Ratgeber Gesundheit
Medikamentenabhängigkeit im Alter

Nach einem Sturz musste meine alleinlebende Mutter (81) für eine Woche ins Spital. Dort wurde ich informiert, dass der Sturz im Zusammenhang mit ihrem Beruhigungsmittel-Konsum steht. Erst da ist mir bewusst geworden, dass meine Mutter schon längere Zeit regelmässig ein Beruhigungsmittel einnimmt und wahrscheinlich davon abhängig ist. Ist dies ein Problem und muss ich etwas dagegen unternehmen?

Dr. med. Dan Georgescu
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Gesundheit Aargau
Dr. med. Dan Georgescu Bereichsleiter und Chefarzt, Bereich Alters- und Neuropsychiatrie PDAG

Dr. med. Dan Georgescu Bereichsleiter und Chefarzt, Bereich Alters- und Neuropsychiatrie PDAG

Gesundheit Aargau

Menschen über 65 Jahre konsumieren laut Studien mehr und länger Schlaf- und Beruhigungsmittel als Angehörige anderer Altersgruppen. Die Gründe sind vielfältig: Verlusterlebnisse, Einsamkeit, Gefühle der Unattraktivität, Resignation, Ängste, körperliche Beschwerden, Krankheiten. Ausserdem leiden viele Menschen mit steigendem Alter zunehmend unter Schlafstörungen. Nicht selten ist auch das fehlende Problembewusstsein beim Patienten oder beim verschreibenden Arzt mit ein Grund für die Entwicklung einer Medikamentensucht. Mögliche Folgen einer Abhängigkeit von Schlaf- oder Beruhigungsmitteln sind Stürze, Unfälle, Entzugserscheinungen beim Absetzen, Verwirrtheit, wahnhafte Ideen, Depressionen, abnehmendes Gedächtnis, Verwahrlosung und sozialer Rückzug. Dabei ist zu beachten, dass durch den verlangsamten Stoffwechsel, den erhöhten Fettanteil und den geringeren Gehalt an Wasser im älteren Organismus auch niedrigdosierte Substanzen eine starke Wirkung zeigen können. Ausserdem werden Medikamente langsamer abgebaut, wodurch sich ihre Wirkungsdauer verlängert. Die Therapie-Ergebnisse bei älteren Abhängigen stehen denen bei jüngeren nicht nach. Allein schon die Aufklärung über negative Folgen und die gute Behandlungsprognose erhöht deutlich die Motivation, den Konsum von Medikamenten zumindest zu senken. Eine psychiatrische Therapie ist manchmal nötig. Eine stationäre Behandlung beschränkt sich auf besonders schwere Fälle. Interdisziplinäre Abklärung, Behandlung und Beratung für ältere Personen mit Medikamentenabhängigkeit und anderen psychischen Problemen finden Sie in den Sprechstunden des alterspsychiatrischen Ambulatoriums der PDAG an den beiden Standorten in Aarau und Windisch. Internet: www.pdag.ch, Tel. 056 461 95 00, E-Mail: memoryclinic@pdag.ch.