Mein Job als Skilehrerin

Die Jungjournalistin berichtet über ihre Arbeit mit Kindergärtlern.

SaW Redaktion
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Cazner und Präzer Kindergärtler mit Skilehrerin Daria Faust und Snowli. Foto: HO

Cazner und Präzer Kindergärtler mit Skilehrerin Daria Faust und Snowli. Foto: HO

Schweiz am Wochenende

Von Daria Faust (16 Jahre)
Wer hätte nicht wie ich die Möglichkeit am Schopf gepackt, während einer Woche jeweils am Nachmittag als Skilehrerin zu arbeiten? Der Clou an der Sache: Damit ich Zeit hatte, den Kindergärtlern das Skifahren beizubringen, bekam ich schulfrei! Die Dispens war jedoch an eine Bedingung geknüpft: Ich sollte einen Bericht verfassen über meine Erfahrungen, die ich mit den Kindern im Schnee machte. Was hiermit geschehen ist.
Der Skischulkurs wird von den Kindergärten von Cazis und Sarn auch diesen Winter am Heinzenberg angeboten. Besammlung ist jeweils auf dem Parkplatz. Wir zogen den Kindern die gelbe Weste an, damit wir wussten, wer zu uns gehörte. Dann ging es zur Information und Materialverteilung zu Ernie’s Skischulbüro und Sportgeschäft an der Talstation. Als wir vom Leitungsteam mit dem Sessellift in der Mittelstation ankamen, fuhren dort die meisten Kindergärtler schon herum. Ich bekam die Anfänger zugeteilt. Mit ihnen rutschte ich zuerst ein bisschen die Piste auf dem Übungsplatz hinunter.
Mein erster Eindruck: Für Kinder, die das erste Mal auf den Ski standen, fuhren sie erstaunlich gut. Nur den Dreh in den Kurven hatten die meisten noch nicht ganz richtig erfasst. Ich wusste jedoch genau, wie ich ihnen das Skifahren beibringen konnte, nämlich mit technischen Übungen, mit Stemmbogen machen, auch Pizza genannt, Hochträppeln und Fahren nach Vorgabe.
Nach jeder Übungslektion brauchten die Kinder eine kleine Stärkung. Tee trinken und Biscuits essen war angesagt. Nach dem ersten Skitag waren die Kindergärtler nicht mehr topfit. Sie wollten nichts anderes mehr als nach Hause zurückzukehren. Zufrieden versorgten alle ihre Ski in der Snowli-Hütte.
Am Morgen des zweiten Tages war alles frisch verschneit. Ich freute mich schon auf den Nachmittag mit den Kindergärtlern im pulvrigen Schnee. Beim Anziehen der Skis nervten sich die Kinder über die Schneeklötze an den Skischuhen. Wir halfen ihnen, den klebrigen Schnee wegzuklopfen. Endlich ging es auf den Sesselilift. Oben angekommen, wärmten wir uns auf und sangen den Snowli-Song. Kinder lernen schnell. Trotz schwieriger Schneeverhältnisse verlief der Nachmittag erstaunlich gut.
Der dritte Tag war anstrengend. Doch die Kinder freuten sich noch mehr aufs Skifahren. Der Schnee klebte immer wieder an den Skischuhen. Davon liessen sich unsere Kindergärtler jedoch nicht zermürben. Sie waren tapfer und gaben sich grosse Mühe. Die Kinder machten grosse Fortschritte. Nur wenn anwesende Eltern das Gefühl hatten, sie wüssten alles besser, war es ziemlich schwierig, den Kindern etwas Sinnvolles beizubringen.
Das Thema des dritten Tages war «Träppeln». Wir legten einen Teppich aus, damit es für die Kinder einfacher war, hochzusteigen. An diesem Tag war ein ganz besonderer Helfer dabei: der Snowli. Diese lustige Figur bereitete den Kindern eine Riesenfreude. Mit ihr konnten sie alles viel besser. Snowli kommt übrigens vom Mars. Er ist schon mehrere hundert Jahre alt. Leider kann er nicht sprechen. Aber er kann alle Wünsche erfüllen. Er kann Ski fahren, auf einem Bein stehen, die Schlange, das Känguru, den Bär und den Pinguin machen.
Die Kindergärtler entpuppten sich am vierten Tag als richtige Naturtalente. Auch wenn sie noch nicht bereit waren, um an den Ponylift zu gehen, waren sie startklar für das Abschlussrennen.
Am fünften Tag half ich den Skilehrern, den Parcours aufzustellen. Ich freute mich darauf, meine Truppe fahren zu sehen und hoffte, das Rennen zu gewinnen. Wir teilten den Kindern die Startnummern aus. Oben begannen wir mit dem Snowli-Song. Plötzlich wurden die Kinder nervös, denn es ging an den Start. Dort mussten sie nochmals warten.
Die obersten Skiklassen begannen als Erste. Während der Wartezeit kamen die Eltern und sprachen den Kindern ein wenig Mut zu. Manche dachten, ihre Kinder seien zu gut und könnten von ganz oben starten. Doch ich liess dies nicht zu. Ich sagte, von der Mitte aus genüge es, denn manche zukünftigen Skikanonen konnten noch keine richtigen Kurven fahren. Das war perfekt.
Vergleicht man den ersten mit dem letzten Tag, erkennt man sehr grosse Fortschritte. Die Kinder konnten nun richtig auf den Ski stehen. Manche fuhren schon erste Kurven. Meine Truppe und ich, das war ein tolles Erlebnis. Ich würde diesen Job immer wieder machen. Der Abschied von allen fiel mir schwer. Mir hat es grosse Freude bereitet, etwas mit den Kleinen zu machen, und dass die Kinder etwas von mir lernen durften.
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