Oberaargau
Mehr Mitsprache für Bus- und Bahnangebot gefordert

Die IG öffentlicher Verkehr fordert mehr Mitsprache der Kunden beim neuen Bus- und Bahnangebot. Morgen soll der Grundstein für eine Oberaargauer Route 66 gelegt werden.

Johannes Reichen
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Wer sagt, dass es «via Tell/KB» gehen soll? Die IG öV verlangt «neue Ideen und Impulse».

Wer sagt, dass es «via Tell/KB» gehen soll? Die IG öV verlangt «neue Ideen und Impulse».

Solothurner Zeitung

Morgen Donnerstag treffen sich die Mitglieder der Regionalen Verkehrskonferenz Oberaargau (RVK) zur ihrer 66. Sitzung. Es sieht jetzt ein bisschen danach aus, als sollte an dieser Sitzung der Grundstein für eine Oberaargauer Route 66 gelegt werden. Damit ist keineswegs eine neue Schnellstrasse gemeint. Vielmehr ist es die Absicht zumindest der Interessengemeinschaft öffentlicher Verkehr Oberaargau (IG öV), beim Denken und Ideensammeln ein Freiheitsgefühl hervorzurufen.

Am Donnerstag werden die Weichen für das neue Angebotskonzept 2014 bis 2017 gestellt. Der Ausschuss wird den Auftrag an ein Planungsbüro erteilen, dieses Konzept zu erarbeiten. Die IG stellt nun die Vergabe dieses Auftrags infrage. Und sie will den künftigen Planern eine Begleitgruppe zur Seite stellen und somit die «Betroffenen zu Beteiligten» machen, schreibt sie. «Neue Ideen und Impulse» seien gefragt.

Kreativer Prozess verunmöglicht

«In der jetzigen RVK kann man keinen kreativen Prozess auslösen», sagt Adrian Wüthrich, Präsident der IG öV und selbst Mitglied der RVK. Bisher sei es eher so gelaufen, dass das mit dem Konzept betraute Planungsbüro Vorschläge mache. «Da kann man dann meistens nicht mehr viel abändern.»

In den vergangenen Jahren war es stets das Büro 3B (Bahn + Bus Beratung) AG in Bern, das die Oberaargauer Planung betreute. Auch dieses Mal wurde das Büro 3B von der RVK wieder angefragt und hat eine Offerte eingereicht, wie Roland Haldemann, Bau- und Verkehrsplaner bei 3B und zuständig für das Oberaargauer Angebotskonzept, bestätigt.

Ohne das bisher beauftragte Büro beim Namen zu nennen, fordert die IG, dass die RVK nicht nur «die offerierten Kosten berücksichtigen soll, sondern auch das Innovationspotenzial der eingeladenen Planungsbüros.» Auch sollten künftig vor allem die Interessen der Kunden im Vordergrund stehen.

ASM an Planungsbüro beteiligt

«Bis jetzt wurde vor allem ein Fahrplan gemacht, der gut für die Transportunternehmen ist und einen schlanken Betrieb ermöglicht», sagt Wüthrich. Interessant in diesem Zusammenhang: Das Planungsbüro 3B befindet sich im Besitz von vier Transportunternehmen.

Wie man der Website entnehmen kann, ist neben Bern mobil, Regionalverkehr Bern-Solothurn und Busverkehr Solothurn und Umgebung auch die Aare Seeland mobil (ASM) an 3B beteiligt. Der Anteil des wichtigsten Transportunternehmens im Oberaargau am Aktienkapital des Büros beträgt laut ASM-Geschäftsbericht 30 Prozent.

Dazu und zu den Äusserungen der IG und Wüthrichs wollte Haldemann keine Stellung nehmen.

Emmentaler Erfahrungen

Unabhängig davon, ob 3B den Zuschlag wieder bekommt, würde aber Roland Haldemann die Einsetzung einer Begleitgruppe begrüssen. Für die IG hätte eine solche Gruppe zudem den Vorteil, dass die Medien nicht zugelassen würden. Auch dies würde neue Ideen und freie Gedanken begünstigten, findet sie. Denn zu den Sitzungen der RVK Oberaargau sind die Medien zugelassen.

Besonders im Blick hat sie nun das Buskonzept in der Agglomeration Langenthal – und Wüthrich erinnert sich an die Mitarbeit in der Begleitgruppe der RVK Emmental. Vor vier Jahren ging es um das Busangebot in der Stadt Burgdorf.

Am Ende gabs zwei neue Buslinien. «Zur Zufriedenheit der Bevölkerung», sagt Adrian Wüthrich, «und zur Zufriedenheit der Stadt.»