Start-ups
Mehr Platz für Jungunternehmen: «Start Smart Schlieren» expandiert Richtung Westen

Gleich auf zwei Standorte wird das Platzangebot für Jungunternehmen ausgedehnt. Mit diesem Schritt erhofft sich Schlieren, vornehmlich Vertreter aus zwei Branchen anzulocken.

Alex Rudolf
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Im Schlatter-Hochhaus an der Brandstrasse haben Start-ups ab nächster Woche die Möglichkeit, Büroplätze in der zehnten Etage mit Blick nach Zürich zu mieten.

Im Schlatter-Hochhaus an der Brandstrasse haben Start-ups ab nächster Woche die Möglichkeit, Büroplätze in der zehnten Etage mit Blick nach Zürich zu mieten.

Alex Rudolf

Bereits ein halbes Jahr nach der Gründung des Vereins «Start Smart Schlieren» Mitte 2013 zeichnete sich ab, dass der Platz knapp werden würde. Die letzten Flächen der beiden Standorte an der Rütistrasse 12 und 14 wurden zu Weihnachten des selben Jahres bezogen. Nun eröffnet die Stadt Schlieren zwei weitere Standorte, an denen sich Jungunternehmer zu günstigen Konditionen einmieten können, und weitet zudem das Angebot von Coworkingbüros an der Rütistrasse aus. Die neuen Lokalitäten befinden sich an der Brandstrasse 24 sowie an der Wiesenstrasse 33. Gesamthaft werden an diesen drei Standorten 60 zusätzliche Arbeitsplätze für Jungunternehmen und Coworkings geschaffen.

Mit der Eröffnung von kommender Woche verfolgt der Schlieremer Standortförderer Albert Schweizer einen straffen Zeitplan. Büros bringe man nicht an die Leute, wenn Interessenten die Räume nicht vorher ansehen könnten, sagt er dazu. Daher musste alles Schlag auf Schlag gehen. Ab Montag werden dem Verein «Start Smart Schlieren» die Schlüssel der beiden Liegenschaften übergeben. In den folgenden Tagen wird eingerichtet bevor am nächsten Freitag die ersten beiden Jungunternehmer ihre Schreibtische beziehen. Obwohl erst zwei der knapp 60 neuen Arbeitsplätze vermietet sind, rechnet Schweizer damit, dass bis Mitte dieses Jahres rund die Hälfte besetzt sein wird. Ende 2016 soll die Auslastung 100 Prozent betragen. Die bisherige Geschichte des Vereins «Start Smart Schlieren» begründet diese ambitionierte Berechnung (siehe Text rechts). Bis anhin wurde darauf verzichtet, für die anstehende Eröffnung die Werbetrommel zu rühren. Mit Ausnahme einiger Plakate am Schlieremer Bahnhof wies nichts auf die Expansion hin.

Am Standort an der Wiesenstrasse werden bald 6 Coworking-Arbeitsplätze sowie 10 Einzelbüros angeboten.

Am Standort an der Wiesenstrasse werden bald 6 Coworking-Arbeitsplätze sowie 10 Einzelbüros angeboten.

Alex Rudolf

10. Etage mit Blick nach Zürich

An den neuen Standorten werden vornehmlich Coworking-Arbeitsplätze angeboten. Dies, weil die bisherigen acht Plätze an der Rütistrasse 14 heiss begehrt sind. «Daher werden wir im benachbarten Gebäude 20 Einzelarbeitsplätze und rund 10 offene Coworking-Arbeitsplätze eröffnen», so Schweizer. Die Stadt Schlieren übernimmt Vermietung und Vermarktung, die Betreuung vor Ort übernehmen weiterhin Mitarbeitende der Produktionsfirma Redsmoke. «Start Smart Schlieren» mietet die beiden weitere Liegenschaften: An der Brandstrasse 24 werden in der zehnten Etage des Schlatter-Hochhauses mit Blick in Richtung Zürich 4 Einzelbüroplätze mit Trennwänden und 10 offene Coworkings angeboten. Wenige Hundert Meter weiter westlich an der Wiesenstrasse 33 entstehen 6 Coworking-Arbeitsplätze sowie 10 Einzelbüros. Damit Jungunternehmen für die preiswerten Plätze infrage kommen, müssen sie einzig einen Businessplan vorweisen.

