gewissen Übergewicht bringen jedoch diese konservativen Gewichtsreduktionsversuche häufig keinen dauerhaften Erfolg mehr, der Leidensdruck der Patienten wird dadurch immer grösser. Liegt der BMI über 35 Kg/m2 kann man über die Möglichkeit einer Operation nachdenken. Das früher häufig implantierte Magenband hat sich als nicht dauerhaft erfolgreich gezeigt und wird daher kaum noch angeboten. Heute ist sicher der Magenbypass das Verfahren der Wahl: Bei dieser Operation wird zum einen der Magen verkleinert – man kann dadurch weniger essen, zum anderen wir der Dünndarm funktionell verkürzt, was eine geringere Nährstoff- (=Kalorien) Aufnahme zur Folge hat. Aus Studien über mehrere Jahrzehnte wissen wir, dass es sich um ein sicheres Operationsverfahren handelt, welches auch nach Jahren noch gute Ergebnisse bzgl. Gewichtsreduktion zeigt. Als weiterer positiver Effekt können übergewichtsassoziierte Erkrankungen deutlich gebessert, wenn nicht gar geheilt werden. Sowohl die konservative als auch die operative Therapie der Adipositas erfordert die Zusammenarbeit verschiedener Fachspezialisten. Am Adipositaszentrum des Kantonsspitals Baden werden die Patienten über eine Spezialsprechstunde beraten, abgeklärt und schlussendlich einer konservativen oder operativen Behandlung zugeführt.