Kanti-Kolumne
Mein Glück ist von sozialen Medien abhängig - und ich werde nichts daran ändern

Von der Handy-freien Kindheit über das erste Handy zur social-media-Sucht. Eine Schülerin erzählt.

Kalea
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Snapchat: Im Moment sehr beliebt bei Jugendlichen

Snapchat: Im Moment sehr beliebt bei Jugendlichen

KEYSTONE/CHRISTIAN BEUTLER

Ich bekam mein erstes Handy, ein damals schon wieder veraltetes Modell des iPhones, mit 13. In meiner Klasse war ich damit eine der Letzten. Darauf hatte ich minimalen Speicherplatz und installierte vorerst nur WhatsApp. Damals sah ich noch auf den Rest meiner Klasse hinab. Ich bräuchte doch keine Sozialen Medien, die seien alle einfach süchtig danach.

Immer wieder sagten mir meine Freundinnen, lad dir doch "Instagram" und "Snapchat" runter, man verpasst sonst etwas... Nach einiger Zeit tat ich das – trotzdem eskalierte meine Handynutzung nicht. Also war ich mit 13 immer diejenige, die versuchte, ihre Freundinnen in ein Gespräch zu verwickeln und vom "Handysuchten" abzuhalten. Es war etwas, auf das ich stolz war und ich verachtete alle, die ihr Handy öfter als ich benutzten – also fast alle über 12. Doch nun gehöre ich selber dazu.

Hätte mir jemand vor knapp einem Jahr gesagt, mein Glück sei von meinem Handy abhängig, hätte ich dies sehr laut abgestritten. Doch im letzten Herbst habe ich mir ein neues Handy finanziert und plötzlich waren mir sehr viele Möglichkeiten offen, mit eigener Apple-ID und einem Abo. Meine Zeit vor dem Bildschirm wuchs. In den folgenden Sportferien war ich in Australien und meine Handynutzung wurde von meinem Vater extrem zurückgedreht, teilweise wurde das Gerät gar beschlagnahmt.

Zudem hatte ich vor diesen Ferien viele Konflikte mit meiner Mutter und dachte, in Australien könnte sich die Bezieung entspannen. Ich lag völlig falsch – Streit gab es sehr oft, der Auslöser war meistens mein Handy. Schliesslich wurde ich sogar gezwungen, meine Sozialen Medien, exclusive "WhatsApp", zu löschen. Diese Zeit ohne "Snapchat" und "Instagram", in und nach den Ferien, war sehr unangenehm. Ich fühlte mich ständig ausgeschlossen und dachte, ich verpasste alles. Irgendwann war ich ständig so unglücklich, dass ich mir die Apps heimlich wieder heruntergeladen habe. Mir ging es mental schnell wieder besser und im Rückblick muss ich sehen, dass das Handy einen extremen Einfluss auf mich hat.

Ich bin wohl süchtig nach meinem Handy, doch ich bezahle es selber und es gibt kleinere Einschränkungen. Würde es mir jemand wegnehmen oder verbieten, würde ich mich mit allen Mitteln einsetzen, nur um es zurückzuhaben – wenn nötig sogar mit Tränen und auswendig gelernten Fakten. (Dies ist schon vorgekommen und ich hatte zum Glück Erfolg damit.) Heute als 16-Jährige in der Schweiz ohne Handy leben, kann ich mir nicht vorstellen. Wer, der schon ein Handy besitzt und benutzt, könnte das schon?