Diese Unternehmen sind die Leuchttürme

Contovista
Drei Jahre nach der Gründung von Contovista durften sich Nicolas Cepeda und Gian Reto à Porta erst jüngst über eine Millioneninvestition freuen. Ihre Lösungen für das persönliche Finanz-Management überzeugte die Verantwortlichen des Finanzdienstleisters Aduno, die nun mit dem Schlieremer Start-up zusammenarbeiten. Contovista ist ein Vertreter der FinTech-Branche (Finanztechnologie), die mehr und mehr an Gewicht zulegt. Gab es im Jahr 2010
nur 24 Fintech-Unternehmen in der Schweiz, waren es im vergangenen Jahr bereits deren 160.


Do Nxt
Erst Anfang 2016 schaltete das Schlieremer Start-up seine Crowdfunding-Plattform Do Nxt auf – wenige Wochen später wollten bereits über 750 Künstler mitmachen. Das Ziel von Do Nxt ist es, Kunstschaffenden den Zugang zu einem finanziellen Zustupf zu erleichtern. Diese können sich auf der Plattform einem kunstinteressierten Publikum präsentieren. Gefällt den Besuchern, was sie sehen, können sie dem Künstler monatlich zwischen 2 und 99 Franken entrichten. Wie sich diese bei ihren Gönnern bedanken, ist ihnen selber überlassen. Aber nicht jeder, der sich für einen Künstler hält, ist auch einer. So kuratieren die Macher von Do Nxt, wer ein Profil aufschalten darf und wer nicht.


Aeon Scentific
Seit seiner Gründung im Jahr 2010 arbeitet das Team von Aeon Scentific daran, die Operationstechnik bei der Legung von Kathetern zur Herzkammer zu verbessern. So soll der in der Leistengegend gelegte Katheter nicht wie bis anhin von Hand zum Herz navigiert werden, sondern via Joystick. Dies hat einerseits den Vorteil, dass so präzisier navigiert werden kann und andererseits ist die Katheterspitze des Aeon-Scentific-Produkts sehr weich, sodass die Gefahr von Gewebeschäden reduziert wird. Im Jahr 2014 erhielt das Unternehmen für seine Leistungen den Swiss Technology Award, der Innovationen in der Schweiz fördert.


Yourehab
Das Unternehmen entwickelt Produkte und Dienstleistungen, die Menschen in der Rehabilitierung mehr Selbstständigkeit geben sollen. So kombiniert das Unternehmen spielerische Therapiemethoden mit fortgeschrittener Sensortechnologie. Damit soll nicht nur die Motivation der Patienten, sondern auch deren Therapieerfolg gesteigert werden. Die Arbeit des Jungunternehmens wurde schon mehrfach ausgezeichnet: vom «Venturekick-Stage- 1-Award» über den Förderpreis der Stiftung «Volkswirtschaft» bis hin zum ZKB-Pionierpreis.


Virtamed
Das von Stefan Tuchschmid geleitete Jungunternehmen ist auf die Simulation von chirurgischen Eingriffen am 3-D-Modell spezialisiert. So haben Ärzte die Möglichkeit, Eingriffe an Knie, Schulter, Prostata und Gebärmutter zu üben, ohne dabei Patienten zu gefährden. Für seine Leistung erhielt das Unternehmen im Jahr 2013 den Swiss Economic Award in der Kategorie Hightech/Biotech.

Bio-Technopark bleibt grösstes Cluster

Mit dem Start-up-Cluster soll ein breiteres Spektrum an Unternehmen in Schlieren verankert werden, so das Ziel der «Start Smart»-Gründer. Mit dem «Building Technology Park» und dem «Bio-Technopark» verfügt die Stadt bereits über zwei potente Cluster, doch ziehen diese auch sehr spezialisierte Unternehmen an. Beim Start-up-Cluster hingegen sind Firmen aus den unterschiedlichsten Bereichen zu finden. Bezüglich der Anzahl Arbeitsplätze und Unternehmen bleibt der Bio-Technopark trotz Expansion von «Start Smart» das grösste Cluster der Stadt. Auf dem ehemaligen Wagi-Areal bieten rund 40 Firmen zwischen 800 und 900 Arbeitsplätze an. Der Building Technology Park mit seinen auf Gebäudetechnologie spezialisierten Firmen beheimatet an der Brandstrasse sechs Unternehmen mit rund 50 Arbeitsplätzen. Die zehn Unternehmen, die sich in den Räumen des Start Smart eingemietet haben, vereinen ebenfalls 50 Arbeitsplätze auf sich. Hinzu kommen ehemalige Start-ups, die an den Standorten Rütistrasse 14 und 16 ebenfalls 100 Beschäftigte haben.

Schweizer hat bereits zwei Branchen ins Auge gefasst, die er besonders gern in den neuen Liegenschaften als Mini-Cluster wachsen sehen würde. Dabei handelt es sich um die aufstrebenden Bereiche der MedTech (Medizinaltechnologie) und der FinTech (Finanztechnologie): «Aus diesen Branchen haben sich bereits drei, beziehungsweise ein Unternehmen in Schlieren niedergelassen», sagt er. «Würden sich aus deren Umfeld noch mehr Unternehmen in der Stadt ansiedeln, könnten Synergien genutzt werden.» Um dies zu fördern, trat Schweizer den jeweiligen Branchenverbänden bei, um leichter in Kontakt mit interessierten Start-ups zu kommen.

Schlieren bietet wie auch Dietikon nicht nur einen guten Nährboden für Start-ups, sondern auch für Coworkings. Im Mitte April erschienenen Immo-Monitoring-Bericht von Wüest & Partner ist ersichtlich, dass die beiden Limmattaler Städte derzeit rund 30 dieser flexibel mietbaren Arbeitsplätze anbieten. Dies sind ähnlich viele wie es in den bedeutend grösseren Städten Schaffhausen und Fribourg gibt. Mit den nun geschaffenen Plätzen wächst die Bedeutung der Region auf der Coworking-Schweizerkarte noch mehr.

Einen Arbeitsplatz gibt es ab 350 Franken pro Monat

Mit dem Bio-Technopark auf dem ehemaligen Wagi-Areal und dem «NewTechClub» an der Brandstrasse war es Schlieren schon früh gelungen, zwei Unternehmenscluster bei sich anzusiedeln. Mitte 2013 legte sie mit der Gründung des Vereins «Start Smart Schlieren» den Grundstein für einen weiteren. So sollten die zuhauf vorhandenen leerstehenden Büroflächen günstig an Jungunternehmer vermietet werden. Der Start-up-Cluster war geboren.

Der Verein setzt sich zusammen aus Vertretern des Gewerbevereins, der Wirtschaftskammer und der Stadt sowie der Standortförderung Schlieren. Die 1600 Quadratmeter umfassende Fläche in den beiden Liegenschaften an der Rütistrasse waren innerhalb eines Jahres an acht Firmen mit rund 160 festen und zehn offenen Arbeitsplätzen vermietet. Manche der darin beheimateten Unternehmen sorgten durch ihren Erfolg für Aufsehen.

Anschluss ist zentral

«Die Magnetwirkung der Arbeitsplätze an der Rütistrasse ist einerseits auf die tiefen Kosten zurückzuführen», sagt Standortförderer Albert Schweizer. Bereits ab monatlich 350 Franken inklusive Strom und Mobiliar gibt es einen Arbeitsplatz. Die minimale Mietdauer beträgt einen Monat, die Kündigungsfrist ist ebenso lang. «Andererseits ist der Standort direkt beim Bahnhof Schlieren mit der S-Bahn gut mit der Stadt Zürich vernetzt.» Doch auch die Nähe zu der Universität Zürich und der ETH seien hilfreich, da Hochschulabsolventen besonders viele Start-ups gründen.

Für die ersten drei Jahre unterstützte die Stadt Schlieren den Verein «Start Smart» mit einem Beitrag von jährlich 20 000 Franken. Diese Unterstützung der Stadt wird weitergeführt, wie Schweizer auf Anfrage sagt. Dies sicherlich für die kommenden zwei bis drei Jahre.

Leerstand nimmt ab

Die Strategie ist von Erfolg gekrönt: In den vergangenen anderthalb Jahren konnte Schlieren die leerstehende Büro- und Gewerbefläche von rund 30 000 Quadratmeter auf deren rund 25 000 abbauen, wie Schweizer sagt. Die Räume der NZZ-Druckerei in der Grössenordnung von 15 000 Quadratmetern sind in dieser Berechnung nicht enthalten.

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